Auf Vertrauen gebaut, für Wachstum konzipiert
Interview mit Jacco Kramer, Produktmanager
In einer Branche, die häufig durch technische Spezifikationen und Preiswettbewerb definiert wird, verfolgt das niederländische Unternehmen Van Ommen B.V. mit Sitz in Beekbergen einen anderen Ansatz: Partnerschaft zuerst. Mit fast 75 Jahren Geschichte, einem Portfolio von rund 30.000 Schneidwerkzeugen und einem Exportanteil von über 50%, positioniert sich das Familienunternehmen als führender Partner der europäischen Fertigungsindustrie. Jacco Kramer, Produktmanager bei Van Ommen, erklärt, wie Kultur, Know-how und Skalierbarkeit die Grundlage für nachhaltiges europäisches Wachstum bilden.
Die Langlebigkeit allein erklärt nicht die Position von Van Ommen auf dem Markt; was das Unternehmen auszeichnet, ist die Kombination aus Familienbesitz und einer hochprofessionellen, skalierbaren Organisation. Der 1952 gegründete und immer noch familiengeführte Spezialist mit Sitz in Beekbergen hat stets langfristige Beziehungen gegenüber kurzfristigen Gewinnen priorisiert. „Wir denken in Jahrzehnten, nicht in Quartalen“, sagt Produktmanager Jacco Kramer. „Partnerschaft bedeutet für uns Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit und Erreichbarkeit. Wenn Kunden uns anrufen, wissen sie, dass wir antworten werden.“ Diese Denkweise geht über den Verkauf hinaus. Wenn innerhalb des Portfolios der Phantom- oder International Tools keine Lösung gefunden werden kann, ist Van Ommen bereit, Alternativen anderswo zu empfehlen. „Vertrauen ist wichtiger als ein einzelner Auftrag“, erklärt der Produktmanager. Sogar die informelle Atmosphäre in der Zentrale – widergespiegelt in Merkmalen wie einer französischen Kneipe im Gebäude – unterstreicht den Glauben, dass nachhaltige Leistung auf starken persönlichen Beziehungen basiert.
Schließen der Lücke
Diese beziehungsorientierte Philosophie definiert auch die technische Positionierung von Van Ommen. Anstatt als reines Handelshaus zu agieren, sieht sich das Unternehmen als wissensgestützter Beschaffungs- und Dienstleistungsspezialist. In der Metallbearbeitung ist praktische Erfahrung üblich, doch oft ist das strukturierte technische Verständnis begrenzt. „Viele Fachleute wissen, was funktioniert, aber nicht immer warum“, sagt Jacco Kramer. Diese Lücke zu schließen, ist ein Kernbestandteil des Wertangebots des Unternehmens. Van Ommen testet Produkte intern, simuliert Anwendungen und unterstützt Händler mit technischer Beratung und Schulungen. Das Ziel ist nicht nur, Werkzeuge zu liefern, sondern auch Fachwissen zu übertragen, wie der Produktmanager betont: „Wenn jemand eine Schulung mit einem tieferen Verständnis für das, was er seit Jahren tut, verlässt, dann haben wir echten Wert geschaffen.“
Breite und Tiefe
Dieser beratende Ansatz wird durch ein Portfolio unterstützt, das Größe mit Spezialisierung kombiniert. Mit rund 30.000 Artikeln und einer Lagerverfügbarkeit von etwa 98,5% gewährleistet Van Ommen eine hohe Reaktionsfähigkeit auf den europäischen Märkten, wobei die meisten Spätnachmittagsbestellungen noch am selben Tag versandt werden. Besondere Stärken liegen in HSS-Bohrern, Gewindebohrern, Senkern und Reibahlen. Das Unternehmen lagert mehr als 1.100 HSS-Reibahldurchmesser in 0,01 mm Schritten, ergänzt durch über 800 Hartmetallvarianten — eine Sortimentstiefe, die in Europa selten zu finden ist. Anstatt selbst Werkzeuge herzustellen, bezieht Van Ommen weltweit und arbeitet mit ausgewählten Produzenten zusammen, von denen einige exklusiv nach seinen Spezifikationen liefern. „Jedes Produkt wird intern getestet, bevor es Teil unseres Sortiments wird“, sagt Jacco Kramer. Die einzige interne Produktion betrifft Bandsägeblätter, die seit mehr als 25 Jahren am Standort Beekbergen geschweißt werden, um Flexibilität und schnelle Lieferung zu gewährleisten.
Digitale Exzellenz
Die Verwaltung eines so breiten Sortiments in Europa erfordert eine robuste digitale Infrastruktur. Van Ommen hat erheblich in ein Produktinformationsverwaltungssystem investiert, das seinen Webshop, digitale Kataloge und Kundeninterfaces speist. Ein großer Teil der Bestellungen wird über EDI abgewickelt, während E-Mail-Bestellungen mithilfe von KI-gestützten Systemen in strukturierte Daten umgewandelt werden. Der Webshop fungiert als interaktive technische Plattform, die Spezifikationen, Anwendungshinweise und Rechner bietet, die die Schnittgeschwindigkeiten und Vorschubraten entsprechend dem ausgewählten Material anpassen. „Die Daten müssen genau, zugänglich und einfach zu verwenden sein“, betont der Produktmanager.
Europäische Expansion
Mehr als die Hälfte des Umsatzes von Van Ommen wird außerhalb der Niederlande erwirtschaftet, was seine Entwicklung zu einem europäischen Lieferanten unterstreicht. Starke Positionen in den Benelux-Ländern werden ergänzt durch wachsende Aktivitäten in Frankreich, Spanien, Dänemark und der Tschechischen Republik, unterstützt durch zusätzliche Webshop-Sprachversionen auf der Webplattform phantom.eu. Deutschland bleibt zwar hochkompetitiv, doch das Unternehmen sieht klare Chancen. Seine digitale Infrastruktur und Logistik sind auf Skalierbarkeit ausgelegt. „Mit unserer aktuellen Einrichtung können wir deutlich mehr Volumen bewältigen, als wir heute tun“, sagt Jacco Kramer. „Das gibt uns das Vertrauen, die Expansion in ganz Europa fortzusetzen.“
Nachhaltiges Wachstum
Nachhaltigkeit ist in der Strategie des Unternehmens verankert. Van Ommen wurde mit der EcoVadis Silbermedaille ausgezeichnet und gehört zu den besten 15% der bewerteten Unternehmen. Es stellt auf recycelte Verpackungen um, hat Solarmodule auf seinem erweiterten Lager installiert und elektrifiziert Teile seiner Flotte. Für Jacco Kramer bedeutet Verantwortung auch Zuverlässigkeit gegenüber Partnern, Investitionen in Mitarbeiter und das Teilen von Wissen. „Letztendlich basiert unser Erfolg auf Fachwissen, Verfügbarkeit und echtem Engagement, unseren Partnern zum Erfolg zu verhelfen“, schließt er. Indem familiäre Werte mit digitaler Skalierbarkeit und technischer Tiefe kombiniert werden, strebt Van Ommen danach, seine Rolle als vertrauenswürdiger langfristiger Partner der europäischen Fertigungsindustrie zu stärken.