Im Labor der Möglichkeiten

Interview mit Johannes Steinel, Geschäftsführer der Schirm GmbH

Hauptsitz der Schirm GmbH
Der Hauptsitz der Schirm GmbH: Auf dem weitläufigen Werksgelände in Schönebeck entstehen chemische Spezialprodukte für Kunden weltweit

Die chemische Industrie ist eine tragende Säule der globalen Wirtschaft. Die Schirm GmbH aus Schönebeck (Elbe) zählt zu den führenden mittelständischen Spezialisten in der Auftragsfertigung für chemische Stoffe – von der Synthese über die Formulierung bis zur Verpackung – und steht für innovative Produktentwicklung und hohe Qualitätsstandards. Im Gespräch mit Wirtschaftsforum beantwortet Geschäftsführer Johannes Steinel Fragen zu Wachstum, Digitalisierung und seiner Rolle in der Branche.

Wirtschaftsforum: Herr Steinel, Sie sind seit Dezember 2022 CTO und seit April 2024 CEO der Schirm GmbH und führen das Unternehmen gemeinsam mit Thomas Schulz. Was war Ihr erster Eindruck beim Einstieg?

Johannes Steinel: Der Moment war für mich sehr motivierend – ein Unternehmen mit exzellentem Ruf, das in seinen Kernkompetenzen führend ist. Die breite Servicepalette von Synthese bis Konfektionierung und Verpackung zeigt, wie tief und vielfältig Schirm aufgestellt ist. Mein Fokus lag von Anfang an darauf, Bestehendes weiter zu stärken und neue Impulse zu setzen.

Wirtschaftsforum: Welches Umfeld haben Sie vorgefunden – und was haben Sie verändert?

Johannes Steinel: Schirm bringt ein starkes Technik- und Entwicklungs-Know-how mit. Die Herausforderung für mich war, die Digitalisierung voranzutreiben. Prozesse effizienter gestalten, Daten besser nutzen und ein stärker am Kunden ausgerichtetes Leistungsspektrum anzubieten – das waren klare Hebel. Außerdem haben wir in moderne Analytik investiert und die Schnittstellen zu Kunden und Lieferanten optimiert.

Wirtschaftsforum: Schirm gilt als höchst spezialisiert – was sind für Sie die Kernkompetenzen und Zukunftsthemen?

Johannes Steinel: Unsere Stärke liegt in der Prozessbreite: von der trockenen und nassen Vermahlung über Granulierung und Formulierung bis zur Verpackung. 

Johannes Steinel, Geschäftsführer der Schirm GmbH
Johannes Steinel, Geschäftsführer der Schirm GmbH

Zukünftig stehen Nachhaltigkeit, Digitalisierung und kundenzentrierte Entwicklung ganz oben. Wir prüfen, wie wir ressourcenschonende Verfahren ausbauen und mithilfe von Data Analytics mehr Transparenz in Produktionsprozesse bringen.

Wirtschaftsforum: Wie positioniert sich Schirm in der Branche? Wer sind Ihre wichtigsten Kunden und Wettbewerber?

Johannes Steinel: Wir arbeiten für chemische Produzenten in verschiedensten Sektoren – etwa Agrochemie, Pharma oder Spezialchemie. Unsere asiatischen und europäischen Wettbewerber fokussieren oft nur einzelne Produktionsschritte. Unser Vorteil liegt in der Komplettlösung: Ein Ansprechpartner, ganzheitlicher Prozess, hohe Qualität, kürzere Lieferketten – das ist ein starkes Argument für unsere Kunden.

Wirtschaftsforum: Ein Mittelständler wie Schirm – wie begegnen Sie dem Fachkräftemangel und Transformationsdruck?

Johannes Steinel: Wir setzen auf Ausbildung, Weiterbildung und Digitalisierung des Arbeitsplatzes. Unsere Angebote reichen von dualen Studiengängen bis hin zu modernen E-Learning-Lösungen. Ziel ist es, Beschäftigte langfristig zu binden und gleichzeitig nachhaltige Prozesse zu implementieren – klimafreundlich, effizient und zukunftstauglich.

Der Hauptsitz der Schirm GmbH
Entwicklungskompetenz als Erfolgsfaktor: Bei Schirm werden gemeinsam mit Kunden...
Der Hauptsitz der Schirm GmbH
... neue Rezepturen und Verfahren zur Marktreife gebracht

Wirtschaftsforum: Welche Ziele verfolgen Sie in den kommenden Jahren?

Johannes Steinel: Wir streben ein moderates Wachstum durch den Ausbau bestehender Märkte und selektive Kooperationen an. Digitalisierung bleibt ein Schlüsselthema – etwa durch die Einführung von Sensorik und Analysen entlang der Wertschöpfungskette (beispielsweise Inline Monitoring). Parallel bauen wir unser Leistungsportfolio um nachhaltige Services aus. Ziel ist es, als Top-Dienstleister für Spezial- und Biochemie wahrgenommen zu werden.

Wirtschaftsforum: Welchen Rat geben Sie anderen mittelständischen Firmen im Umbruch mit auf den Weg?

Johannes Steinel: Den Mut zum Wandel behalten – aber Schritt für Schritt. Digitalisierung, Nachhaltigkeit und qualifizierte Mitarbeiter sind die Säulen, die ein Unternehmen zukunftsfähig machen. Und: offen kommunizieren und sich Verbündete suchen – mit Partnern, Universitäten und Instituten.

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Manfred Brinkmann

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