Grüne Tage Thüringen 2026: Wie Technik, Tierwohl und Regionalität die Landwirtschaft verändern

Grüne Tage Thüringen 2026: Wie Technik, Tierwohl und Regionalität die Landwirtschaft verändern
© Messe Erfurt GmbH - Grüne Tage Thüringen, Fotos: Karina Heßland-Wissel

Landwirtschaft muss heute vieles gleichzeitig leisten. Betriebe sollen effizienter produzieren, Ressourcen schonen, neue Technologien einsetzen und steigende Anforderungen an Tierwohl und Nachhaltigkeit erfüllen. Gleichzeitig wächst der Bedarf, Verbrauchern nachvollziehbar zu vermitteln, wie moderne Landwirtschaft überhaupt funktioniert. Genau an dieser Schnittstelle positionieren sich die Grünen Tage Thüringen 2026. Vom 25. bis 27. September wird die Messe Erfurt zum Treffpunkt für Landwirtschaft, Technik, Tierzucht und regionale Lebensmittelproduktion.

Das Programm zeigt, wie breit der Wandel inzwischen reicht: Landmaschinen treffen auf Robotik und digitale Anwendungen, moderne Tierhaltung auf Zuchtwettbewerbe, regionale Erzeugung auf den direkten Austausch mit Verbrauchern. Landwirtschaft wird damit zu einer Branche, in der technologische und gesellschaftliche Entwicklungen eng ineinandergreifen.

Wenn Landtechnik digital wird

Mechanisierung ist für die Landwirtschaft nichts Neues. Doch die nächste Entwicklungsstufe geht deutlich über leistungsfähigere Maschinen hinaus. Digitale Anwendungen und automatisierte Systeme verändern, wie Flächen bewirtschaftet, Arbeitsabläufe organisiert und Ressourcen eingesetzt werden. Auf den Grünen Tagen Thüringen soll dieser Wandel im Bereich „Innovation & Technik" sichtbar werden. Aussteller präsentieren dort moderne Landmaschinen, Robotiklösungen für den Pflanzenbau sowie digitale Anwendungen für eine effizientere und nachhaltigere Bewirtschaftung. Dahinter steckt eine betriebswirtschaftliche Frage: Wie lässt sich mit begrenzten personellen und natürlichen Ressourcen produktiv wirtschaften? Automatisierung kann Arbeitsprozesse übernehmen oder unterstützen, digitale Systeme können Entscheidungen auf eine breitere Datenbasis stellen. Entscheidend ist aber nicht die Technologie allein. Für landwirtschaftliche Betriebe zählt letztlich, ob sich Lösungen zuverlässig in den Betriebsalltag integrieren lassen und einen messbaren Nutzen bringen.

Tierwohl wird zum wirtschaftlichen Faktor

Auch bei der Nutztierhaltung verändern sich die Anforderungen. Tierwohl, Haltungssysteme und Zucht stehen längst nicht mehr nur innerhalb der Landwirtschaft zur Diskussion. Sie prägen zunehmend auch die öffentliche Wahrnehmung der Branche. Die Tierschauen der Grünen Tage verbinden traditionelle Elemente einer Landwirtschaftsmesse mit aktuellen Fragestellungen. Geplant sind Zuchtwettbewerbe und Bundesschauen; zugleich sollen Besucher Einblicke in moderne Haltungssysteme und Aspekte des Tierwohls erhalten. Für Betriebe geht es dabei nicht ausschließlich darum, regulatorische Anforderungen zu erfüllen. Verbraucherakzeptanz wird zunehmend zu einem Faktor, den die Branche bei Investitionen, Produktionsweisen und Kommunikation einkalkulieren muss.

© Messe Erfurt GmbH - Grüne Tage Thüringen, Fotos: Karina Heßland-Wissel

Regionalität braucht Sichtbarkeit

Technischer Fortschritt ist allerdings nur eine Seite der Landwirtschaft. Die andere beginnt dort, wo aus landwirtschaftlicher Produktion Lebensmittel und regionale Wertschöpfung entstehen. Mit dem Thüringer Marktplatz „Meine Region" rückt die Messe deshalb auch Produkte aus dem Freistaat in den Mittelpunkt. Schaukochen, Mitmachangebote und kulinarische Angebote sollen zeigen, was regionale Landwirtschaft hervorbringt. Für Erzeuger liegt darin mehr als ein touristischer oder kulinarischer Aspekt. Regionale Herkunft kann ein Differenzierungsmerkmal sein, vorausgesetzt, Verbraucher verbinden damit einen nachvollziehbaren Mehrwert. Dafür müssen Produzenten erklären können, woher Produkte kommen, wie sie hergestellt werden und was regionale Wertschöpfung konkret bedeutet.

Landwirtschaft muss sich auch erklären

Damit übernimmt eine Landwirtschaftsmesse heute eine zusätzliche Funktion. Es geht nicht mehr nur darum, dass Fachleute neue Maschinen sehen, Züchter ihre Tiere präsentieren oder Anbieter Geschäftskontakte knüpfen. Veranstaltungen wie die Grünen Tage bringen auch Menschen zusammen, die im Alltag nur selten direkt miteinander sprechen: Erzeuger und Verbraucher. Die Messe richtet sich deshalb an Fachbesucher und an ein breiteres Publikum. Familienangebote, Begegnungen mit Tieren und Mitmachaktionen sollen Landwirtschaft auch jenseits des Fachprogramms zugänglich machen. Das ist für die Branche nicht nebensächlich. Landwirtschaft steht heute stärker als viele andere Wirtschaftszweige unter öffentlicher Beobachtung. Fragen zu Nachhaltigkeit, Tierhaltung, Lebensmittelpreisen und Produktionsmethoden werden zunehmend außerhalb landwirtschaftlicher Fachkreise diskutiert. Wer Akzeptanz für Veränderungen schaffen will, muss deshalb nicht nur produzieren, sondern auch erklären. Die Grünen Tage Thüringen 2026 bringen diese unterschiedlichen Ebenen an einem Ort zusammen. Technik, Tierhaltung und regionale Lebensmittel wirken auf den ersten Blick wie sehr verschiedene Themen. Tatsächlich zeigen sie drei Seiten derselben Entwicklung: Landwirtschaft wird technologischer, steht gleichzeitig unter steigenden gesellschaftlichen Erwartungen und muss den Wert ihrer Arbeit stärker vermitteln. Wie gut dieser Spagat gelingt, dürfte für die Wettbewerbsfähigkeit vieler Betriebe mindestens ebenso wichtig werden wie die nächste Generation von Landmaschinen.

© Messe Erfurt GmbH - Grüne Tage Thüringen, Fotos: Karina Heßland-Wissel
Manfred Brinkmann, Managing Editor-in-Chief

Manfred Brinkmann

Managing Editor of European Business

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