Anführung der Bewegung hin zu einer grüneren Wärmezukunft

Interview mit Krzysztof Szaliński, CEO von Przedsiębiorstwo Energetyki Cieplnej – GLIWICE Spółka z o. o.

Anführung der Bewegung hin zu einer grüneren Wärmezukunft

In ganz Europa hat sich der Übergang zu saubereren, widerstandsfähigeren Heizsystemen als zentrales Anliegen herausgestellt, da Städte überdenken, wie sie Wärme für Haushalte und die Industrie produzieren und verteilen. In Polen erweist sich das Przedsiębiorstwo Energetyki Cieplnej – GLIWICE Spółka z o.o. (PEC Gliwice) als Pionier und beginnt eine große Transformation von kohlenbasierten Heizsystemen zu einem System, das durch solare Thermotechnologie, Waste-to-Energy-Lösungen und fortgeschrittene Digitalisierung angetrieben wird. CEO Krzysztof Szaliński erklärt, wie dieser ehrgeizige Übergang sich entfaltet.

European Business: Herr Szaliński, PEC Gliwice feiert sein 55-jähriges Jubiläum. Welche wichtigen Meilensteine definieren seine Entwicklung? 

Krzysztof Szaliński: Ein entscheidender Schritt war unsere langfristige Dekarbonisierungsplanung. Ich spielte eine Schlüsselrolle bei der Gestaltung der Roadmap, der Umstrukturierung der Betriebsabläufe und der Ausrichtung des Unternehmens auf Umwelt- und EU-Strategien. Die Umstellung von Kohle auf grüne Energie ist der bedeutendste Meilenstein in unserer Geschichte. 

European Business: Wie sieht der aktuelle Energiemix von PEC aus und was ist das Ziel für die Zukunft? 

Krzysztof Szaliński: Heute betreiben wir sieben kohlebefeuerte Kessel und nutzen Kraft-Wärme-Kopplung von industriellen Partnern. Seit 2018 entwickeln wir eine neue Strategie, und seit 2024 haben wir mit deren Umsetzung begonnen. Unser Ziel ist es, die Wärme aus lokalen erneuerbaren Quellen zu maximieren – städtische Abfälle, Solarthermie, überschüssige Solarenergie von privaten Anlagen und Wärme, die aus Abwasser gewonnen wird. Innerhalb weniger Jahre werden wir vollständig von der Kohle abrücken.

European Business: Die Energiegewinnung aus Abfall ist zentral in Ihren Plänen. Wie passt das in eine ‚grüne‘ Strategie? 

Krzysztof Szaliński: Ein großer Teil des städtischen Abfalls ist biologisch abbaubar und landet heute in großen Mengen auf Mülldeponien. Indem wir diesen Anteil einer hochwirksamen thermischen Behandlung zuführen, reduzieren wir die Umweltbelastung erheblich. Ja, es bleibt etwas CO2 übrig – und wir zahlen die entsprechenden Gebühren – aber bis 2028 erwarten wir einen Rückgang der Emissionen um 70%, vorausgesetzt, alle Investitionen verlaufen wie geplant. 

European Business: Die Integration von Solarenergie ist ein weiterer wichtiger Bestandteil. Können Sie die Solarprojekte erklären? 

Krzysztof Szaliński: Wir bauen Polens größte solarthermische Anlage auf einer Fläche von etwa 4 Acres, die direkt heißes Wasser für das Fernwärmenetz produziert. Photovoltaik wird unsere eigenen Betriebe unterstützen und nicht die Stadt speisen, da sie größtenteils auf den Dächern lokaler Investoren liegt, weil das Hauptgelände bereits voll belegt ist. 

European Business: Beziehen Sie andere erneuerbare Quellen, wie Wind, mit ein? 

Krzysztof Szaliński: Wir haben Windenergie in Betracht gezogen, aber die Luftfahrtbehörden haben die Genehmigungen wegen Radarstörungen durch Turbinen, die eine Höhe von 300 m erreichen würden, abgelehnt. Für Gliwice bieten Solar- und abfallbasierte Wärmerückgewinnung bessere und machbarere Lösungen. 

European Business: Dies ist eine große und kostspielige Transformation. Wie wird sie finanziert?

Krzysztof Szaliński: Die Gesamtinvestition beträgt 150 Millionen EUR. Etwa 70% dieser Summe stammen aus Polens nationalem Fonds für Umweltschutz, 15% von PEC Gliwice und der Stadt Gliwice als Aktionär, und der Rest wurde von Geschäftsbanken aufgebracht. Wir haben über Jahre hinweg unsere eigenen Ressourcen vorbereitet, um die finanzielle Stabilität zu gewährleisten. 

European Business: Wie verhält sich der neue Energiepark zur bestehenden Infrastruktur der Stadt? 

Krzysztof Szaliński: Gliwice verfügt bereits über ein gut entwickeltes Fernwärmenetz. Unsere Aufgabe ist es, die Wärmequelle zu ersetzen, nicht neue Verteilernetze zu bauen. Der Energiepark befindet sich auf einem ehemaligen Ascheablagerungsgebiet – einer Brachfläche, die jetzt für die Nutzung sauberer Energie umgewidmet wurde – und umfasst eine hochleistungsfähige Wärmespeicheranlage mit 12.000 m3. 

European Business: Welche Herausforderungen waren am schwersten zu überwinden? 

Krzysztof Szaliński: Erstens, die Öffentlichkeit zu überzeugen. Zweitens, Umwelt- und Baugenehmigungen, die gleichzeitig abgestimmt werden mussten. Drittens, das institutionelle Vertrauen und die Finanzierung auf nationaler Ebene zu sichern. Aber eine starke kommunale Führung war entscheidend – unsere Stadtbehörden haben sowohl Mut als auch Vision gezeigt.

European Business: Wie wird sich die Digitalisierung und Automatisierung auf die Beschäftigung auswirken?

Krzysztof Szaliński: Die neuen Anlagen werden hochgradig automatisiert sein. Während der Kohlebetrieb große Teams erforderte, wird das zukünftige System weniger Menschen benötigen. Wir planen kein Wachstum der Belegschaft; stattdessen konzentrieren wir uns auf Effizienz und digitale Kompetenz. In der Zwischenzeit könnte die Sonderwirtschaftszone von Gliwice die Auswirkungen des bevorstehenden Kohlebergwerksschließungen ausgleichen.

European Business: Wann erwarten Sie, dass die vollständige Transformation abgeschlossen sein wird?

Krzysztof Szaliński: Wir sind zuversichtlich, dass wir das Ziel 2028 erreichen werden. Wir verfügen über das Budget, die Auftragnehmer, die Technologie und den Zeitplan. Die einzige Variable ist die geopolitische Unsicherheit, aber wir haben die Risiken berücksichtigt.

European Business: PEC Gliwice wurde auf EU-Ebene anerkannt. Was bedeutet dies für das Projekt?

Krzysztof Szaliński: Die Europäische Kommission hat Gliwice als ‚zukunftsversprechende Stadt‘ ausgezeichnet und unser Projekt als Best-Practice-Beispiel für andere Städte aufgenommen. Wir sind stolz darauf – und wir setzen unsere Erfahrungen weiterhin auf Konferenzen ein, damit andere von unserem Modell lernen können.

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