Gold ist kein Relikt – es ist ein Anker der Sicherheit

Interview mit Kálmán Schmidt, Geschäftsführer von Magyar Aranypiac Kft.

Der Goldmarkt erlebt seit einigen Jahren eine bemerkenswerte Renaissance. Inflation, geopolitische Spannungen und strukturelle Veränderungen im globalen Finanzsystem haben das Edelmetall wieder als strategische Säule der Vermögenserhaltung in den Mittelpunkt gerückt. Magyar Aranypiac Kft. hat diese Entwicklung frühzeitig erkannt und sich seitdem als Marktführer in Ungarn im Handel mit anlagefähigen Edelmetallen etabliert. Geschäftsführer Kálmán Schmidt spricht über unternehmerischen Antrieb, die Dynamik von Krisenmärkten und die digitalen Ambitionen des Unternehmens.

European Business: Herr Schmidt, Sie haben das Unternehmen selbst gegründet. Was hat Sie dazu bewogen, diesen Schritt zu gehen?

Kálmán Schmidt: Um das richtig zu beantworten, muss ich etwas weiter ausholen. Ich war nie dafür geschaffen, ein traditioneller Angestellter zu sein. Mich trieb stets der Wunsch an, etwas Eigenes aufzubauen und meine eigenen Ideen zum Leben zu erwecken. Nach meinem Studium der Betriebswirtschaftslehre habe ich zunächst in Deutschland gearbeitet, unter anderem für ein großes Unternehmen im Edelmetallsektor. Dort lernte ich das Geschäft von der Pike auf. Gleichzeitig wurde mir klar, dass innerhalb einer großen Konzernstruktur meine Möglichkeiten, eigene Visionen umzusetzen, begrenzt waren. Also entschloss ich mich, meine eigene Firma zu gründen.

European Business: Warum Ungarn und nicht Deutschland?

Kálmán Schmidt: Es war eine strategische Entscheidung. Der deutsche Markt ist sehr wettbewerbsintensiv und von sehr großen Akteuren dominiert. In Ungarn hingegen war der Markt für Investitionsedelmetalle zu dieser Zeit noch in den Kinderschuhen – eine klassische First-Mover-Gelegenheit. Ich hatte die Expertise, sprach fließend Deutsch und Englisch, und ich hatte ausreichend Startkapital. Die Zeit, das Marktumfeld und meine Erfahrung passten perfekt zusammen.

Kálmán Schmidt, Geschäftsführer der Magyar Aranypiac Kft.
Kálmán Schmidt, Geschäftsführer der Magyar Aranypiac Kft.

European Business: Heute gilt Ihr Unternehmen als Marktführer in Ungarn. Wie würden Sie Ihr Geschäftsmodell definieren?

Kálmán Schmidt: Unser Kerngeschäft ist der Handel mit investmentfähigen Edelmetallen, insbesondere Gold und Silber, sowie damit verbundene Dienstleistungen. Wir wenden uns sowohl an private als auch institutionelle Investoren, die physische Edelmetalle in ihre Vermögensstrategie aufnehmen möchten. Zusätzlich bieten wir sichere Lagerlösungen und logistische Dienstleistungen an. Letztendlich handeln wir mit greifbaren Vermögenswerten – und das schafft Vertrauen.

European Business: Gold hat in den letzten Jahren eine starke Dynamik erlebt. Wie wichtig sind globale Krisen für Ihr Geschäft?

Kálmán Schmidt: Sie spielen eine zentrale Rolle. Der Goldmarkt wird von zwei Kräften angetrieben: Liebe und Angst. Einerseits besteht die Nachfrage aus dem Schmucksektor – die emotionale Komponente. Andererseits gibt es die sicherheitsgetriebene Nachfrage in Zeiten der Unsicherheit. In den letzten Jahren haben wir eine Reihe von Störungen erlebt: die Finanzkrise, geopolitische Konflikte, die Pandemie und Inflation. In solchen Zeiten suchen die Menschen nach Stabilität. Gold erfüllt diese Rolle als zuverlässiger Wertspeicher.

European Business: Wie hat sich das Unternehmen in Bezug auf die Schlüsselzahlen entwickelt?

Kálmán Schmidt: Wir beschäftigen derzeit 48 Mitarbeiter. Letztes Jahr erreichte unser Umsatz etwa 33,5 Milliarden Forint – etwas mehr als 80 Millionen Euro. Nach ungarischen Maßstäben ist das eine beträchtliche Zahl. International sind wir natürlich kleinere Spieler, aber auf unserem heimischen Markt nehmen wir eine führende Position ein.

European Business: Auf welche strategischen Prioritäten konzentrieren Sie sich derzeit?

Kálmán Schmidt: Automation, Digitalisierung und der gezielte Einsatz künstlicher Intelligenz stehen im Mittelpunkt unserer laufenden Entwicklung. Viele Prozesse können effizienter, schneller und weniger fehleranfällig gestaltet werden. Es gibt erhebliches Potenzial in der Logistik, im Bestandsmanagement und in internen Abläufen. Wer langfristig im Edelmetallhandel wettbewerbsfähig bleiben will, muss technologisch vorausdenken.

European Business: Wo sehen Sie das Unternehmen in fünf Jahren?

Kálmán Schmidt: Ich möchte unsere Marktführerschaft weiter festigen und gleichzeitig neue Möglichkeiten erschließen – ob entlang der Wertschöpfungskette oder in angrenzenden Geschäftsbereichen. Unsere Grundlagen sind solide und bieten eine nachhaltige Plattform für Wachstum. Strukturell bauen wir das Unternehmen so auf, dass es Generationen überdauern kann.

European Business: Nach mehr als zwei Jahrzehnten als Unternehmer, was motiviert Sie weiterhin?

Kálmán Schmidt: Es geht mir nicht in erster Linie um Geld. Was mich motiviert, ist zu sehen, wie Ideen Wirklichkeit werden. Wenn eine Vision Gestalt annimmt und Prozesse genau so funktionieren, wie ich es mir vorgestellt habe, dann betrachte ich das als Erfolg. Unternehmertum bedeutet Verantwortung – aber es bedeutet auch Freiheit. Und diese Freiheit treibt mich auch heute noch an.

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