Technik, die Räume lebendig macht

Interview mit Ralph Höher, Geschäftsführer der ITV - Ingenieur Team ­Versorgungstechnik GmbH

ITV - Ingenieur Team Versorgungstechnik GmbH Team
Das Team der ITV - Ingenieur Team Versorgungstechnik GmbH in Berlin: Mit Leidenschaft, Fachkompetenz und langjähriger Erfahrung gestaltet das Büro seit über 20 Jahren die technische Infrastruktur zahlreicher Bauprojekte

Seit mehr als 20 Jahren prägt die ITV – Ingenieur Team Versorgungstechnik GmbH das Berliner Stadtbild entscheidend mit. Ob Wohnungsbau, Verwaltungsgebäude oder Sanierungen im Bestand: Das Ingenieurbüro sorgt dafür, dass technische Infrastruktur zuverlässig funktioniert und dennoch unsichtbar bleibt. Im Interview mit Wirtschaftsforum spricht Ralph Höher, Geschäftsführer, Mitgründer und Gesellschafter, über die Entstehungsgeschichte des Unternehmens, besondere Stärken und seine Pläne für die Zukunft.

Wirtschaftsforum: Herr Höher, wie ist die ITV entstanden?

Ralph Höher: Ich kenne meinen Geschäftspartner Servet Topraksuyu seit Mitte der 1990er-Jahre. Wir waren beide im Angestelltenverhältnis, wurden aber fast zeitgleich arbeitslos und haben uns im Jahr 2000 selbstständig gemacht. Zwei Jahre später kamen wir mit einem weiteren Partner zusammen und gründeten die ITV. Seit 2004 führen wir die Firma zu zweit als gleichberechtigte Geschäftsführer. Heute beschäftigen wir 19 Mitarbeitende und konzentrieren uns vor allem auf Projekte in Berlin.

Wirtschaftsforum: In welchen Bereichen sind Sie tätig?

ITV - Ingenieur Team ­Versorgungstechnik GmbH, Geschäftsführer Topraksuyu und Höher
Die Geschäftsführer Servet Topraksuyu und Ralph Höher führen die ITV gemeinsam

Ralph Höher: Wir arbeiten im Verwaltungs- und Wohnungsbau, sowohl für private Bauherren als auch für die öffentliche Hand. Das Besondere ist, dass wir eine umfassende Kompetenz über die klassische Haustechnik hinaus entwickelt haben. Oft betreuen wir neben Heizungs-, Lüftungs-, Klima- und Sanitärtechnik auch Hochbauanteile mit. Unser Ziel ist es, die Technik so einzubinden, dass Architekten ihre Ideen umsetzen können – ohne ständig auf Hindernisse zu stoßen.

Wirtschaftsforum: Was sind die Stärken von ITV?

Ralph Höher: Ganz klar unsere Ehrlichkeit, Leidenschaft und Detailtiefe. Wir sind sehr perfektionistisch und wollen immer eine Lösung finden. Außerdem sind wir jederzeit erreichbar und scheuen uns nicht, Fehler einzugestehen. Ein wichtiger Punkt ist auch, dass wir alle Berechnungen im eigenen Haus machen. Wir geben keine Rohrnetz- oder Anlagendimensionierungen nach außen, sondern wollen selbst das Gefühl haben: Das passt, die Anlage funktioniert.

Wirtschaftsforum: Leidenschaft ist ein großes Wort – was bedeutet das für Sie persönlich?

Ralph Höher: Für mich ist das die Begeisterung, an der Gestaltung der Stadt mitzuwirken. Haustechnik ist unsichtbar, aber ohne sie funktioniert kein Gebäude. Wir sorgen dafür, dass Architekten ihre Visionen verwirklichen können. Wenn ein Architekt am Ende sagt: „Super, das haben wir gelöst“, dann weiß ich, dass sich die Mühe gelohnt hat.

Wirtschaftsforum: Welche Projekte sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Ralph Höher: Da gibt es einige. Im Wohnungsbau war es ein Terrassenprojekt in Köpenick mit 154 Einheiten, das technisch sehr anspruchsvoll war. Im öffentlichen Bereich denke ich an die Sanierung des Gerichtsgebäudes in der Turmstraße, bei der energetische Vorgaben umzusetzen waren. Ein Highlight war auch ein modernes Bürogebäude der Klingsöhr Unternehmensgruppe, bei dem wir eine hochkomplexe Dachzentrale mit Lüftung und Kälte realisieren konnten.

Wirtschaftsforum: Der Markt ist aktuell schwierig – wie gehen Sie damit um?

Ralph Höher: Das stimmt, die Zinspolitik und Baukosten belasten die private Bauwirtschaft. Gleichzeitig gibt es im öffentlichen Bereich eine hohe Nachfrage. Für uns war es immer ein Vorteil, auf zwei Standbeinen zu stehen. Wenn der Wohnungsbau schwächelt, trägt die öffentliche Hand und umgekehrt. Diese Ausrichtung hat uns wirtschaftliche Stabilität gegeben.

