Unabhängige Mobilitätstechnik
Interview mit Reinier Foppen, Geschäftsführer
In dem Maße, in dem Gesellschaften inklusiver werden, wachsen auch die Erwartungen an zugänglichen Transport. Demografische Veränderungen verstärken diese Nachfrage, doch der Bedarf geht weit über eine alternde Bevölkerung hinaus: Millionen von Menschen mit Behinderungen oder vorübergehenden Mobilitätseinschränkungen sind auf Transportmittel angewiesen, die es ihnen ermöglichen, unabhängig zu reisen und am täglichen Leben voll teilzuhaben. Tribus B.V. mit Sitz in Utrecht, Niederlande, entwickelt innovative Fahrzeugumbauten und Mobilitätssysteme, die dies ermöglichen sollen. Geschäftsführer Reinier Foppen erklärt, wie technische Exzellenz, kontinuierliche Innovation und ein klares soziales Ziel das internationale Wachstum des Unternehmens vorantreiben.
European Business: Herr Foppen, zugängliche Mobilität wird immer wichtiger. Welche Rolle spielt Tribus bei der Ermöglichung unabhängiger Reisen für Menschen mit eingeschränkter Mobilität?
Reinier Foppen: Unser Anliegen ist es, Mobilität für diejenigen zugänglich zu machen, die darauf angewiesen sind. Ob jemand dauerhaft oder nur vorübergehend auf einen Rollstuhl angewiesen ist oder einfach zusätzliche Unterstützung benötigt, Reisen sollte so natürlich und unabhängig wie möglich sein. Wir arbeiten mit öffentlichen Verkehrsbetrieben, Flughäfen, Gesundheitsdienstleistern und Taxiunternehmen zusammen, um sichere, flexible Transportlösungen zu liefern. Was uns alle antreibt – und mich persönlich sicherlich motiviert – ist das Wissen, dass unsere Arbeit
den Menschen hilft, voll am täglichen Leben teilzunehmen. Das größte Kompliment, das wir erhalten können, ist, wenn uns jemand sagt, dass das Reisen in einem unserer Fahrzeuge sich nicht anders anfühlt als das Reisen in einem anderen Fahrzeug. Das ist der Moment, in dem wir wissen, dass wir einen echten Unterschied gemacht haben.
European Business: Tribus hat sich seit seiner Gründung vor fast drei Jahrzehnten beträchtlich entwickelt und gewachsen. Wie hat sich das Unternehmen entwickelt?
Reinier Foppen: Tribus wurde 1998 von drei Unternehmern gegründet, von denen zwei bis heute Eigentümer geblieben sind. Ursprünglich spezialisierte sich das Unternehmen auf Fahrzeugumbauten, aber mit der Zeit erkannten wir, dass wir noch größeren Wert schaffen könnten, indem wir eigene Produkte entwickeln. Heute entwerfen, produzieren und verfeinern wir kontinuierlich unsere eigenen Boden- und Sitzsysteme, um den sich wandelnden Bedürfnissen der Kunden gerecht zu werden. Wir haben international expandiert, mit Betrieben in Deutschland und den Vereinigten Staaten, während unser Komponentengeschäft nun Kunden in 35 Ländern bedient. Im Laufe der Jahre hat sich Tribus zu einem international anerkannten Ingenieurunternehmen entwickelt, das von Innovation und dem Engagement für unabhängige Mobilität angetrieben wird.
European Business: Was unterscheidet Tribus von seinen Wettbewerbern?
Reinier Foppen: Ingenieurwesen steht im Zentrum all unseres Handelns. Wir haben ein großes Entwicklungsteam, das kontinuierlich an neuen Lösungen arbeitet und bereits die nächste Produktgeneration entwickelt. Gleichzeitig bleiben wir vollkommen unabhängig von Fahrzeugherstellern, was es den Kunden ermöglicht, die Plattform zu wählen, die ihre Anforderungen am besten erfüllt. Ein weiterer wichtiger Vorteil ist unsere enge Beziehung zum Markt. Wir hören nicht nur den Betreibern und Einkaufsmanagern zu, sondern auch den Fahrern und täglichen Nutzern, was uns ermöglicht, praktische Erfahrungen in bessere Produkte umzusetzen.
European Business: Digitalisierung und Nachhaltigkeit verändern die Fertigung. Wie beeinflussen diese Trends Tribus?
Reinier Foppen: Beide werden zunehmend wichtiger. Wir implementieren derzeit eine neue ERP-Plattform, erweitern unsere CRM-Umgebung und integrieren mehr digitale Werkzeuge in unserer gesamten Organisation. Künstliche Intelligenz wird sowohl unsere internen Prozesse als auch die zukünftige Produktentwicklung zunehmend unterstützen. Nachhaltigkeit geht Hand in Hand mit diesen Entwicklungen. Wir investieren in Solarenergie und Batteriespeicher, elektrifizieren unseren Fahrzeugpark und verbessern kontinuierlich unsere Produktionsprozesse. Auf Produktebene konzentrieren wir uns zunehmend auf Reparierbarkeit, Aufarbeitung und die Verwendung von recycelbaren Materialien, um unseren ökologischen Fußabdruck über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg zu minimieren.
„Wenn eine Person mit eingeschränkter Mobilität mit demselben Vertrauen, Komfort und derselben Unabhängigkeit reisen kann wie jeder andere, dann wissen wir, dass wir wirklich einen Unterschied gemacht haben.“
European Business: Internationalisierung ist ein wichtiger Wachstumstreiber geworden. Was sind Ihre Ambitionen für die kommenden Jahre?
Reinier Foppen: Heute konzentriert sich unser Fahrzeugumbaugeschäft hauptsächlich auf die Niederlande und Deutschland, während unser Komponentengeschäft sich zu einer wahrhaft internationalen Operation entwickelt hat. Wir sehen erhebliche Chancen in benachbarten europäischen Märkten sowie in Übersee. Statt nur Produkte zu liefern, bieten wir zunehmend komplette Umbausätze, Ingenieurwissen und
Schulungen an, die es Partnern weltweit ermöglichen, zugängliche Fahrzeuge mit unserer Technologie zu bauen. Diese Kombination aus Produktinnovation und Wissenstransfer schafft langfristige Partnerschaften.
European Business: Mit Blick auf die Zukunft, was sind Ihre Prioritäten?
Reinier Foppen: Wir arbeiten an einer neuen Generation intelligenter Mobilitätslösungen, einschließlich eines elektrischen Niederflurfahrzeugs und Produkten mit verbesserten Überwachungs- und Sicherheitsfunktionen. Gleichzeitig werden wir weiterhin in unsere Mitarbeiter investieren, denn Innovation beginnt immer mit talentierten, engagierten Mitarbeitern. Unser Ziel ist es, unabhängige Mobilität weltweit noch mehr Menschen zugänglich zu machen. Für mich persönlich macht das diese Rolle so lohnend. Wenn jemand mit eingeschränkter Mobilität mit demselben Vertrauen, Komfort und Unabhängigkeit reisen kann wie jeder andere, dann wissen wir, dass wir wirklich einen Unterschied gemacht haben.