Beschaffung als Geschäftstreiber

Interview mit Matias Haukom, COO

Inventuras KPIs fassen eine Beratungsfirma zusammen, die sich zu einer führenden Kraft in der Beschaffung entwickelt hat, angetrieben durch anhaltendes Wachstum und einen Ruf für Exzellenz
Inventuras KPIs fassen eine Beratungsfirma zusammen, die sich zu einer führenden Kraft in der Beschaffung entwickelt hat, angetrieben durch anhaltendes Wachstum und einen Ruf für Exzellenz

Die Beschaffung ist zu einem der entscheidendsten Hebel im modernen Geschäftsleben geworden, geprägt von unterbrochenen Lieferketten, Nachhaltigkeitsanforderungen und schneller Digitalisierung. Wenige Organisationen haben diese Entwicklung so genau verfolgt wie Inventura AS, die norwegische Beratungsfirma, die sich auf Beschaffung und Optimierung der Wertschöpfungskette spezialisiert hat. In diesem Interview erörtert COO und Senior-Partner Matias Haukom Wachstum, Strategie und die Zukunft der Disziplin.

European Business: Matias, könnten Sie sich und Ihren Weg bei Inventura vorstellen?

Matias Haukom: Ich bin seit 13 Jahren bei Inventura. Ich kam direkt nach der Wirtschaftshochschule als junger Berater zu Inventura und merkte schnell, wie sehr mir die Beratungstätigkeit gefällt. Seit 2017 bin ich COO des Unternehmens und gleichzeitig hatte ich Rollen als Leiter des Büros in Bergen und als Leiter von Dienstleistungsbereichen wie Analyse und Verbesserung. In einer Beratungsfirma macht man ein bisschen von allem, besonders wenn man von 65 auf 150 Mitarbeiter wächst.

European Business: Viele Menschen wechseln häufig die Unternehmen, doch Sie und andere sind seit Jahren geblieben. Was hält Sie dort?

Matias Haukom: Sechs von uns, die zur gleichen Zeit angefangen haben, sind immer noch hier. Einige unserer Gründer sind seit über 20 Jahren im Unternehmen. Das sagt etwas über unsere Kultur aus. Es ist ein Ort, an dem die Menschen gerne arbeiten und das Gefühl haben, dass sie wachsen können.

Matias Haukom, COO von Inventura A/S
Matias Haukom, COO von Inventura A/S

European Business: Sie sind auch Partner und Miteigentümer. Wie funktioniert das Eigentümermodell?

Matias Haukom: Wir haben das Unternehmen 2020 von den vorherigen Eigentümern gekauft und eine neue Partnergruppe gegründet. Heute haben wir 18 Eigentümer auf vier Besitzebenen. Ich bin einer der Seniorpartner. Eigentum motiviert natürlich, aber es kann nicht die einzige Motivation sein – man muss auch Spaß an dem haben, was man tut.

European Business: Können Sie uns durch die Entwicklung des Unternehmens und die wichtigsten Meilensteine führen?

Matias Haukom: Die Wurzeln des Unternehmens reichen zurück in die 1990er Jahre, als Beschaffung als Disziplin in Europa noch neu war. Eine Gruppe norwegischer Experten baute globale Kompetenz auf und gründete später Unternehmen, die schließlich 2011 in Inventura zusammengeführt wurden. Ein wichtiger Wendepunkt war die Neuordnung unseres Eigentums im Jahr 2020 und das klare Ziel, Norwegens führende Beschaffungsberatung sowohl im öffentlichen als auch im privaten Sektor zu werden. Wir erreichten ein starkes organisches Wachstum von jährlich 12 bis 15% und verkauften das Unternehmen 2025 an EPSA, was uns die Fähigkeiten gibt, weiterhin im Norden zu beschleunigen – zunächst entweder nach Schweden oder Dänemark.

Informelle Gespräche sind Teil des Rhythmus bei Inventura – Orte, an denen Kollegen sich verbinden, herausfordern und den kooperativen Geist des Unternehmens stärken
Informelle Gespräche sind Teil des Rhythmus bei Inventura – Orte, an denen Kollegen sich verbinden...
sich gegenseitig herausfordern und den kooperativen Geist des Unternehmens stärken
...sich gegenseitig herausfordern und den kooperativen Geist des Unternehmens stärken

European Business: Der Einkauf hat sich in den letzten Jahrzehnten dramatisch verändert. Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Matias Haukom: Unternehmen haben endlich erkannt, dass der Einkauf 60 bis 80% ihrer Kostenbasis ausmacht. Dazu kommt die regulatorische Komplexität der EU, die Digitalisierung und jetzt die Anforderungen an die Nachhaltigkeit, was den Einkauf zu einer zentralen strategischen Funktion macht. Krisen – COVID, Kriege, geopolitische Instabilität – haben auch die Resilienz ganz nach oben auf die Agenda gesetzt. Wertschöpfungsketten, die global waren, werden regionaler. Diese Verschiebung hat uns viel Beratungsarbeit gebracht, insbesondere in grünen Branchen, wo die Margen eng sind und die Lieferketten robust sein müssen.

European Business: KI verändert die professionellen Dienstleistungen. Wie wird sie den Einkauf beeinflussen?

