„Kein Freiraum zum Atmen“

Interview mit Anton Buresch, Geschäftsführer der Gerhard Rauch Ges.m.b.H.

Gerhard Rauch Ges.m.b.H. Frässpezialisten

Die Gerhard Rauch Ges.m.b.H. in Trasdorf in Niederösterreich ist weltweit für ihre hochwertigen Bauteile und innovativen Stanzlösungen bekannt. Anton Buresch, geschäftsführender Gesellschafter, vertritt die 2. Generation im Familienunternehmen. Im Interview mit Wirtschaftsforum sprach er über die Entwicklung des Unternehmens, technologische Chancen und seine Sicht auf Bürokratie und Bildungspolitik.

Wirtschaftsforum: Herr Buresch, beginnen wir mit einem Blick zurück. Wie hat sich die Gerhard Rauch Ges.m.b.H. historisch entwickelt?

Anton Buresch: Gegründet wurde das Unternehmen 1970 in Wien von meinem Stiefvater Gerhard Rauch. 1995 haben wir in Trasdorf ein zweites Werk gebaut, weil in Wien der Platz fehlte. Seitdem wurde der Standort stetig erweitert. 2008 haben wir hier ein neues Bürogebäude gebaut und den Hauptsitz von Wien nach Niederösterreich verlegt. 2020 haben wir eine kleine Vertriebsgesellschaft in Deutschland gekauft, die Mendel RG-Systems in Wangen im Allgäu. Ich habe 2005 die Geschäftsführung übernommen. Seit 2024 halten mein Bruder, der Prokurist der Firma ist, und ich jeweils 50% der Firmenanteile. 

Wirtschaftsforum: Wie ist das Unternehmen heute aufgestellt?

Anton Buresch, Geschäftsführer der Gerhard Rauch Ges.m.b.H.
Anton Buresch, Geschäftsführer der Gerhard Rauch Ges.m.b.H.

Anton Buresch: Wir haben rund 80 Mitarbeiter inklusive der Tochtergesellschaft. Unser Umsatz liegt bei 16 bis 17 Millionen EUR. Die Standorte sind in Trasdorf, Wien und eben Wangen im Allgäu. Wir sind ein Familienbetrieb mit flachen Hierarchien und schnellen Entscheidungen – das zeichnet uns aus.

Wirtschaftsforum: Was genau bietet Gerhard Rauch an?

Anton Buresch: Unser Kerngeschäft als Präzisionswerkzeugbauer ist die hochpräzise Fertigung von Bauteilen für Branchen wie Luft- und Raumfahrt, Medizintechnik, Automobilindustrie, Satelliten- und Drohnenbau und sogar die Formel 1. Hier sind wir reiner Lohnfertiger, fertigen also ausschließlich nach Kundenvorgaben. Zusätzlich produzieren und vertreiben wir unser eigenes Produkt. Das sind Stanzmaschinen und Stanzwerkzeuge für die Folienindustrie, die weltweit im Einsatz sind.

Wirtschaftsforum: Wodurch hebt sich Ihr Unternehmen am Markt besonders ab?

Anton Buresch: Uns zeichnet die Kombination aus modernstem Maschinenpark und fast allen Fertigungstechnologien im eigenen Haus – Drehen, Fräsen, Draht- und Senkerodieren, Koordinatenschleifen, Hartdrehen und mehr – aus. Sie macht uns flexibel und schnell. Außerdem investieren wir jährlich rund 1,5 Millionen EUR in neue Maschinen und Technologien. Unseren Mitarbeitern bieten wir viele Benefits wie sechs Wochen Urlaub, kostenloses Mittagessen, Arbeitskleidung oder Prämien bei Hochzeiten oder Geburten. Das schafft Bindung.

Eigenes Produkt: Folienstanzmaschine
Gerhard Rauch Ges.m.b.H. Folienstanzmaschine
Seniorchef Gerhard Rauch, Anton Buresch und Manuel Rauch (v.l.)
Seniorchef Gerhard Rauch, Anton Buresch und Manuel Rauch (v.l.)

Wirtschaftsforum: Das ist gerade in Anbetracht des Fachkräftemangels ein wichtiger Punkt ...

Anton Buresch: Absolut. Seit Corona merken wir die Auswirkungen deutlich. Wir bilden viel aus. Derzeit sind 14 unserer 80 Mitarbeiter Lehrlinge. Von dieser Stärke leben wir auch. Wir haben einen eigenen Ausbilder, bieten Schulungen und investieren viel Zeit und Geld. Aber wir merken, dass der Wechsel in andere Branchen zunimmt. Wir bilden aus und andere Branchen profitieren davon. Da würde ich mir eine zeitliche Verpflichtung oder Rückzahlung wie bei Lokführern oder Piloten wünschen.

Wirtschaftsforum: Was treibt Sie im Hinblick auf die wirtschaftliche Lage besonders um?

Anton Buresch: Ganz klar Bürokratie und Lohnkosten. Die Bürokratie vom Datenschutz bis zu Lieferantenerklärungen erstickt uns. Wir haben heute haufenweise Leute nur für die Verwaltung, nicht für die Produktivität. Dazu kommen 28% Lohnerhöhungen in vier Jahren – die ich meinen Mitarbeitern gönne, aber die muss ich auch verdienen. Die Lohnstückkosten in Österreich liegen mittlerweile 30% über dem EU-Schnitt. Das macht uns international unattraktiv, während Länder wie die Schweiz wieder wettbewerbsfähig sind. Dazu kommt: Die Ausbildungsqualität ist schlechter geworden; das Bildungssystem in Österreich liegt am Boden. Der Facharbeitermangel trifft uns. Gleichzeitig wird weniger gearbeitet, aber mehr verlangt. Der Staat begrenzt Überstunden und schränkt damit die Eigeninitiative ein. Wir haben keinen Freiraum mehr zum Atmen. Wer etwas erreichen will, soll auch dürfen. Viele junge Menschen sind nicht mehr bereit, sich reinzuhängen. Der Biss fehlt oft. Früher wollten acht von zehn Lehrlingen etwas erreichen, heute sind es zwei. Aber mit Work-Life-Balance werden wir die Wirtschaft nicht erhalten.

Wirtschaftsforum: Welche Ziele haben Sie für die Zukunft?

Anton Buresch: Wir wollen weiter wachsen, technologisch wie personell. Der Ausbau der KI ist ein großes Thema. Erste Systeme zur KI-basierten Programmierung sind auf dem Markt. Aber KI braucht auch gute Leute. In Zukunft wird ein Top-Facharbeiter mehrere Maschinen betreuen können. Das könnte den Personalmangel etwas ausgleichen. Zudem wollen wir zusätzliche Firmenwohnungen schaffen, um auch von weiter her Jugendliche zu gewinnen.

Wirtschaftsforum: Verraten Sie uns zum Schluss: Was motiviert Sie persönlich?

Anton Buresch: Die Technik. Wir fertigen heute Bauteile für Raumfahrtmissionen, die vor 30 Jahren undenkbar gewesen wären. Auch meine Familie motiviert mich; mein Sohn ist bereits im Unternehmen. Und die Herausforderung, scheinbar Unmögliches doch umzusetzen, treibt mich an.

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