„Manchmal muss man unkonventionell sein“

Interview mit Edwin Lingg, Geschäftsführer der Li&Co AG

Li&Co Ag Innovatives Wandsystem
Innovatives Wandsystem mit integrierter Heizung: Die LICO HeatWall beim Aufheizen

Die Li&Co Ag aus Müstair in der Schweiz ist seit fast vier Jahrzehnten ein kreativer Taktgeber in der internationalen Fußbodenbranche. Mit einem klaren Fokus auf Nachhaltigkeit und innovativen Lösungen aus Recyclingmaterialien setzt das Unternehmen Maßstäbe. Im Gespräch mit Wirtschaftsforum berichtet Geschäftsführer Edwin Lingg, warum er auf Hochlohnländer setzt, welche Ideen ihn antreiben und wieso er Erfolg nicht nur am Umsatz misst.

Wirtschaftsforum: Herr Lingg, Li&Co ist für seine Innovationskraft bekannt. Worauf liegt Ihr aktueller Fokus?

Edwin Lingg: Wir arbeiten daran, Materialien im Kreislauf zu halten – nicht nur aus ökologischen Gründen, sondern auch aus ökonomischer Notwendigkeit. Ein Beispiel ist unser Fußboden aus den Abfällen der Jeansproduktion. Die Baumwollfasern werden aufbereitet und zu einem vollwertigen Bodenbelag verarbeitet. Ähnliches machen wir mit Lederresten aus der Modeindustrie. Für mich gilt: Nachhaltigkeit muss sich rechnen, sonst setzt sie sich nicht durch.

Wirtschaftsforum: Für Sie gehören also Innovation und Wirtschaftlichkeit immer zusammen?

Edwin Lingg, Geschäftsführer der Li&Co AG
Edwin Lingg, Geschäftsführer der Li&Co AG

Edwin Lingg: Absolut. Ökologie allein ist selten kaufentscheidend, wenn ein vergleichbares Produkt mehr als 10% günstiger ist. Deswegen braucht es Regularien, die Ökologie und Ökonomie zusammenbringen – ökologisch und ökonomisch sinnvoll. Meine Aufgabe als Unternehmer ist es, Ideen zu entwickeln, die dem Kunden nützen und zugleich wirtschaftlich tragfähig sind.

Wirtschaftsforum: Haben Sie ein Beispiel für eine solche Idee?

Edwin Lingg: Unser neues Wandsystem mit integrierter Heizung ist ein Beispiel. Das System ist einfach, günstig in der Anschaffung und extrem effizient. Mit 500 W heizen wir einen Raum mit bis zu 30 m2 – wie mit einem modernen Kachelofen. Die Paneele sind individuell gestaltbar, lassen sich schnell aufheizen und bieten enormes Potenzial, auch für den Einsatz im Fußboden oder an anderen Flächen.

Wirtschaftsforum: Sie achten auf Wirtschaftlichkeit und produzieren dennoch in Hochlohnländern wie der Schweiz, Italien und den USA – warum?

Edwin Lingg: Qualität steht im Vordergrund. Natürlich könnte man auch in Billiglohnländern gut produzieren, aber für mich zählt, in Generationen zu denken, nicht in Quartalsabschlüssen. Eine Produktion nah am Markt spart Transportwege, erhöht Flexibilität und macht schlicht mehr Freude. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen wir innovativ, effizient und manchmal auch unkonventionell sein.

Wirtschaftsforum: Sind solche Entscheidungen auch ein Ergebnis Ihrer persönlichen Haltung?

Li&Co Ag Recycling
Aus Resten wird neuer Fußboden: Geschredderte Baumwollfasern aus der Jeansproduktion werden zum LICO Denim Floor verarbeitet

Edwin Lingg: Auf jeden Fall. Ich glaube an Geben und Nehmen, in dieser Reihenfolge. Vertrauen ist für mich ein zentraler Wert. Wir arbeiten ohne Vorkasse und Kreditversicherung, weil ich überzeugt bin, dass man Vertrauen zurückbekommt. Erfolg bemesse ich nicht nur an steigenden Umsätzen, sondern auch daran, ob ich mit mir selbst im Reinen bin. Ich setze auch auf Kooperation statt Abschottung. Wir laden sogar Mitbewerber ein, zeigen ihnen neue Produkte und teilen unser Wissen. Denn: Eine Firma allein kann keinen Markt schaffen – dafür braucht es mehrere Anbieter, die in dieselbe Richtung arbeiten. Konkurrenz belebt nicht nur das Geschäft, sondern erhöht auch die Akzeptanz neuer Ideen.

Wirtschaftsforum: Blicken wir zum Abschluss in die Zukunft: Wo sehen Sie Li&Co in den nächsten Jahren?

Edwin Lingg: Wir werden unser Werk in Müstair erweitern, um für künftiges Wachstum gerüstet zu sein. Die Nachfrage ist momentan etwas gedämpft, aber ich bin Optimist. Mit unseren nachhaltigen Fußböden und den Heizsystemen haben wir Produkte mit echtem Zukunftspotenzial. Und neue Ideen gehen uns nicht aus – manchmal entstehen sie einfach aus Technikbegeisterung, nicht aus der Frage, ob man sofort Geld damit verdient.

Weitere Artikel zum Thema

Raum für neues Arbeiten

Interview mit Alexander Große-Gung, Geschäftsführer der neueRäume. GmbH

Raum für neues Arbeiten

Veränderte Arbeitswelten, digitale Prozesse und der Wunsch nach Stabilität – die Büro- und Objekteinrichtungsbranche steht vor komplexen Herausforderung...

Individuelle Konzepte für moderne Bürolandschaften

Interview mit Karl Leitner, Geschäftsführer der FLW Handels Ges.m.b.H

Individuelle Konzepte für moderne Bürolandschaften

Flexible Arbeitswelten, hybride Bürokonzepte und nachhaltige Einrichtungslösungen – die Anforderungen an moderne Arbeitsumgebungen sind vielfältiger denn...

Grün denken, smart gestalten: Wie lebendige Mooswände Märkte erobern

Interview mit Carsten Schmieding, Geschäftsführer und Stefan Franke, Projektmanager bei NatureRooms

Grün denken, smart gestalten: Wie lebendige Mooswände Märkte erobern

Mit NatureRooms schlägt die Franke Filter GmbH ein neues Kapitel auf: Smarte, lebendige Mooswände bringen Natur, Design und Technologie zusammen – und...

Transformation greift: Der neue Takt im Küchenmarkt

Interview mit Dr. Mehdi Al-Radhi, Geschäftsführer und Jochen Püls, Vertriebsleiter der Impuls Küchen GmbH

Transformation greift: Der neue Takt im Küchenmarkt

Als Spezialist für Küchenmöbel im Preiseinstieg verbindet die Impuls Küchen GmbH moderne Gestaltung mit industrieller Präzision und Preisbewusstsein mit ...

Manfred Brinkmann, Managing Editor-in-Chief

Manfred Brinkmann

Managing Editor of European Business

Gestalten Sie die Zukunft der Wirtschaft?

Als Chefredakteur bin ich stets auf der Suche nach der nächsten Generation von Führungskräften und Innovatoren. Wenn Sie an der Spitze eines einflussreichen Unternehmens stehen, lade ich Sie ein, mit uns in Kontakt zu treten. Teilen Sie Ihre Vision mit unserem einflussreichen Publikum.