Matias Haukom: Zuerst hatte jeder Angst. Aber wir haben schnell verstanden, dass KI viele Compliance-, Dokumentations- und Prozessarbeiten übernehmen wird. Das befreit die Einkaufsteams, um echte Geschäftsentwickler zu werden. Für Beratungsunternehmen wie unseres liegt die Chance darin, jahrzehntelange Kompetenz in KI-gesteuerte Modelle einzubinden und die Architekten neuer Werkzeuge zu werden. Es ist eine enorme Möglichkeit.

European Business: Welche Arten von Dienstleistungen bietet Inventura heute an?

Matias Haukom: Wir decken vier Bereiche ab: Analyse und Verbesserung; Beratung im Einkauf einschließlich Outsourcing; regulatorische Dienstleistungen für die öffentliche Beschaffung; und Geschäftstransformation. Wir unterstützen große CapEx-Projekte, Energie, Versorgungsunternehmen, IT, Bauwesen und öffentliche Organisationen. Wir arbeiten auch mit KMUs, die spezialisiertes Fachwissen benötigen.

European Business: Sie erwähnten, dass Inventura kürzlich ein neues Betriebsmodell eingeführt hat. Was hat diesen Wechsel veranlasst?

Matias Haukom: Wenn man von 65 auf 150 Personen wächst, kann man nicht mehr auf die gleiche Weise arbeiten. Wir haben Ende letzten Jahres ein neues Betriebsmodell eingeführt, um uns marktorientierter zu machen und unsere Expertise zu stärken. Wir bauen klarere 'Marktgruppen' und 'Serviceexperten' auf, die in einer Matrix zusammenarbeiten. Das Ziel ist einfach: unsere Kunden besser zu bedienen, indem wir fundierte Fachkompetenz mit starkem Marktverständnis kombinieren.

European Business: Wie würden Sie Ihre Unternehmenskultur beschreiben?

Matias Haukom: Wir sagen, ein Raum sollte ein 'hohes Dach' haben – ein norwegischer Ausdruck, der bedeutet, dass Platz für freie Meinungsäußerung sein muss. Wir sind nicht hierarchisch, geschäftlich orientiert und großzügig miteinander. Wir investieren stark in die Kompetenzentwicklung und sorgen dafür, dass wir als Team Spaß haben. Vertrauen ist wesentlich; man muss wissen, dass die Kollegen liefern können.

European Business: Und wie steht es mit der Rekrutierung? Ist es schwierig, die richtigen Leute zu finden?

Matias Haukom: Es ist immer eine Herausforderung. Wir sind Spezialisten, daher suchen wir Menschen, die den Einkauf, aber auch die Geschäftsstrategie verstehen. Unser Ruf hängt von Exzellenz ab – eine schlechte Erfahrung ist so viel wert wie zehn gute. Deshalb ist unser Ziel einfach: Alle Kunden sollten uns auf einer Sechspunkteskala über 5,5 bewerten.

European Business: Was steht als Nächstes für Inventura an?

Matias Haukom: Der nächste Schritt ist, das führende Beratungsunternehmen für Beschaffung in den Nordics zu werden. Wir haben ehrgeizige Pläne, bis 2028 unsere Größe zu verdoppeln. Wir folgen unseren Kunden bereits über die Grenzen hinweg, insbesondere bei grünen und Energieprojekten, und wir erkunden Möglichkeiten in Schweden und Dänemark. Die Rolle der Beschaffung als Geschäftsentwickler wird in Zukunft nur noch wichtiger werden, und wir möchten bei dieser Verschiebung ganz vorne mit dabei sein.

Weitere Artikel zum Thema

Bauen unter rollendem Rad

Interview mit Sebastian Glöckner, Geschäftsführer der eba-consult GmbH

Bauen unter rollendem Rad

Der Investitionsbedarf im deutschen Schienennetz ist immens, und nicht zuletzt durch das Sondervermögen der Bundesregierung sollen in Bälde umfangreiche ...

Innovation aus der zweiten Reihe

Interview mit Maxim Theiss, Geschäftsführer der Scala Design Technische Produktentwicklung GmbH

Innovation aus der zweiten Reihe

Während viele Unternehmen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten stagnieren, hat Scala Design aus dem baden-württembergischen Gärtringen seinen Umsatz in v...

Jenseits von Schwarz und Weiß – der Vorteil der Grauzone

Interview mit Oliver Stutz, Geschäftsführer der datenschutz nord GmbH

Jenseits von Schwarz und Weiß – der Vorteil der Grauzone

Datenschutz und Informationssicherheit sind zu bestimmenden Herausforderungen für die moderne Wirtschaft geworden. Doch die Einhaltung von Vorschriften ist selten schwarzweiß.

„Wir decken alle Jobs ab!“

Interview mit Jessica Puelings, B2B Marketing Managerin

„Wir decken alle Jobs ab!“

Die StepStone Group Belgium n.v., mit Hauptsitz in Brüssel, ist eine führende digitale Rekrutierungsplattform in Europa.

Manfred Brinkmann, Managing Editor-in-Chief

Manfred Brinkmann

Managing Editor of European Business

Gestalten Sie die Zukunft der Wirtschaft?

Als Chefredakteur bin ich stets auf der Suche nach der nächsten Generation von Führungskräften und Innovatoren. Wenn Sie an der Spitze eines einflussreichen Unternehmens stehen, lade ich Sie ein, mit uns in Kontakt zu treten. Teilen Sie Ihre Vision mit unserem einflussreichen Publikum.