Neugestaltung des Flottenmanagements in Europa
Interview mit Majk Strika, CEO
Mit einem Fuhrpark von mehr als 2 Millionen Fahrzeugen steht der Name Holman in den Vereinigten Staaten seit Jahrzehnten für effektives, kundenorientiertes Flottenmanagement. Vor etwas mehr als einem Jahrzehnt expandierte das Unternehmen nach Europa und trat mit einem flexiblen Ansatz zum Flottenmanagement, der in der Branche dort zuvor unbekannt war, in die britischen und deutschen Märkte ein. In seinem Interview mit European Business besprach Majk Strika, der Geschäftsführer der deutschen Tochtergesellschaft von Holman, die Wachstumskurve des Unternehmens und den Geist, der Holman als Familienunternehmen einzigartig macht.
European Business: Herr Strika, als die Familie Holman 1924 an der Ostküste der USA ihr erstes Ford-Autohaus eröffnete, hätte sich kaum jemand vorstellen können, dass es eines Tages zu einem weltweit führenden Unternehmen im Bereich der Automobildienstleistungen werden würde.
Majk Strika: Bereits Ende der 1940er Jahre hatte das Unternehmen seine Geschäftstätigkeit auf das Flottenmanagement ausgeweitet und bot das gesamte Spektrum an Dienstleistungen an – von der Fahrzeugbeschaffung und -finanzierung über Wartung, Logistik bis hin zum Unfallmanagement. In Deutschland denken wir auch heute noch in den Lebenszyklusphasen des Fahrzeugs, die in drei Phasen unterteilt sind: „Einsteigen“, also Auswahl und Bestellung des Fahrzeugs; „Fahren“, wo wir Kunden bei Wartung und Reparatur unterstützen; und schließlich „Aussteigen“, wenn das Fahrzeug am Ende des Lebenszyklus verkauft wird.
European Business: Im Jahr 2013 expandierte Holman nach Europa, indem das Unternehmen in die deutschen und britischen Märkte eintrat.
Majk Strika: Wir blieben unserem amerikanischen Geschäftsmodell treu, weil wir glauben, dass es sowohl kostengünstiger als auch transparenter ist. Die etablierten Akteure in Europa arbeiteten traditionell mit einem geschlossenen Kostenberechnungsmodell, das weitgehend auf der Versicherungslogik basierte und umfassende Pauschalangebote anbot, die oft an Transparenz mangelten und im Vergleich zu den Pay-as-you-go-Dienstleistungen oder offenen Leasingangeboten nicht kosteneffektiv waren. Wir glauben, dass Kunden oft – sowohl betrieblich als auch finanziell – viel besser mit einem maßgeschneiderten À-la-carte-Modell bedient werden, das genau auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist.
European Business: Wie funktioniert dieser Ansatz wirtschaftlich für Holman?
Majk Strika: Das war eine Frage, die viele Kunden in den Anfangstagen an uns gestellt haben. Im Wesentlichen demystifizieren wir nur das traditionelle Leasingmodell und ermöglichen es den Kunden, direkt von unseren Preis- und Skalenvorteilen zu profitieren. Zum Beispiel profitieren unsere Kunden direkt von unserem Maßstab, technischem Fachwissen und unserer Einkaufskraft – etwas, das in einer geschlossenen Kostenstruktur viel weniger transparent ist. Mit unserem Flex-Lease-Angebot haben wir diese Philosophie noch weiter vorangetrieben.
European Business: Wie genau?
Majk Strika: Traditionelle Leasingverträge sind in der Regel an feste Laufzeiten und vordefinierte Kilometerziele gebunden. In Wirklichkeit entsprechen jedoch nur ein Bruchteil der Fahrzeuge genau diesen Bedingungen. Nutzungsmuster ändern sich, betriebliche Anforderungen entwickeln sich weiter, und manchmal werden Fahrzeuge nicht mehr für die gesamte Vertragsdauer benötigt. In anderen Fällen möchten Leasinganbieter Fahrzeuge aufgrund günstiger Restwertentwicklungen früher wieder vermarkten – wie während der Covid-19-Pandemie geschehen. Schließlich stammen hieraus erhebliche Anteile der Erträge der Leasingbanken. Unser Ansatz unterscheidet sich in all diesen Punkten erheblich, da wir dieses starre Rahmenwerk wesentlich gelockert haben. Wir erzeugen keine Reibungsverluste darüber, wie ein Fahrzeug genutzt wurde, und wir suchen nach einfachen Lösungen, wenn Wertabweichungen auftreten. In einigen Fällen können Kunden das Fahrzeug einfach etwas länger behalten; in anderen können sie finanziell von stärkeren Restwerten profitieren. Und am Ende des Vertrags werden die Kunden von dem gefürchteten Prozess der Schadensinspektion am Vertragsende verschont.
European Business: Wie schwierig war es, dieses Konzept in Deutschland einzuführen? Der Lebenszyklus des Fuhrparks umfasst die Phasen „Einstieg“, „Fahren“ und „Ausstieg“. Wie funktioniert dieser Ansatz wirtschaftlich für Holman?
Majk Strika: Am Anfang kam es uns vor, als würden wir wie Lachse gegen den Strom schwimmen. Natürlich führte das zu Fragen, warum wir gegen etablierte Branchenpraktiken vorgingen – und wo der Haken war. Durch Geduld, Transparenz und Zuverlässigkeit konnten wir viele Kunden davon überzeugen, dass unser Ansatz sowohl nachhaltig ist als auch im US-Markt eine gründlich bewährte Erfolgsgeschichte hat. Es war uns wichtig, „nein“ als Antwort zu akzeptieren und nur das zu versprechen, was wir wirklich liefern konnten. Dieser Ansatz hat sich ausgezahlt: Heute verwalten wir allein in Deutschland mehr als 150.000 Fuhrparkfahrzeuge, und diese Zahl wächst weiterhin schnell.
European Business: Gilt also der Leitspruch von Holman „Driving What’s Right“ auch in Deutschland?
Majk Strika: Absolut. Holman ist zu dem Unternehmen geworden, das es heute ist, weil es alle Menschen gleich behandelt – Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten gleichermaßen. Ich bin vor etwa 12 Jahren etwas unerwartet zu Holman gestoßen. Zu der Zeit suchte ich nach einer neuen Flottenlösung für die deutsche Tochtergesellschaft eines großen amerikanischen Unternehmens, bei dem ich arbeitete, und traf im Rahmen dieses Prozesses auf Vertreter von Holman. Ich war so beeindruckt von diesem Gespräch, dass ich selbst Teil des Unternehmens werden wollte. Unser Credo – ein Unternehmen aufzubauen, das das Leben unserer Partner und Gemeinschaften verbessert – wird im täglichen Geschäft wirklich gelebt, sei es in Kundenbeziehungen oder in der Art und Weise, wie wir unsere Mitarbeiter motivieren und behandeln und in den Gemeinden, in denen sie leben. Teil dieser Reise zu sein, war enorm bereichernd.