Kohlenstoffmärkte im globalen Übergang

Interview mit Raik Oliver Heinzelmann, Geschäftsführer der Advantag GmbH

Advantag GmbH
Advantag GmbH

Der Kohlenstoffhandel ist zu einem der zentralen Instrumente der europäischen Klimapolitik geworden. Unternehmen, die Emissionen erzeugen, müssen Berechtigungen erwerben, was zu einem wachsenden Markt für klimabezogene Finanzinstrumente führt. Die Advantag AG ist auf diesem Gebiet spezialisiert und berät Unternehmen. In diesem Interview erklärt Geschäftsführer Raik Oliver Heinzelmann, wie der Emissionshandel funktioniert, warum Schnelligkeit in diesem Geschäft entscheidend ist und wie er die Marktentwicklung erwartet.

Seit 2009 ist Advantag im Handel mit CO2-Emissionszertifikaten und anderen Klimaschutzinstrumenten aktiv. Mit einer hochgradig digitalen Struktur und einem Team von sieben Mitarbeitern erzielte das Unternehmen im letzten Jahr einen Umsatz von rund 34 Millionen EUR, wobei für dieses Jahr etwa 40 Millionen EUR erwartet werden. Advantag arbeitet mit Unternehmen aus vielen Branchen zusammen, die am europäischen oder nationalen Emissionshandelssystem teilnehmen müssen und unterstützt Kunden in ganz Europa, während es mit internationalen Partnern auf dem freiwilligen Kohlenstoffmarkt zusammenarbeitet. Der Emissionshandel ist zu einem Schlüsselelement der europäischen Klimapolitik geworden: Unternehmen müssen Zertifikate für ihre Emissionen kaufen, während die Gesamtzahl der Zertifikate schrittweise reduziert wird, um das langfristige Ziel der Klimaneutralität zu unterstützen.

Kohlenstoffmärkte zwischen Klimapolitik und Finanzen

In vielerlei Hinsicht funktioniert der Handel mit Emissionszertifikaten ähnlich wie die Finanzmärkte. Zertifikate werden an Börsen wie der European Energy Exchange in Leipzig oder auf internationalen Plattformen gehandelt, wo Unternehmen die erforderlichen Zertifikate zum Abdecken ihrer Emissionen erwerben. „Die Emission von Treibhausgasen kostet derzeit etwa 70 EUR pro Tonne CO2, was einen wirtschaftlichen Anreiz für Unternehmen schafft, ihre Emissionen zu reduzieren“, erklärt Raik Oliver Heinzelmann. Der Emissionshandel ist daher nicht nur eine regulatorische Verpflichtung, sondern auch ein finanzieller Faktor: Unternehmen, die weniger emittieren, benötigen weniger Zertifikate und können ihre Kosten senken. Gleichzeitig können Zertifikate als finanzielle Vermögenswerte fungieren, die weiterverkauft werden können, wenn Unternehmen Liquidität benötigen oder mehr Zertifikate gekauft haben als nötig. Advantag agiert als spezialisierter Handelspartner und bietet börsenbasierte und außerbörsliche Transaktionen durch seine Mitgliedschaften an mehreren Börsen und ein internationales Partnernetzwerk an. Schnelligkeit spielt eine entscheidende Rolle auf diesem Markt. „Unsere Kunden erteilen einen Auftrag, überweisen die Mittel und wir führen die Transaktion zum gewünschten Preis aus – oft am selben Tag“, sagt Raik Oliver Heinzelmann. Das Unternehmen veröffentlicht auch einen wöchentlichen CO2-Marktbericht, der Orientierung über Marktentwicklungen und potenzielle Kaufgelegenheiten bietet.

Ein wachsender Markt, getrieben von Regulierung

Die Bedeutung des Emissionshandels wird in den kommenden Jahren voraussichtlich deutlich zunehmen. Tausende von Industrieanlagen und Luftfahrtbetreiber nehmen bereits am Europäischen Emissionshandelssystem teil, während zusätzliche nationale Systeme für Sektoren wie Verkehr und Gebäude eingeführt wurden. Auch das Marktverhalten hat sich verändert. Während Unternehmen zuvor das ganze Jahr über Emissionszertifikate kauften, wenn die Preise günstig waren, warten viele nun bis kurz vor der Einhaltungsfrist, um Liquidität zu bewahren. „Mit der Einführung des EU-ETS 2 werden viele zusätzliche Unternehmen in Europa verpflichtet, Emissionszertifikate zu kaufen – allein in Deutschland könnten mehrere tausend neue Teilnehmer in das System einsteigen“, sagt Raik Oliver Heinzelmann. Gleichzeitig wird erwartet, dass der freiwillige Kohlenstoffmarkt erheblich wachsen wird, da Unternehmen zunehmend unvermeidbare Emissionen durch Klimaschutzprojekte ausgleichen. „Die Einnahmen aus dem Emissionshandel sollten sichtbarer verwendet werden, um den Bürgern zu helfen, beispielsweise durch eine Klimadividende“, sagt Raik Oliver Heinzelmann.

Weitere Artikel zum Thema

Change Management und Innovation

Interview mit Andreas Traut, Geschäftsführer der COSMO CONSULT SE

Change Management und Innovation

Change Management ist eine der größten Herausforderungen in der heutigen digitalen Transformation und viele Unternehmen kämpfen damit, diese Veränderunge...

Projektmanagement als Schlüssel der Bauwirtschaft

Interview mit Dr. Stefan Reimoser, Business Development Executive, Teil der Geschäftsführung der Turner & Townsend GmbH

Projektmanagement als Schlüssel der Bauwirtschaft

Ob Flughafen, Rechenzentrum oder Krankenhaus – Großprojekte im Bau- und Immobiliensektor gelten oft als komplex. Die Turner & Townsend GmbH hat sich dara...

Die Menschen sichtbar machen

Interview mit Sven Karkossa, Vorstand der Capitell Vermögens-Management AG

Die Menschen sichtbar machen

Geldanlage ist Vertrauenssache. Mehr als 1.700 Privat- und Unternehmenskunden haben der Capitell Vermögens-Management AG mit Sitz in Frankfurt am Main be...

Die Wertschöpfungskette erweitern

Interview mit Dr. Karsten Klöcker, Sprecher der Geschäftsführung der Bayern Facility Management GmbH

Die Wertschöpfungskette erweitern

Immer mehr Betriebe und Verwaltungen geben die technische Bewirtschaftung ihrer Immobilien in kompetente Hände und konzentrieren sich ganz auf ihr Kernge...

Manfred Brinkmann, Managing Editor-in-Chief

Manfred Brinkmann

Managing Editor of European Business

Gestalten Sie die Zukunft der Wirtschaft?

Als Chefredakteur bin ich stets auf der Suche nach der nächsten Generation von Führungskräften und Innovatoren. Wenn Sie an der Spitze eines einflussreichen Unternehmens stehen, lade ich Sie ein, mit uns in Kontakt zu treten. Teilen Sie Ihre Vision mit unserem einflussreichen Publikum.