Stadtplanung im Auftrag der Zukunft

Interview mit Jan Nicolin, Dipl. Ing. Architekt und Geschäftsführer der Stadtbauplan GmbH

Stadtbauplan GmbH Baugebiet

Wenn in deutschen Städten gebaut wird, dann oft mit einem Blick in die Zukunft – strukturiert, komplex und politisch. Gerade im öffentlichen Hochbau und in der Stadtentwicklung stehen Kommunen heute vor enormen Herausforderungen. Unterstützung holen sie sich dabei von spezialisierten Partnern wie der Stadtbauplan GmbH aus Darmstadt. Das Unternehmen hat sich als verlässlicher Projektsteuerer etabliert – mit Know-how und Verständnis für kommunale Strukturen.

Die Geschichte der Stadtbauplan GmbH reicht über fünf Jahrzehnte zurück. Ursprünglich als klassisches Architektur- und Stadtplanungsbüro gegründet, erfolgte ab der Jahrtausendwende ein umfassender Transformationsprozess. „Die eigentliche Zäsur begann Anfang der 2000er-Jahre“, berichtet Jan Nicolin, Geschäftsführer und Gesellschafter der Stadtbauplan GmbH. „Wir haben uns damals aus der eigenen Hochbauplanung zurückgezogen und konsequent auf Projektsteuerung gesetzt – in der Stadtentwicklung, im Hochbau und zunehmend auch im Vergabemanagement.“ In diesen Bereichen agiert das Büro heute als kompetenter Partner für öffentliche Bauherren – von der Ausschreibung bis zur Umsetzung.

Öffentliche Hand als Haupt­auftraggeber

Heute liegt der Fokus nahezu ausschließlich auf Projekten für die öffentliche Hand – Kommunen, Landesbehörden, Städte und Bildungsinstitutionen. Ein besonderer Schwerpunkt ist der Bildungsbau:

Stadtbauplan GmbH Jan Nicolin, Dipl. Ing. Architekt und Geschäftsführer
Jan Nicolin, Dipl. Ing. Architekt und Geschäftsführer der Stadtbauplan GmbH

Schulen, Kindertagesstätten und ähnliche Einrichtungen. „Gerade im Schulbau erleben wir häufig, dass Projekte zunächst angestoßen und dann wieder pausiert werden müssen, weil die Haushaltsmittel fehlen“, schildert Jan Nicolin. „Wir versuchen dann gemeinsam mit den Auftraggebern Wege zu finden, wie trotz schwieriger Bedingungen das Projekt dennoch realisiert werden kann.“ Diese Flexibilität ist nur durch regionale Nähe und gewachsene persönliche Verbindungen möglich. Der Aktionsradius liegt bewusst bei etwa 200 km rund um den Standort in Darmstadt – ein Gebiet, in dem Projektbesprechungen, Baustellenbegehungen und Abstimmungen mit Beteiligten auch kurzfristig und effizient durchgeführt werden können. „Bauen ist etwas, das vor Ort passiert“, bringt es Jan Nicolin auf den Punkt. „Man kann vieles digital vorbereiten und koordinieren, aber die wirklich entscheidenden Schritte erfordern Präsenz, Verlässlichkeit und gegenseitiges Vertrauen.“ Die räumliche Nähe zum Auftraggeber, kombiniert mit hoher fachlicher Kompetenz und langjähriger Erfahrung, bildet dabei das stabile Fundament für erfolgreiche Projekte – häufig über lange Zeiträume hinweg und in enger Partnerschaft mit den öffentlichen Auftraggebern.

Stadtbauplan GmbH Bauprojekt
Ein Bauprojekt im öffentlichen Auftrag – geplant mit Weitsicht, umgesetzt mit Sorgfalt, gestaltet für die Menschen vor Ort

Spezialisten für komplexe ­Projekte

Zwei Großprojekte zeigen exem­plarisch, wie vielseitig und anspruchsvoll die Tätigkeit des Büros ist. In Wiesbaden betreute die Stadtbauplan GmbH die Projektsteuerung mehrerer Bauvorhaben für die US-amerikanischen Streitkräfte, darunter die Wohnsiedlung Newman Village in der Clay Kaserne und den Transformationsprozess der Hainerberg Housing Area mit dem neuen Schulcampus aus High School, Middle School und Elementary School. „Das war unser Einstieg in die Hochbausteuerung“, so Jan Nicolin. „Ein sehr spezielles Umfeld – mit eigenen rechtlichen Regelungen, kulturellen Besonderheiten und vielen Abstimmungsprozessen.“ Ein weiteres Leuchtturmprojekt ist die Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme Wiesbaden-Ostfeld. Geplant ist ein neues Quartier für rund 10.000 Menschen sowie ein Campus für das Bundeskriminalamt mit über 7.000 Mitarbeitenden. Stadtbauplan ist hier mit der städtebaulichen Steuerung betraut. „Die Herausforderung in solchen Projekten liegt oft darin, dass die Aufgaben noch gar nicht klar umrissen sind“, erklärt Jan Nicolin. „Man muss gemeinsam mit der Kommune definieren, was überhaupt gebraucht wird – das macht es komplex, aber auch sehr spannend.“ Die Größenordnung ist beeindruckend: Allein der BKA-Campus umfasst 30 ha, das gesamte Neubaugebiet rund 70 ha. Solche Dimensionen verlangen nicht nur planerische Expertise, sondern auch Fingerspitzengefühl im Umgang mit Beteiligten – von Behörden über Anwohner bis hin zu landwirtschaftlichen Flächennutzern.

Akquise durch Vertrauen und Netzwerk

Anders als in vielen Branchen funktioniert Akquise in der Welt des öffentlichen Bauens weniger über klassische Werbung, sondern über Bekanntheit, Reputation und gewachsene Netzwerke. Die Stadtbauplan GmbH ist in Vergabeverfahren sowohl als Anbieter von Steuerungsleistungen aktiv als auch als Unterstützer öffentlicher Auftraggeber bei der Ausschreibung selbst – eine doppelte Rolle, die Vertrauen schafft. „Wir kennen beide Seiten des Tisches“, sagt Jan Nicolin. „Das hilft, Prozesse realistisch zu planen – und auch mal pragmatische Lösungen zu finden.“ Dieses Verständnis ist insbesondere in Zeiten komplexer rechtlicher Anforderungen, wie sie das Vergaberecht mit sich bringt, ein echter Wettbewerbsvorteil. Die größten Herausforderungen der nächsten Jahre sieht Jan Nicolin in der Unberechenbarkeit öffentlicher Haushalte, dem wachsenden regulatorischen Aufwand und der Schwierigkeit, neue Projekte rechtzeitig zu identifizieren. „Oft wissen Kommunen selbst noch nicht, dass sie Unterstützung brauchen – unsere Aufgabe ist es dann, mit Erfahrung und Augenmaß zur richtigen Zeit anzusetzen“, sagt er. Dabei hilft auch sein persönlicher Werdegang: Schon während seines Architekturstudiums in Darmstadt stieg er bei Stadtbauplan ein – und ist seither geblieben. „Ich hatte immer die Möglichkeit, mein Arbeitsfeld selbst mitzuentwickeln“, betont Jan Nicolin. „Das war nie selbstverständlich – und ist bis heute ein Grund, warum ich geblieben bin.“

Stadtbauplan GmbH Stadtentwicklung
Stadtentwicklung braucht Beteiligung: In Workshops, Planungsdialogen und Bürgerforen entsteht gemeinsam, was morgen Raum geben soll

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