Zwischen Innovation und Resilienz: Die maritime Wirtschaft stellt die Weichen neu
Technologischer Fortschritt, geopolitische Unsicherheiten und der steigende Druck zu mehr Nachhaltigkeit verändern die maritime Wirtschaft grundlegend. Auf der gemeinsamen Pressekonferenz zur SMM 2026, der MS&D Konferenz & Expo und ALL ABOUT PORTS in Hamburg wurde deutlich, wie die Branche darauf reagieren will: mit Innovation, Effizienz und engerer Zusammenarbeit entlang der maritimen Wertschöpfungskette.
Die Herausforderungen sind vielfältig. Dekarbonisierung, Digitalisierung, Energieeffizienz und geopolitische Entwicklungen stellen Reedereien, Werften, Häfen und Zulieferer gleichermaßen vor neue Aufgaben. Genau daraus entstehen Chancen für neue Technologien, Geschäftsmodelle und internationale Kooperationen. Die drei Veranstaltungen SMM, MS&D Konferenz & Expo und ALL ABOUT PORTS greifen diese Entwicklungen aus unterschiedlichen Perspektiven auf und zeigen, wie eng die verschiedenen Bereiche der maritimen Wirtschaft inzwischen miteinander verknüpft sind. „Die spannendsten Entwicklungen entstehen derzeit nicht innerhalb einzelner Bereiche, sondern an deren Schnittstellen", sagte Claus Ulrich Selbach, Vice President Exhibitions Maritime & Energy bei der Hamburg Messe und Congress. Die Veranstaltungen böten den passenden Rahmen, um diese Veränderungen gemeinsam zu diskutieren und Impulse für die Zukunft der Branche zu setzen.
Häfen übernehmen neue Schlüsselrollen
Häfen sind längst mehr als Umschlagplätze. Sie entwickeln sich zu Infrastrukturknoten, an denen Logistik, Energieversorgung, Digitalisierung und Sicherheitsfragen zusammenlaufen. Schutz kritischer Infrastruktur, resiliente Lieferketten, Automatisierung: Diese Themen gewinnen im Hafenbetrieb an Gewicht. Jens Meier, CEO der Hamburg Port Authority und Schirmherr von ALL ABOUT PORTS, formuliert es entsprechend: Häfen würden zu zentralen Knotenpunkten für Energie, Infrastruktur, Daten und Sicherheit und müssten deshalb widerstandsfähiger und stärker vernetzt werden. Auf der Programmagenda stehen nachhaltige Hafenentwicklung, Digitalisierung, Energiewende und resiliente Lieferketten.
Technologie entscheidet über Wettbewerbsfähigkeit
Auch der Schiffbau steckt mitten im Umbau. Alternative Antriebssysteme, automatisierte Prozesse, digitale Schiffsführung und KI prägen die Entwicklung neuer Schiffe. Der Druck, wirtschaftliche und nachhaltige Lösungen schnell in den Markt zu bringen, wächst. Für Dr. Reinhard Lüken, Hauptgeschäftsführer des Verbands für Schiffbau und Meerestechnik (VSM), eröffnen die aktuellen Veränderungen große Chancen für den europäischen Schiffbau. Deutschland verfüge über eine hohe technologische Kompetenz, die insbesondere bei innovativen Schiffskonzepten und komplexen Systemlösungen zum Tragen komme. Die SMM mache diese Entwicklungen sichtbar und bringe die relevanten Akteure zusammen.
Digitalisierung und Energieeffizienz rücken in den Fokus
Neben alternativen Antrieben gelten Digitalisierung und Energieeffizienz als die wichtigsten Triebkräfte des Sektors. Datenbasierte Prozesse sollen den Schiffsbetrieb effizienter machen und gleichzeitig Betriebskosten senken. Mit wachsender technologischer Komplexität steigt auch der Koordinationsaufwand entlang der maritimen Lieferkette. Hauke Schlegel, Geschäftsführer des VDMA Marine Equipment & Systems, nennt diese Zusammenarbeit eine der zentralen Voraussetzungen für künftige Innovationen. Neue Technologien ließen sich nur gemeinsam entwickeln: durch internationale Kooperationen, Know-how-Austausch und enge Abstimmung zwischen Industrie, Zulieferern und Anwendern. Die maritime Zulieferindustrie sei dabei diejenige, die aus Technologien marktfähige Lösungen mache, so Schlegel.
Flexibilität wird zum Erfolgsfaktor
Geopolitische Verschiebungen und neue Regulierung kommen zu den technologischen Veränderungen hinzu. Investitionsentscheidungen in der Schifffahrt sind dadurch deutlich komplexer geworden. Rasmus Stute, Vice President und Area Manager Germany bei DNV Maritime, plädiert deshalb für flexible Strategien: Energieeffizienz, Digitalisierung, KI und regulatorische Anforderungen müssten gemeinsam betrachtet werden. Klassifikationsgesellschaften, so Stute, helfen dabei, Innovationen sicher umzusetzen und Orientierung zu geben.
Resilienz als gemeinsame Aufgabe
Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie anfällig globale Lieferketten auf geopolitische Krisen reagieren. Die Fähigkeit, auch unter schwierigen Rahmenbedingungen handlungsfähig zu bleiben, rückt entsprechend stärker in den Mittelpunkt. Für Silke Lehmköster, Managing Director Fleet bei der Hapag-Lloyd AG, müssen neue Technologien vor allem eines leisten: Sie müssen sich im täglichen Betrieb bewähren. Innovationen sollten Effizienz und Sicherheit erhöhen, eine wirtschaftlich tragfähige Dekarbonisierung ermöglichen und die Arbeit der Besatzungen an Bord erleichtern. Ebenso wichtig sei eine enge Zusammenarbeit innerhalb der Branche, um die Widerstandsfähigkeit globaler Lieferketten zu stärken.
Transformation gelingt nur gemeinsam
Die maritime Wirtschaft steht vor einem tiefgreifenden Wandel, das machte die Pressekonferenz deutlich. Nachhaltige Schifffahrt, intelligente Hafeninfrastruktur, digitale Schiffssysteme: Die Themen sind bekannt, die offene Frage ist, wer die Transformation tatsächlich koordiniert. Die SMM 2026 mit den parallel laufenden Formaten MS&D Konferenz & Expo und ALL ABOUT PORTS will genau diese Koordinationsrolle spielen.