„KI ist nicht die Strategie – Kundenwert ist die Strategie“
Interview mit Patrik Bulak, Technology & Business Innovation Manager bei Skrivanek
Wer heute über Übersetzung spricht, spricht fast automatisch über KI. Patrik Bulak sieht darin weder eine Bedrohung noch ein Wundermittel. Für ihn liegt der Schwerpunkt auf Verantwortung, Vertrauen und der sinnvollen Kombination von technologischen Möglichkeiten mit menschlichem Fachwissen. In diesem Interview erklärt er, warum Skrivanek seit mehr als 30 Jahren erfolgreich ist, warum Flexibilität, Vertrauen und Verantwortung wichtiger sind denn je und warum Unternehmen mehr als nur schnelle Übersetzungen benötigen.
European Business: Herr Bulak, Skrivanek ist seit 1994 tätig. Wie hat sich das Unternehmen im Laufe der Jahre entwickelt?
Patrik Bulak: Ursprünglich waren wir ein traditioneller Sprachdienstleister. Übersetzung, Dolmetschen und Sprachtraining bildeten unser Kerngeschäft, wobei Qualitätsmanagement ein wichtiger Teil unserer Entwicklung wurde. Heute arbeiten wir viel technologiegetriebener. Natürlich bieten wir immer noch Übersetzungs- und Lokalisierungsdienstleistungen an, aber die Bedürfnisse unserer Kunden werden breiter. Kommunikation findet heutzutage nicht mehr nur über Dokumente statt. Unternehmen arbeiten mit Videos, E-Commerce-Plattformen, internationalen digitalen Kampagnen und internen Schulungsinhalten. Daher werden Multimedia-Lösungen, DTP-Dienste und neue Unternehmensschulungsformate nach und nach Teil unseres breiteren Portfolios. KI-bezogene Schulungen sind eines der ersten Beispiele für diese umfassendere Entwicklung über traditionelle Sprachkurse hinaus.
European Business: Viele Unternehmen fragen sich derzeit, ob KI menschliche Übersetzer ersetzen wird.
Patrik Bulak: Ich sehe KI als Werkzeug, nicht als Ersatz. Das ist ein wesentlicher Unterschied. KI kann Prozesse beschleunigen, aber sie übernimmt keine Verantwortung. Genau hier beginnt unsere Rolle. Wir beraten Kunden zur richtigen Balance zwischen Technologie und menschlicher Expertise. Einige Inhalte können stark automatisiert werden, andere absolut nicht. In Bereichen wie Recht, Medizin oder Finanzen können Fehler zu enormen finanziellen oder rufschädigenden Schäden führen.
European Business: Sie sprechen oft von einem „hybriden Workflow“. Was meinen Sie damit?
Patrik Bulak: In vielen Fällen ist ein ausgewogener Ansatz der richtige. In der Vergangenheit haben viele Unternehmen es vorgezogen, Technologie im Hintergrund zu halten. Heute sprechen wir offen darüber, weil Kunden verstehen müssen, was für ihren Zweck ausreichend ist, wo die Risiken beginnen und wo menschliche Expertise notwendig ist. Für mich kann KI der Motor sein, aber Unternehmen benötigen immer noch das Armaturenbrett. Sie benötigen Qualitätskontrolle, Terminologiemanagement, Sicherheit und strategische Beratung. Unsere Rolle besteht darin, ihnen zu helfen, den richtigen Workflow zu wählen und die Verantwortung für diese Wahl zu übernehmen.
European Business: Welche Rolle werden Übersetzer in der Zukunft spielen?
Patrik Bulak: Die Rolle ändert sich, aber sie verschwindet nicht. Übersetzer werden zunehmend zu Prüfern, Qualitätsmanagern und Beratern. Sie bleiben die verantwortlichen Experten hinter dem Endergebnis. Es erinnert mich an die Zeit, als CAT-Tools auf den Markt kamen. Damals hatten viele Menschen Angst davor. Heute sind sie völlig normal. Wir erleben etwas sehr Ähnliches mit KI.
European Business: Skrivanek ist in 17 Ländern tätig. Wie erhalten Sie eine gemeinsame Unternehmenskultur über einen so breiten internationalen Fußabdruck hinweg?
Patrik Bulak: Durch Kommunikation und Partnerschaft. Wir führen regelmäßige Meetings in allen Ländern durch und bleiben in ständigem Austausch. Gleichzeitig bemühen wir uns, sowohl intern als auch extern auf sehr menschliche und kooperative Weise zu arbeiten. Viele unserer Partner arbeiten seit vielen Jahren, in manchen Fällen seit Jahrzehnten, mit uns zusammen. Ehrlich gesagt, bin ich sehr stolz darauf. Wir sehen uns nicht als anonyme Unternehmensstruktur, sondern als langfristigen Partner.
European Business: Welche Werte definieren das Unternehmen am stärksten?
Patrik Bulak: Flexibilität ist wahrscheinlich der wichtigste. Die Märkte ändern sich ständig. Unternehmen, die sich nicht weiterentwickeln, verlieren schließlich an Schwung. Gleichzeitig spielen Offenheit für Technologie, Qualität, Verantwortlichkeit und Transparenz eine große Rolle. Wir verkaufen nicht einfach einen Workflow an jeden. Wir analysieren zusammen mit dem Kunden, was wirklich Sinn macht.
European Business: Was motiviert Sie persönlich?
Patrik Bulak: Was mich motiviert, ist das kontinuierliche Lernen und das Helfen von Teams, an Selbstvertrauen und Fähigkeiten zu wachsen – neue Technologien und komplexe Ideen in praktische Workflows zu verwandeln, die Teams nutzen können und klaren Wert, den Kunden verstehen können. Derzeit glauben viele Unternehmen, dass sie einfach so viel wie möglich automatisieren müssen. Aber oft ist die wichtigere Frage: Was sollte nicht automatisiert werden? Diese Diskussion fasziniert mich.
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