„Draht ist unser roter Faden“

Der Firmensitz von Metalwire im niederländischen Horst nahe der deutschen Grenze
Der Firmensitz von Metalwire im niederländischen Horst nahe der deutschen Grenze

Drähte, egal in welcher Form oder in welcher Ausführung, begegnen uns in der Mikrowelle, im Gartenzaun oder beim Reisekoffer, den wir auf Rollen durch den Flughafen ziehen. Es ist diese Vielfalt, welche die Metalwire B.V. aus dem niederländischen Horst begeistert. Seit 35 Jahren ist das Unternehmen führend im Bereich Industriedraht – und hat in den letzten Jahren richtig Fahrt aufgenommen.

Am Firmensitz bietet das Unternehmen...
Am Firmensitz bietet das Unternehmen...
...ein großes Portfolio an Industriedrähten
...ein großes Portfolio an Industriedrähten

Die gesamte Bandbreite an Industriedraht – darum dreht sich beim niederländischen Unternehmen Metalwire B.V. alles. 40 Mitarbeiter sorgen dafür, dass der Kunde genau den Draht bekommt, den er braucht. Dabei kann Metalwire flexibel auf Kundenwünsche eingehen und kurzfristig liefern. Ob Edelstahldraht, verzinkter Draht, Pressendraht, Schnellbindedraht oder die Kunststoffvariante EcoWire – mit diesen Drähten ist Metalwire heute einer der wenigen Betriebe mit dieser Produktbreite. Doch der Erfolg kam nicht über Nacht, sondern ist das Ergebnis harter Arbeit und einer gezielt gesteuerten Entwicklung, wie der kaufmännische Geschäftsführer Barry van Soest zu berichten weiß. „1990 gründete der heutige Geschäftsführer Peter Janssen zusammen mit seinem Vater Metalwire, zwar nicht aus der sprichwörtlichen Garage, aber doch als sehr kleines Unternehmen mit wenigen Mitarbeitern. Ursprünglich waren wir ein Großhändler für die Drahtzaunindustrie. Einer unser Hauptmärkte war Nordrhein-Westfalen, wo ein Großteil unserer Kunden ansässig war. Durch die Coronakrise hat sich in diesem Segment einiges geändert.“

Der Schnellbindedraht ist mit einem Quicklink-System ausgestattet:...
Der Schnellbindedraht ist mit einem Quicklink-System ausgestattet:...
...zwei Ösen an den Enden, die per Hand ohne Werkzeug und ohne Aufwand ineinander geklickt werden
...zwei Ösen an den Enden, die per Hand ohne Werkzeug und ohne Aufwand ineinander geklickt werden

Produkte mit Mehrwert

Was sich wie ein nüchterne Zustandsbeschreibung anhört, brachte auch für Metalwire große Veränderungen mit sich. Die früheren Kunden hatten mit einer schwächeren Nachfrage und einer aggressiven Konkurrenz von billig produzierenden Herstellern in Ländern wie der Türkei zu kämpfen. „Unsere Antwort war eindeutig: Wir wollten uns fortan nicht mehr ausschließlich im Massenmarkt bewegen, sondern uns auf vielversprechende Nischen konzentrieren und dort Produkte mit einem Mehrwert bieten, etwa im Recyclingsektor oder bei Produkten, die wir selbst produzieren. Gerade im Recyclingsektor und in der Kreislaufwirtschaft gibt es ein großes Potenzial.“ Metalwire produziert selbst Ösendraht und Quicklink-Draht. Diese beiden Drahtarten werden in Pressmaschinen verwendet, beispielsweise zum Pressen von Karton, Folie, Kunststoffen, Textilien oder Autoreifen. „Gerade die Recyclingindustrie steht heute im Fokus in der EU – Stichwort Nachhaltigkeit. Immer mehr wird recycelt und so ist dies ein eindeutiger Wachstumsmarkt. Natürlich gibt es auch hier Konkurrenz, aber wir haben uns inzwischen einen Namen gemacht und sind uns sicher, dass wir hier weiter stark wachsen können“, so Barry van Soest.

Auf Coils werden die Produkte an die Kunden geliefert...
Auf Coils werden die Produkte an die Kunden geliefert...
...– im Bild verzinkter Draht
...– im Bild verzinkter Draht

Gut sichtbar am Markt

Damit einhergehend hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren stark investiert: In fast allen Abteilungen stand die Professionalisierung im Mittelpunkt, sei es im Bereich Supply Chain, in der Beschaffung und im Marketing, um noch stärker und zukunftsgerichteter auf den Markt einzugehen. Zudem wurde Metalwire im Juli 2025 vom US-Unternehmen Accent übernommen, einem US-Marktführer bei Ballenpressdraht und Befestigungssystemen, der sich verstärkt auf den europäischen Markt fokussiert. „Durch diese neue Organisation haben wir zusätzliche Schlagkraft erhalten, um in Europa weiter wachsen zu können, vor allem in unseren Zielmärkten Recycling und Kreislaufwirtschaft“, erklärt Barry van Soest. „Für unsere Kunden hat sich nichts verändert, aber wir können unser Angebot mit einem großen Partner erweitern.“ Rebranding ist aktuell ein großes Thema, wie Marketingspezialist Joey Steegh erklärt. „Wir stellen uns aktuell neu auf. In der nächsten Woche starten wir mit einer neuen Website und möchten unsere Position im Markt selbst neu definieren. Wir bewegen uns in einem traditionell sehr konservativen Markt, in den inzwischen die jüngere Generation Einzug gehalten hat. Wir starten nun mit Metalwire 2.0 und wollen zukünftig online schneller auffindbar sein. Es dreht sich alles darum, unsere Sichtbarkeit am Markt zu verbessern. Unsere Kunden sollen uns finden können.“ Neben großen Multinationals aus der Papierindustrie oder Hersteller von Ballenpressen sind auch spezialisierte Hersteller unter den Kunden zu finden. „Und die sitzen zum größten Teil in Deutschland, aber wir haben auch Kunden in Großbritannien, Nordfrankreich, Polen und vereinzelt in Skandinavien und in Tschechien“, so Barry van Soest.

Viele Möglichkeiten

Metalwire hält engen Kontakt zu seinen Kunden, die es zu schätzen wissen, dass sie flexible und maßgeschneiderte Produkte bekommen – ob nun die einzelne Drahtrolle von 1.000 kg oder eine ganze Lkw-Ladung. Gerade der Umstand, dass sich Metalwire als Komplettanbieter positioniert und auch innerhalb kurzer Zeit das Gewünschte liefern kann, macht das Unternehmen für seine Kunden interessant. „Die gewünschte Menge in der gewünschten Zeit aus einem großen Sortiment heraus macht uns attraktiv. Wir haben hier vor Ort einen großen Vorrat“, unterstreicht Barry van Soest. Doch nicht nur die Kunden kommen gern zu Metalwire, auch Mitarbeiter fühlen sich in der familiären Atmosphäre zu Hause. Diese familiäre DNA soll erhalten bleiben. Gleichzeitig möchte das Unternehmen weiter wachsen und internationale Präsenz mit lokaler Stärke kombinieren, damit der sprichwörtliche gute Draht zu den Kunden nicht abreißt.

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Manfred Brinkmann

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