„Wer stillsteht, fällt zurück“

Interview mit Csaba Rosta, Country General Manager von OMRON Electronics Kft.

Europa kämpft mit Energiepreisen, fragilen Lieferketten und einer sich wandelnden Industrie. Csaba Rosta spricht mit bemerkenswerter Gelassenheit über diese Herausforderungen. Nachdem er fast drei Jahrzehnte bei OMRON in Ungarn verbracht hat, hat er Krisen, technologische Sprünge und sich verändernde Märkte aus erster Hand miterlebt. Für ihn ist Automatisierung niemals ein Selbstzweck. Es geht um Wettbewerbsfähigkeit, um Menschen – und letztlich darum, wie die europäische Industrie auch in Zukunft bestehen kann.

European Business: Herr Rosta, OMRON ist eines der international anerkannten Namen in der industriellen Automatisierung. Was macht das Unternehmen besonders?

Csaba Rosta: OMRON wurde 1933 in Japan gegründet. Von Anfang an verfolgte das Unternehmen eine ziemlich einzigartige Philosophie: Geschäftserfolg sollte dazu beitragen, gesellschaftliche Probleme zu lösen. Diese Idee leitet uns auch heute noch. Natürlich entwickeln wir Technologien für die Industrie, aber hinter jeder Lösung steht immer die Frage, welchen echten Wert wir schaffen. Ich glaube, das macht die Kultur von OMRON besonders.

European Business: Was würden Sie als die innovativsten Produkte und Lösungen von OMRON bezeichnen?

Csaba Rosta: OMRON Electronics steht für innovative Lösungen in der industriellen Automatisierung. Ich würde besonders unsere fortschrittlichen Datenfluss-Controller sowie intelligente Automatisierung und KI-gestützte Systeme hervorheben, die Unternehmen helfen, ihre Prozesse effizienter, nachhaltiger und produktiver zu gestalten. Wir legen auch einen starken Fokus auf Digitalisierung, vorausschauende Wartung und energieeffiziente Lösungen für die Industrie der Zukunft.

European Business: Wie hat sich OMRON in Ungarn entwickelt?

Csaba Rosta, Landesgeschäftsführer von OMRON Electronics Kft
Csaba Rosta, Landesgeschäftsführer von OMRON Electronics Kft

Csaba Rosta: Sehr dynamisch. Wir gehörten zu den ersten Unternehmen, die moderne Automatisierungslösungen auf dem ungarischen Markt eingeführt haben. Heute betreiben wir unser Geschäft für industrielle Automatisierung in Budapest mit einem Team von 26 Mitarbeitern.

European Business: Welche Hauptprobleme haben Ihre Kunden derzeit?

Csaba Rosta: Energieeffizienz ist derzeit klar eines der Schlüsselthemen. Industrieunternehmen stehen unter enormem Druck, sowohl den Energieverbrauch als auch die Kosten zu reduzieren. Gleichzeitig fordern Märkte und Vorschriften mehr Nachhaltigkeit. Viele Unternehmen erkennen mittlerweile, dass dies ohne Automatisierung und Digitalisierung kaum zu erreichen ist. Dazu kommen geopolitische Unsicherheiten und die schwierige Lage im europäischen Automobilsektor. Natürlich betrifft uns das auch.

European Business: Trotz alledem klingen Sie optimistisch für die Zukunft.

Csaba Rosta: Ja, denn Veränderung schafft immer auch Möglichkeiten. Ich sage oft: „Wer stillsteht, fällt zurück.“ Digitalisierung, KI und intelligente Automatisierung werden die Industrie grundlegend umgestalten. Unternehmen müssen heute viel schneller reagieren als früher. Sich allein auf alte Erfahrungen zu verlassen, reicht nicht mehr aus.

European Business: Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz bei dieser Transformation?

Csaba Rosta: Eine große. Viele Menschen haben erst in den letzten Jahren begonnen, von KI zu sprechen, aber wir arbeiten schon seit einiger Zeit mit intelligenten Systemen. Predictive Maintenance ist ein gutes Beispiel. Maschinen können potenzielle Ausfälle frühzeitig erkennen, bevor es zu Ausfällen kommt. Das spart Zeit, Energie und Kosten. Persönlich finde ich Digital Twins besonders spannend. Sie ermöglichen es, Produktionsprozesse zu simulieren und zu optimieren, ohne den realen Betrieb zu unterbrechen.

European Business: Welche Märkte bieten derzeit das stärkste Wachstumspotenzial?

Csaba Rosta: Logistik, ohne Frage. Die automatisierte Logistik entwickelt sich mit enormer Geschwindigkeit. Hier sehen wir derzeit viele neue Anwendungen entstehen, die perfekt zu unseren Technologien passen. Gleichzeitig nimmt auch die Investitionstätigkeit außerhalb des traditionellen Automobilsektors zu.

European Business: Sie sind persönlich seit 27 Jahren bei OMRON. Was motiviert Sie nach so langer Zeit noch?

Csaba Rosta: Die Philosophie des Unternehmens. Das mag ungewöhnlich klingen, aber sie inspiriert mich auch heute noch. Ich habe fast mein ganzes Berufsleben hier verbracht, vom Produktspezialisten zum Country General Manager aufgestiegen. Für mich bedeutet Führung heute, globale Strategien in etwas umzusetzen, das wirklich zu unserem lokalen Markt passt. Und ich möchte auch etwas zurückgeben. Dem Unternehmen, aber auch der Gesellschaft.

European Business: Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben?

Csaba Rosta: Strategisch, aber immer nah an den Menschen. In den letzten Jahren hatten wir sehr wenig Personalwechsel, und darauf bin ich besonders stolz. Ich bin fest davon überzeugt, dass Unternehmen nur erfolgreich sein können, wenn Mitarbeiter gerne zur Arbeit kommen. Deshalb suche ich heute nicht nur nach Fachkompetenz, sondern auch nach Persönlichkeiten, die unsere Kultur mittragen.

European Business: Und was definiert diese Kultur?

Csaba Rosta: Drei Dinge: soziale Verantwortung, die Bereitschaft, Herausforderungen anzunehmen, und gegenseitiger Respekt. Das klingt einfach, macht aber im Geschäftsalltag einen großen Unterschied. Besonders in schwierigen Zeiten sieht man deutlich, ob eine Unternehmenskultur wirklich gelebt wird.

European Business: Wo sehen Sie OMRON in den kommenden Jahren?

Csaba Rosta: Wir denken langfristig. Unsere Vision ‚Shaping the Future 2030‘ spiegelt genau das wider. Wir möchten Technologien entwickeln, die die Industrie effizienter, nachhaltiger und intelligenter machen. Europa muss seine Wettbewerbsfähigkeit wieder stärken. Wir glauben, dass wir dazu beitragen können, und genau dort sehe ich unsere Rolle.

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