Mehr wachsen mit weniger: Umdenken bei Wasser in der Landwirtschaft

Interview mit Jeroen Boerma, Geschäftsführer von Netafim Netherlands B.V.

Da die Landwirtschaft durch den Klimawandel, steigende Nachfrage und begrenzte natürliche Ressourcen zunehmend unter Druck gerät, wird effizientes Wassermanagement zu einem entscheidenden Faktor für die Zukunft der Lebensmittelproduktion. In diesem Umfeld hat Netafim Netherlands B.V. eine starke Position mit Lösungen aufgebaut, die Bewässerungsfachwissen, technologische Entwicklung und praktische Relevanz für Landwirte kombinieren. Geschäftsführer Jeroen Boerma spricht über die Struktur des Unternehmens, sein Produktportfolio, die Nachhaltigkeitsmentalität und die Rolle der Innovation bei der Bewältigung aktueller landwirtschaftlicher Herausforderungen.

Netafim hat seine Ursprünge in Israel und hat sich zu einer internationalen Organisation entwickelt, deren Zahlen innerhalb von Orbia, einer mexikanischen Industriegruppe, konsolidiert werden, die 80% des Unternehmens besitzt, während die verbleibenden 20% immer noch im Besitz seines Gründungskibbuz sind. Für den niederländischen Markt kam ein wichtiger Meilenstein im Jahr 2012, als Netafim Revaho übernahm und in die Niederlande eintrat. Heute operiert Netafim Niederlande von zwei Standorten aus: seine Vertriebsorganisation hat ihren Sitz in Maasdijk, im Herzen der Westland-Gewächshausregion, während eine Fabrik in Rucphen Produkte für den (inter)nationalen Markt herstellt. Das Unternehmen beschäftigt knapp 100 Mitarbeiter an beiden Standorten. Jeroen Boerma selbst trat im August 2025 dem Unternehmen bei und vereint seine Rolle als General Manager von Netafim Niederlande mit der Verantwortung als CFO für Westeuropa. Das niederländische Geschäft ist Teil einer breiteren westeuropäischen Struktur, die Märkte wie Italien, Spanien, Portugal, Frankreich, das Vereinigte Königreich, die Benelux, Skandinavien und Deutschland abdeckt, während die lokale Einheit selbst sich ausschließlich auf niederländische Kunden in einem reinen B2B-Modell über Händler und Distributoren konzentriert. „Wir operieren ausschließlich im Business-to-Business-Modell, beliefern Händler und Partner, die dann die Endkunden bedienen,“ erklärt Jeroen Boerma. 

Jeroen Boerma, Generaldirektor
Jeroen Boerma, Generaldirektor

Technologie, Nachhaltigkeit und enge Kundenbindung

Netafim Niederlande konzentriert sich auf drei Hauptsegmente: Gewächshausgartenbau, Freilandwirtschaft wie Ackerbau und Obstanbau sowie Wasserinfrastrukturprojekte. Im Gewächshausgartenbau bietet das Unternehmen Tropfer, die präzise Wassermengen an jede Pflanze liefern, zusammen mit Filtersystemen in kreislauforientierten Prozessen, bei denen Wasser behandelt und wiederverwendet wird. In der Freilandwirtschaft umfasst das Portfolio flexible Verteilungssysteme und Niederdruck-Dripplinien. In der Infrastruktur arbeitet Netafim mit seiner Schwesterfirma Wavin an größeren PE-Lösungen zusammen. Für Jeroen Boerma ist die strategische Relevanz dieser Lösungen klar: Das globale Bevölkerungswachstum und die zunehmende Wasserknappheit machen intelligentere Bewässerungs- und Düngungssysteme unerlässlich. Anstelle von ineffizienten Bewässerungsmethoden wie Rollen und Spritzkanonen bietet das Unternehmen unterirdische Systeme an, die Wasser direkt an die Wurzeln liefern und so die Ressourceneffizienz erheblich verbessern. Nachhaltigkeit wird nicht als Zusatz behandelt, sondern als Kernprinzip, das sich in der Leitidee von „Grow more with less“ widerspiegelt. Ein besonders starkes Beispiel ist das Gülleprojekt (SDI-E), das in den letzten anderthalb Jahren entwickelt wurde. Bei der unterirdischen Tropfbewässerung wird flüssiger Dünger gefiltert und unter der Oberfläche zugeführt, wodurch Stickstoffemissionen reduziert und die Nährstoffaufnahme sowie das Pflanzenwachstum verbessert werden. „Grundsätzlich ist Netafim ein auf Nachhaltigkeit ausgerichtetes Unternehmen; es steht im Kern dessen, was wir tun“, sagt Jeroen Boerma. Diese Kombination aus hochwertigen Produkten, langjähriger Expertise und der Nähe zum Kunden definieren Netafims einzigartige Positionierung auf dem Markt.

Digitale Lösungen und europäisches Wachstumspotenzial

Die Positionierung des Unternehmens wird weiterhin durch die Kombination von technologischer Expertise, digitalen Fähigkeiten und direkter Kundennähe gestärkt. In den Niederlanden profitiert Netafim von langjährigem Marktwissen, insbesondere im Gewächshausgartenbau, und kurzen Wegen zu Anbauern und Nutzern. Diese Nähe wird aktiv durch die Netafim Academy verstärkt, die nicht nur als Trainingsplattform fungiert, sondern auch als strategische Schnittstelle für Wissenstransfer, Kundenbindung und kontinuierliche Verbesserung. Kunden sind regelmäßig eingeladen, tiefergehende Einblicke in Produkte wie Tropfer, Sprinkler oder Filtersysteme zu gewinnen, während ihr Feedback systematisch genutzt wird, um Lösungen weiterzuentwickeln und die laufende Forschung und Entwicklung zu unterstützen. Die Digitalisierung spielt in diesem Prozess eine zunehmend zentrale Rolle. Mit dem Betriebssystem GrowSphere™ integriert Netafim sensorbasierte Datenerfassungssoftwarelösungen und Automatisierung in seine Systeme, die es Landwirten ermöglichen, Parameter wie Feuchtigkeit und Wasserverbrauch zu überwachen, Bewässerungsprozesse zu optimieren und Operationen über digitale Plattformen oder Apps zu verwalten. Das Ziel des Unternehmens ist daher nicht nur, einzelne Komponenten zu liefern, sondern vollständig integrierte Lösungen anzubieten, die Hardware, Software und Beratungsunterstützung aus einer Hand kombinieren. Blick nach vorn, strebt Netafim Niederlande danach, Prozesse weiter zu vereinfachen, seinen datengesteuerten Ansatz zu stärken und die Anwendung niederländischer Expertise in Westeuropa auszubauen. „Wir wollen mit ‚Grow more with less‘ weitermachen, da diese Denkweise grundlegend für unsere Organisation ist“, sagt Jeroen Boerma.

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