Wiederbelebung alter Weisheiten
Interview mit Ignaz Freisl, Geschäftsführer
Freisl Kraftfutter GmbH, eine familiengeführte Futtermühle mit Wurzeln, die bis ins Jahr 1020 zurückreichen, steht an vorderster Front, wenn es um die Integration alter landwirtschaftlicher Praktiken in die moderne Landwirtschaft geht. Der Geschäftsführer in sechster Generation, Ignaz Freisl, betont die Bedeutung von Nachhaltigkeit und Innovation, insbesondere durch die Verwendung von Schwarzkohle. Diese moderne Anwendung alten landwirtschaftlichen Wissens verbessert nicht nur die Bodenfruchtbarkeit, sondern spricht auch drängende Umweltprobleme an.
Schwarzkohlenstoff oder Pflanzenkohle spielt eine entscheidende Rolle für die Bodengesundheit. „Wir verlieren massive Mengen an Kohlenstoff aus unseren Böden aufgrund nicht nachhaltiger Landwirtschaftspraktiken,“ erklärt Ignaz Freisl. Der Verlust von Humus verringert nicht nur die Bodenfruchtbarkeit, sondern trägt auch zu den atmosphärischen Kohlenstoffpegeln bei. Durch die Wiedereinführung von Kohlenstoff in den Boden zielt Ignaz Freisl darauf ab, ein nachhaltigeres landwirtschaftliches Ökosystem zu schaffen. „Der Kohlenstoff fungiert als Brücke zwischen den Mineralien des Bodens und seinen lebenden Organismen, die für ein florierendes Ökosystem essenziell sind,“ bemerkt er.
Die Terra Preta-Verbindung
Terra Preta, oder ‘Schwarze Erde’, ist eine Art fruchtbarer Boden, der im Amazonasbecken vorkommt und von indigenen Landwirtschaftsgemeinschaften geschaffen wurde. Sie zeichnet sich durch hohe Konzentrationen an Holzkohle, organischer Materie und Nährstoffen aus. „Terra Preta-Böden wurden über Tausende von Jahren entwickelt und können Nährstoffe und Feuchtigkeit weit besser speichern als konventionelle Böden,“ schwärmt Ignaz Freisl. Dieses alte Wissen prägt seinen Ansatz zur modernen Landwirtschaft, bei dem er Schwarzkohlenstoff in Tierfutter einarbeitet.
Vorteile von Pflanzenkohle
Ignaz Freisl setzt seit 2015 Biokohle als Futtermittel in der Viehzucht ein und erkennt dessen vielfältige Vorteile. „Indem wir Tieren Biokohle füttern, können wir ihre Gesundheit verbessern und gleichzeitig den Boden bereichern, wenn sie ausscheiden,“ erklärt er. Dieser Prozess verbessert nicht nur die Nährstoffspeicherung im Boden, sondern mindert auch Probleme wie Bodenversauerung und Nährstoffauswaschung. Über die Zeit kann die Verwendung von Biokohle zu einer Reduktion des Düngerbedarfs führen, was letztendlich sowohl Bauern als auch der Umwelt zugutekommt.
Nachhaltige landwirtschaftliche Praktiken
Ignaz Freisl stellt sich eine Zukunft vor, in der nachhaltige Praktiken in der Landwirtschaft zur Norm werden. „Wir haben die Technologie und das Wissen; was wir jetzt brauchen, ist politischer Wille und Investitionen“, erklärt er. Seine Frau, die aus einer Gärtnerfamilie stammt und einen Hintergrund in Biologie hat, wendet diese nachhaltigen Praktiken aktiv auf ihrem kleinen Hof an. Gemeinsam reaktivieren sie ihre Gartenspaces und verwenden Pflanzenkohle, um die Bodengesundheit zu verbessern, was die Wirksamkeit dieser Methoden bei der Produktion von hochwertigem, biologischem Gemüse demonstriert.
Herausforderungen und Möglichkeiten
Trotz der offensichtlichen Vorteile erkennt Ignaz Freisl die Herausforderungen an, die die Förderung von Pflanzenkohle in traditionellen landwirtschaftlichen Gemeinschaften mit sich bringt. „Viele Landwirte zögern, neue Praktiken anzunehmen,“ gibt er zu. Um dies zu adressieren, betreibt Freisl Kraftfutter Bildungsinitiativen, bietet Workshops und Hofbesichtigungen an, um die greifbaren Vorteile ihrer Methoden zu demonstrieren. „Die Leute müssen es sehen, um es zu glauben,“ behauptet er.