Entlastung für blinde und sehbehinderte Menschen durch KI

Interview mit Klaus Knüpfer, Geschäftsführer der EV Optron GmbH

EV Optron GmbH Produkt Orcam

EV Optron ist als Hersteller von Produkten für blinde Anwender sowie von Lese- und Vorlesegeräten für Menschen mit Sehbehinderungen bekannt: eine Technologie, die nicht zuletzt aufgrund der rasend schnellen Entwicklungsmöglichkeiten der KI derzeit eine tiefgreifende Transformation durchläuft und damit auch deutlich softwarelastiger wird. Wie er diesen Wandel steuert, verriet Geschäftsführer Klaus Knüpfer im Interview mit Wirtschaftsforum.

„Stellen Sie sich vor, Sie haben einen Restvisus von unter 20% und damit eine hochgradige Sehbehinderung. Sie leben alleine und möchten trotz Ihrer Erkrankung weiterhin selbstständig Ihre Post bearbeiten“, setzt Klaus Knüpfer, Managing Director der EV Optron GmbH, zur Erläuterung des Kernprodukts an, das sein Unternehmen herstellt: „Das entsprechende Schriftstück können Sie dann auf den Lesetisch unseres Acrobat HD oder Merlin HD Ultra legen. Dort wird das Bild von einer Kamera erfasst und auf einen Monitor projiziert, der darüber installiert ist. Am Gerät können Sie dann verschiedene Einstellungen vornehmen und die für Sie geeignete Bildgröße festlegen – damit es Ihnen weiterhin möglich ist, am alltäglichen Leben teilzuhaben.“ Die Krankenkassen übernehmen die Kosten ab einem etwa sechsfachen Vergrößerungsbedarf; die meisten Kunden von EV Optron benötigen jedoch, vornehmlich aufgrund der altersbedingten Makuladegeneration, noch deutlich stärkere Vergrößerungen.

Mehr Software, weniger Hardware

Im Zuge der Digitalisierung bekommen derweil auch blinde und sehbehinderte Menschen immer weniger physische Post in ihre Briefkästen, sondern erhalten ihre Rechnungen in ihr E-Mail-Postfach und geben ihre Überweisungsaufträge per Onlinebanking durch: „Klar – das druckt sich niemand aus, um es dann unter ein Lesegerät zu legen“, ist sich Klaus Knüpfer bewusst. „Wenn wir Arbeitsplätze für sehbehinderte Menschen ausstatten, fällt uns zudem auf, dass handgeführte Lupen kaum noch nachgefragt werden – denn mit ihrem Smartphone haben die meisten Menschen schon eine elektronische Lupe in guter Qualität. Damit müssen wir uns die Frage stellen, wie wir etwa die Smartphone-Nutzung für blinde und sehbehinderte Menschen noch komfortabler machen können. Auch die Sprachsteuerung hält hier viele wichtige Impulse bereit!“ 

Aufgrund des veränderten Nutzerverhaltens sowie der künstlichen Intelligenz, die die Entwicklungszyklen deutlich beschleunigt, wird sich auch EV Optron Stück für Stück von seinem hardwarelastigen Geschäftsmodell hin zu einer stärker softwarezentrierten Unternehmensausrichtung wandeln. Möglich macht dies nicht zuletzt die enge Einbindung in den amerikanischen Vispero-Konzern, auf dessen gewachsene Softwareexpertise EV Optron seit 2018 nahtlos zugreifen kann. „Vor fünf Jahren hätte ich noch mit deutlicher Überzeugung gesagt, dass uns unser starker Hardwarefokus erhalten bleibt, bis ich irgendwann in Rente gehe – diese Beobachtung würde ich heute nicht mehr aufrechterhalten“, gibt Klaus Knüpfer unumwunden zu: „Was in jedem Fall bleiben wird, ist unser unaufhaltsamer Antrieb, Menschen mit Sehbehinderungen das Leben leichter zu machen. Neue Ideen, um das zu ermöglichen, gehen uns gerade mit der KI sicherlich nicht aus!“
 

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Manfred Brinkmann

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