Scott Galloway beim OMR 2026: Scharfe Vorhersagen und Klartext

Scott Galloway, Professor an der NYU Stern School of Business
Scott Galloway, Professor an der NYU Stern School of Business

Das OMR Festival 2026 ist bekannt für große Bühnen und große Namen – und einer der Höhepunkte am ersten Tag war der Auftritt von Scott Galloway. Der Professor an der NYU Stern School of Business hat sich längst als eine der ausdrucksstärksten Stimmen in der globalen Technologiedebatte etabliert. In diesem Jahr war die Erwartung besonders hoch: Nach eigenen Angaben waren Scott Galloways Vorhersagen für 2025 zu 100% zutreffend. Die Erwartungen an seine „Vorhersagen 2026“ waren dementsprechend hoch – und Scott Galloway hat geliefert.

Gleich zu Beginn setzte Scott Galloway einen Ton, der den aktuellen KI-Boom neu rahmt: Die Datenzentrenblase platzt. Die weltweite Ausweitung der Infrastruktur rund um künstliche Intelligenz, so argumentierte er, überhole vielerorts die tatsächliche Nachfrage. Gleichzeitig wies er auf einen bemerkenswerten Stimmungswandel hin: Weniger als 10% der jungen Menschen sind optimistisch, wenn es um KI geht. Für Scott Galloway unterstreicht dies eine wachsende Kluft zwischen technologischem Schwung und öffentlicher Wahrnehmung. Dennoch wies er verbreitete Ängste bezüglich des Arbeitsmarktes entschieden zurück und betonte, dass KI mehr Arbeitsplätze schaffen als zerstören wird – allerdings in anderen Bereichen und mit anderen Qualifikationsanforderungen.

Scott Galloway erwartet auch Verschiebungen unter den großen Tech-Spielern. Die derzeitige Dominanz von Nvidia und OpenAI, so sagte er, wird unter Druck geraten, da der Wettbewerb zunimmt und sich der Markt weiterentwickelt. Als herausragenden Tipp wies Scott Galloway auf Amazon hin – nicht wegen seines Kerngeschäfts im Einzelhandel oder Cloud, sondern wegen seines langfristigen Potenzials in der industriellen Robotik und dem autonomen Fahren.

Über die traditionelle Technik hinaus hob Scott Galloway neue Wachstumsfelder hervor. Der Raum, so argumentierte er, wird das nächste große Ding, angetrieben von Unternehmen wie SpaceX, die den kommerziellen Zugang zur Umlaufbahn vorantreiben. Gleichzeitig bot er eine bewusst provokante Investitionsidee an: TikTok US könnte die beste Investition sein, auf die die meisten Menschen keinen Zugriff haben.

Joko Winterscheidt und Scott Galloway gemeinsam auf der Bühne
Joko Winterscheidt und Scott Galloway gemeinsam auf der Bühne

Auch die Medienindustrie erlebt einen rasanten Wandel. Kurzvideos und KI üben zunehmenden Druck auf Hollywood aus. Inhalte werden schneller produziert, schneller konsumiert und oft direkt an das Publikum verteilt – ohne das traditionelle Studiosystem als Torwächter. Neben diesen Veränderungen wies Scott Galloway auch auf Entwicklungen in traditionelleren Bereichen hin. Er deutete an, dass die Immobilienmärkte in London, Mailand und Genua am Rande eines Booms stehen könnten, da globales Kapital nach attraktiven und stabilen Standorten sucht.

In Bezug auf Bildung war Scott Galloway ebenso klar: Die weit verbreitete Erzählung, dass „das College tot ist“, hält sich nicht. Höhere Bildung bleibt seiner Ansicht nach ein wichtiger Motor für wirtschaftlichen Erfolg und sozialen Aufstieg. Gleichzeitig beobachtet er eine breitere gesellschaftliche Veränderung. Beziehungen zu KI-Systemen werden immer häufiger und im Alltagsleben zunehmend normalisiert.

Hier wird Scott Galloway persönlich. Trotz allen technologischen Fortschritts betonte er eine einfache Idee: Menschen müssen rausgehen, andere treffen, Beziehungen aufbauen und ihr Leben in der realen Welt leben. Seine provokante Bemerkung, dass Männer erst richtig funktionieren, wenn sie in einer Beziehung sind, verlieh dieser Nachricht eine scharfe Kante.

Scott Galloways „Prognosen 2026“ sind keine große, einheitliche Vision der Zukunft, sondern eher eine Reihe von scharfen, praktischen Beobachtungen. Nach einem Jahr verblüffend genauer Vorhersagen haben sie ein besonderes Gewicht – nicht weil sie das nächste große Ding versprechen, sondern wegen der Klarheit, mit der Scott Galloway durch das Rauschen schneidet. Und vielleicht ist das seine wichtigste Erkenntnis: In einer von Technologie angetriebenen Welt ist das Analoge immer noch wichtig.

Scott Galloway auf der Bühne
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