ITV - Ingenieur Team Versorgungstechnik GmbH Neubauprojekt
Neubauprojekt Neuköllnische Allee 9, Berlin: ITV plante die gesamte Gebäudetechnik für das moderne Gewerbegebäude mit rund 13.000 m2 Bürofläche

Wirtschaftsforum: Was bedeutet das konkret für die Unternehmensstrategie?

Ralph Höher: Wir spezialisieren unsere Mitarbeiter stärker. Früher haben wir gesagt: „Wir brauchen einen Planer“ – egal für welchen Bereich. Heute bauen wir Spezialisten auf: für Steuer- und Regelungstechnik, für Lüftung, Heizung, Klima und Sanitär. Damit stellen wir sicher, dass jeder weiß, wofür er verantwortlich ist. Parallel dazu wollen wir wachsen: Wir suchen neue Büroflächen und möchten auf etwa 25 Mitarbeiter erweitern.

Wirtschaftsforum: Wie wichtig ist Ihnen Sichtbarkeit am Markt?

Ralph Höher: Sehr wichtig. In den letzten Jahren haben wir das Thema Marketing etwas vernachlässigt und jetzt holen wir auf: neue Website, Broschüren, überarbeitete Bürovorstellung. Wir wollen uns klarer präsentieren, damit Projektentwickler frühzeitig auf uns zukommen. Der Markt wird sich wieder drehen, davon bin ich überzeugt. Und dann wollen wir bereitstehen.

Wirtschaftsforum: Was motiviert Sie nach so vielen Jahren persönlich noch?

Ralph Höher: Ich habe einfach ein Faible für Technik. Schon als junger Handwerker hat es mich begeistert, wenn am Ende eines Projekts alles funktioniert. Diese Freude ist geblieben – und dafür stehe ich auch heute noch gern jeden Morgen um sechs Uhr auf. Natürlich gab es harte Zeiten, in denen wir uns selbst kein Gehalt zahlen konnten. Aber wir haben durchgehalten und sind heute ein gesundes Unternehmen.

Wirtschaftsforum: Ein Erfolgsgeheimnis scheint auch die Partnerschaft mit Ihrem Mitgründer zu sein.

Ralph Höher: Absolut. Servet Topraksuyu und ich arbeiten seit 25 Jahren zusammen – ohne Streit, ohne finanzielle Konflikte. Das ist selten in unserer Branche. Wir haben uns immer ergänzt: Er ist der Normen- und Vorschriftenmensch, ich bin eher für Organisation und Strategie zuständig. Diese Aufteilung hat uns stark gemacht.

Weitere Artikel zum Thema

Löcher stopfen und Daten managen

Interview mit Dr.-Ing. Karsten Gruber, Geschäftsführer und Joachim Ernst, Geschäftsführer der OBERMEYER Infrastruktur GmbH & Co. KG

Löcher stopfen und Daten managen

Seit über sechs Jahrzehnten prägt die Münchener OBERMEYER Gruppe die Ingenieur- und Planungskultur in Deutschland. 2020 wurde die OBERMEYER Infrastruktur...

Pioniere der grünen Prozessindustrie

Interview mit Frédéric Anthone, Chief Sales Officer von De Smet SA Engineers & Contractors

Pioniere der grünen Prozessindustrie

Ob Zuckerfabrik, Biokraftstoffanlage oder Fermentationsprojekt für alternative Proteine – überall, wo industrielle Prozesse effizienter, nachhaltiger und...

Mensch, Technik und Raum in Einklang bringen

Interview mit Prosper Dupuis, Geschäftsführer der Gertec GmbH - Planungsgesellschaft

Mensch, Technik und Raum in Einklang bringen

Als wirkmächtige Planungs- und Ingenieurgesellschaft sowohl für die Privatwirtschaft als auch die öffentliche Hand will Gertec konsequent an der Ausgesta...

Ein Zwilling sorgt für  Perfektion

Interview mit Ingo Straub, Geschäftsführer und Inhaber der INGELA Ingenieurgesellschaft für elektronische Ausrüstung mbH

Ein Zwilling sorgt für Perfektion

Ob Gebäude, Produktionsstätten oder komplexe Anlagen – ohne elektrotechnische Ausrüstung funktioniert keine moderne Infrastruktur. Mit dieser Kompetenz h...

Manfred Brinkmann, Managing Editor-in-Chief

Manfred Brinkmann

Managing Editor of European Business

Gestalten Sie die Zukunft der Wirtschaft?

Als Chefredakteur bin ich stets auf der Suche nach der nächsten Generation von Führungskräften und Innovatoren. Wenn Sie an der Spitze eines einflussreichen Unternehmens stehen, lade ich Sie ein, mit uns in Kontakt zu treten. Teilen Sie Ihre Vision mit unserem einflussreichen Publikum.