Die Verpackung in der Verpackung

Interview mit Dr. Axel Weiler, CEO der ROUNDLINER Gruppe

Dr. Axel Weiler, CEO der ROUNDLINER Gruppe
Dr. Axel Weiler, CEO der ROUNDLINER Gruppe

Bis 2050 soll es weltweit 65% mehr Abfall geben – das besagt eine Studie des UN-Umweltprogramms. Um Müll zu reduzieren, wird der bewusste Umgang mit Ressourcen immer wichtiger. Die ROUNDLINER Gesellschaft für umweltfreundliche Verpackungen GmbH aus Forst geht genau diesen Schritt. Mit ihren industriellen Linern aus Kunststoff und Kunststoffverbunden werden nicht nur verschiedenste Produkte geschützt, sondern es wird auch Müll vermieden.

Wirtschaftsforum: Herr Dr. Weiler, ROUNDLINER ist Inbegriff für Säcke und Beutel, Liner genannt, mit denen Füllgut und Schüttgut geschützt wird. Damit ist das Unternehmen auf einem Nischenmarkt tätig. Wie kam es dazu? 

Dr. Axel Weiler: ROUNDLINER wurde vor über 25 Jahren gegründet; zu der Zeit stellte das Unternehmen Altkleidersäcke her. Zum weiteren Ausbau des Geschäftes kam der Gedanke auf, die Erfahrung und das Know-how rund um Kunststoff für industrielle Verpackungslösungen zu nutzen, vor allem für die chemische Industrie. Genau das ist heute unser Kerngeschäft. 

Wirtschaftsforum: Können Sie die Produkte näher beschreiben? Was zeichnet die Liner aus? 

Dr. Axel Weiler: Ziel der Liner ist, die Produkte der Kunden zu schützen. Deshalb haben diese je nach Kundenwunsch bestimmte Eigenschaften. Sie können Produktanhaftung vermeiden, vor Feuchtigkeit und Verderb schützen, sind temperaturbeständig oder schützen vor elektrostatischer Aufladung. Natürlich ist auch eine gleichbleibende, kontrollierte Qualität ein Markenzeichen unserer Produktion.

ROUNDLINER Rundbodensack zur Behälterauskleidung
Rundbodensack zur Behälterauskleidung
ROUNDLINER Forminliner
Beispiele für Forminliner – passgenau und ohne Schweißnähte

Wirtschaftsforum: Wo kommen die Liner zum Einsatz? 

Dr. Axel Weiler: Die Anwendungen sind sehr unterschiedlich und reichen von der Farb- und Lackindustrie über Chemie- und Pharmaindustrie hin zu Kosmetik, Food und Consumer Goods. 

Wirtschaftsforum: Welche Kernbereiche umfasst das Portfolio? 

Dr. Axel Weiler: Klassiker unseres Angebots sind Rundbodensäcke, Forminliner, Abdeckhauben, Kesselauskleidungen und Maxiliner, die in Form, Größe und Durchmesser variieren. Dabei geht es immer darum, die Produkte der Kunden zu schützen und damit die Probleme der Kunden in den Produktionsprozessen lösen. 

ROUNDLINER Produktion im Sauberraum
Ein Blick in die Produktion im Sauberraum

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt das Thema Nachhaltigkeit für ROUNDLINER? Vor allem vor dem Hintergrund, dass die Liner aus Kunststoff bestehen? 

Dr. Axel Weiler: Mit den Linern leisten wir einen aktiven Beitrag zur Müllvermeidung und zur Kreislaufwirtschaft. Ein Beispiel: 200-l-Fässer für Farben und Lacke müssen nach der Nutzung aufwändig gereinigt werden, um erneut eingesetzt werden zu können. Mitunter werden sie auch entsorgt. Kleiden Liner das Fass aus, wird das entsprechende Produkt eingefüllt, der flexible Liner passt sich in das Fass ein und wird nach dem Transport entnommen und entsorgt. Das Fass wird dadurch geschont und kann mehrfach verwendet werden. Das spart signifikant Kosten und leistet einen Beitrag zur Nachhaltigkeit.

Unser Liner ermöglicht somit ein nachhaltiges Verpackungssystem aus Fass und Liner. Ein weiterer Aspekt, der für Nachhaltigkeit spricht, ist die Verwendung von Rezyklaten, deren Qualität in der Regel mit der von 1A-Produkten vergleichbar ist. Zudem versuchen wir, mit bestimmten Kunststoffen die Dicken der Folien zu reduzieren, ohne Abstriche bei den Festigkeitswerten zu machen. Mit weniger Materialeinsatz arbeiten wir daran, exakt die Lösung zu präsentieren, die der Kunde braucht. 

ROUNDLINER Liner
Maxiliner – spezielle Verkleidung für großvolumige Verpackungen / Forminliner – die Garantie für ein schnelles, unkompliziertes Handling / Auch Abdeckhauben sind Teil des Produktportfolios / Die Liner überzeugen mehrfach – funktional und in Sachen Nachhaltigkeit

Wirtschaftsforum: Wie beurteilen Sie die aktuelle Marktposition des Unternehmens und welche He-rausforderungen stellen sich? 

Dr. Axel Weiler: Mit über 300 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 30 Millionen EUR zählt ROUNDLINER zu den Marktführern in einem Nischenmarkt – sowohl was Marktanteile als auch technologische Kompetenz betrifft. Mit unseren Standorten in Tschechien und Bosnien-Herzegowina reagieren wir mit unserer langjährigen Erfahrung und unserem Know-how jederzeit flexibel auf Kundenwünsche und entwickeln gemeinsam neue Verpackungslösungen. Seit Ende 2024 sehen wir eine zunehmende Unsicherheit an den Märkten – bedingt durch die Neuwahlen in den USA und Deutschland. Kunden bauen seitdem weniger Lagerbestände auf und rufen Produkte kurzfristig ab. Dank intelligenter Produktionsplanung und erweiterter Lagerkapazitäten können wir die aktuellen Herausforderungen meistern.

Wirtschaftsforum: Wie blicken Sie angesichts dieser Situation in die Zukunft? 

Dr. Axel Weiler: Durchweg positiv. Die Stimmung in der Industrie verbessert sich und Wirtschaftsinstitute rechnen 2026 mit einem Wachstum von mehr als 1%, was ein wichtiges Signal ist nach Jahren der Stagnation. Wir hoffen, dass die Investitionsfreudigkeit der Unternehmen wieder zunimmt. 

Wirtschaftsforum: Das heißt, ROUNDLINER wird den Wachstumskurs fortsetzen? 

Dr. Axel Weiler: Ja, wir wollen mit mehr Produkten in mehr Anwendungen kommen und in neuen Märkten wie den USA und Spanien, aber auch im Mittleren Osten Fuß fassen. Aufgrund der EU-Verpackungsverordnung PPWR dürfen ab 2030 nur noch wiederverwertbare Verpackungen genutzt werden, um Verpackungsabfälle zu reduzieren und die Recyclingquoten zu erhöhen. Wir gehen davon aus, dass dieses Gesetz unsere Position stärken und die Nachfrage nach Linern ankurbeln wird. Unsere hohe Produktions- und Qualitätsbasis sowie ein technikaffines Vertriebsteam, das partnerschaftlich mit den Kunden vor Ort Lösungen erarbeitet, werden von unseren Kunden geschätzt und verschaffen uns einen klaren Wettbewerbsvorteil.

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