Wie ein kleiner Clip die Verpackungswelt revolutioniert

Interview mit Dr. Alexander Giehl, Geschäftsführer der Poly-clip System GmbH & Co. KG

Dr. Alexander Giehl, Geschäftsführer der Poly-clip System GmbH & Co. KG
Dr. Alexander Giehl, Geschäftsführer der Poly-clip System GmbH & Co. KG

Kaum jemand kennt sie beim Namen, doch ihre Produkte begegnen uns täglich: Ob Wurst, Marmelade und Butter, Milch, Milchreis oder Silikonkartuschen – die Poly-clip System GmbH & Co. KG ist weltweit führend bei Clipverschlusslösungen. Im Gespräch mit Dr. Alexander Giehl, Geschäftsführer des mittelständischen Unternehmens aus Hattersheim, wird deutlich: Hinter dem Hidden Champion steckt nicht nur technisches Know-how, sondern auch der feste Wille, Verpackungen nachhaltiger zu gestalten und die Weltmärkte aktiv mitzugestalten.

Wirtschaftsforum: Herr Dr. Giehl, wie hat sich Poly-clip seit der Gründung entwickelt? 

Dr. Alexander Giehl: Die Poly-clip System GmbH ist als weltweit führender Hersteller von Clipverschlussmaschinen und -materialien vielen zwar kein Begriff, aber jeder kennt unsere Produkte – zum Beispiel die Clips an der Wurstverpackung. Das Unternehmen wurde vor über 100 Jahren gegründet und hat sich vom Plombenhersteller zum Innovationsführer für Clipverschlusslösungen entwickelt. Nach dem 2. Weltkrieg erfanden wir den ersten Strangclip, der noch heute den Standard setzt. Über die Jahrzehnte hat sich Poly-clip auf das Clippen spezialisiert – eine klare Fokussierung, die uns stark gemacht hat. Heute exportieren wir 80% unserer Maschinen und Materialien weltweit und produzieren nahezu ausschließlich in Deutschland.

Poly-clip System GmbH & Co. KG Poly-clip
Poly-clip ist Weltmarktführer für Clipverschlusslösungen – innovative Maschinen und nachhaltige Verpackungstechnologien made in Germany für Lebensmittel, Technik und mehr

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit in Ihrem Unternehmen?

Dr. Alexander Giehl: Eine sehr große. Wir arbeiten konsequent daran, Verpackungen nachhaltiger zu machen. Dazu gehört die Reduktion von Materialeinsatz ebenso wie die Entwicklung recycelbarer oder biologisch abbaubarer Clips. Auf der letzten Messe haben wir zum Beispiel einen Clip aus biologisch abbaubarem Kunststoff vorgestellt, der den herkömmlichen Kupferclip bei Obst- und Gemüsenetzen ersetzen kann. Gerade in Ländern ohne funktionierende Recyclingstrukturen ist es wichtig, Verpackungen anzubieten, die sich nach einigen Jahren zersetzen und die Umwelt nicht belasten. Gleichzeitig optimieren wir bestehende Systeme, sodass weniger CO2-Emissionen anfallen. Denn wir wissen: Wer auch in der nächsten Generation noch bestehen will, muss heute nachhaltig handeln.

Wirtschaftsforum: Was sind aktuelle Innovationen von Poly-clip?

Dr. Alexander Giehl: Neben biologisch abbaubaren Clips haben wir zuletzt einen wasserdichten Transportroboter für den Nassbereich in der Lebensmittelindustrie vorgestellt – in Kooperation mit einem Roboterhersteller. Außerdem arbeiten wir an Predictive Maintenance: Unsere Maschinen sammeln Daten über Füllzeiten und Clipdruck, werten diese aus und geben dem Bediener Hinweise, wann ein Verschleißteil gewechselt werden sollte. Das steigert die Effizienz und minimiert Ausfallzeiten.

Wirtschaftsforum: Wo sehen Sie das Unternehmen in zehn Jahren?

Dr. Alexander Giehl: Wir wollen unsere Clipverpackungslösungen noch stärker in technische Branchen bringen, beispielsweise bei Silikonkartuschen im Baumarktbereich. Außerdem werden wir unser Angebot im Hotel- und Gastrobereich ausweiten, etwa mit Nachfülllösungen für Lebensmittel. International wollen wir in Märkten wie Indien, Indonesien und Afrika wachsen. Parallel dazu setzen wir weiterhin auf Nachhaltigkeit und wollen Standards in der Branche setzen – durch Innovationen, die Ressourcen schonen und CO2-Emissionen verringern.

Wirtschaftsforum: Zum Abschluss: Was motiviert Sie persönlich bei Poly-clip?

Dr. Alexander Giehl: Mich begeistert, wie das Unternehmen seit Generationen Verantwortung übernimmt, regional verwurzelt bleibt und zugleich weltweit Maßstäbe setzt. Poly-clip verbindet Innovation mit Nachhaltigkeit und Menschlichkeit. Das ist eine Kombination, die mich motiviert – und ein Arbeitsumfeld, in dem ich gerne arbeite.

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