Wege aus dem Wettbewerbsdruck: Automatisieren, diversifizieren, vorangehen

Interview mit Dr. Ronald Bernstein, Geschäftsführer der BERGI-PLAST GmbH

Dr. Ronald Bernstein, Geschäftsführer der BERGI-PLAST GmbH
Strategischer Kopf mit technischem Weitblick: Dr. Ronald Bernstein treibt die Automatisierungs- und Zukunftsstrategie von BERGI-PLAST mit klaren Ideen und hohem Innovationsanspruch voran

Steigende Kosten, globaler Wettbewerbsdruck und der rasche technologische Wandel fordern die Kunststoffindustrie heraus. Die BERGI-PLAST GmbH aus Bad Gottleuba-Berggießhübel begegnet diesen Entwicklungen mit konsequenter Automatisierung, digitaler Weiterentwicklung und einem klaren Blick für neue Märkte. Mit zwei eng miteinander verzahnten Standorten, starkem Engineering-Know-how und einer außergewöhnlich beständigen Belegschaft setzt das Unternehmen auf Effizienz und Zukunftssicherung. Geschäftsführer Dr. Ronald Bernstein erläutert, wie BERGI-PLAST seinen Kurs zwischen Innovation, Nachhaltigkeit und Mitarbeiterorientierung ausrichtet – und warum strategische Stabilität für den Mittelstand heute wichtiger denn je ist.

Automatisierung als Treiber der Zukunftsfähigkeit

In der Kunststoffverarbeitung entscheidet heute vor allem die Fähigkeit, Prozesse zu automatisieren und Wertschöpfung gezielt ins Unternehmen zurückzuholen. Darauf hat BERGI-PLAST in den vergangenen Jahren konsequent gesetzt: Externe Handmontagen wurden stark reduziert, Automationskompetenzen systematisch ausgebaut – eine Entwicklung, die das Unternehmen sowohl kostenseitig als auch kapazitiv stärkt.

Ein zentrales Projekt wurde 2025 abgeschlossen: Die komplette Intralogistik wurde neu strukturiert und sorgt heute dafür, dass Bauteile direkt in die Verpackung übergehen und automatisch palettiert werden. „Wir dürfen den Anschluss nicht verlieren – der Automationsgrad in Asien ist enorm“, betont Dr. Ronald Bernstein. Für ein mittelständisches Unternehmen seien solche Projekte finanziell herausfordernd, aber entscheidend für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit.

BERGI-PLAST GmbH Dr. Ronald Bernstein und ein Mitarbeiter prüfen direkt an der Anlage die nächsten Optimierungsschritte
Präzision entsteht im Dialog: Dr. Ronald Bernstein und ein Mitarbeiter prüfen direkt an der Anlage die nächsten Optimierungsschritte – ein Zusammenspiel aus Führung, Expertise und gelebter Hands-on-Mentalität
BERGI-PLAST GmbH Hoch automatisierte Spritzgusslinie
Hoch automatisierte Spritzgusslinie: Moderne Anlagen, strukturiert geplante Abläufe und konsequente Effizienz bilden den Kern der Produktion bei BERGI-PLAST

Breite Aufstellung, starke Märkte und neue Chancenfelder

BERGI-PLAST arbeitet an zwei regional nahen Standorten: In Berggießhübel entstehen Verschlüsse für Tuben-, Flaschen- und Kanisterhersteller, in Dohma technische Bauteile für Nutzfahrzeuge und Sicherheitssysteme. Ein eigener Werkzeugbau – bewusst beibehalten trotz internationalen Preisdrucks – ermöglicht hohe Geschwindigkeit, Flexibilität und ein tiefes Verständnis der gesamten Prozesskette.

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Kanisterverschlüsse mit System: Funktionsbauteile für unterschiedliche Branchen unterstreichen die Entwicklungs- und Fertigungskompetenz des Unternehmens
BERGI-PLAST GmbH Flexible Kleinserien bis Großvolumen
Flexible Kleinserien bis Großvolumen: Muster verschiedener Verschlussvarianten stehen für die hohe Anpassungsfähigkeit an individuelle Kundenanforderungen

Rund 125 Mitarbeitende erwirtschaften aktuell einen Umsatz von etwa 22 Millionen EUR. Während das Automotive-Geschäft spürbare Rückgänge verzeichnet, zeigt sich der Verschlussbereich stabil. Zusätzlich öffnet sich ein aussichtsreiches Zukunftsfeld: die patientennahe Diagnostik. Ein laufendes Projekt untersucht die Fertigung eines Schnelldiagnosesystems aus Biopolymeren – ein Markt mit global wachsendem Bedarf, gerade in Regionen mit begrenzter medizinischer Infrastruktur. Auch die politischen Rahmenbedingungen spielen eine Rolle. Die häufig wechselnden Zielrichtungen in der deutschen Industriepolitik erschweren nach Einschätzung von Dr. Bernstein verlässliche Planung. Am Beispiel des diskutierten Verbrenner-Aus werde sichtbar, wie Richtungswechsel Investitionsentscheidungen behindern.

Er wünscht sich mehr Konsequenz und Stabilität, damit Unternehmen langfristig strategisch agieren können. Nachhaltigkeit bleibt dennoch ein Kernanliegen: Rezyklate, Materialreduktion, Design-for-Recycling und biobasierte Kunststoffe stehen im Fokus mehrerer Forschungskooperationen. Ziel ist nicht nur die Erfüllung regulatorischer Vorgaben, sondern die Entwicklung innovativer Lösungen, die frühzeitig marktfähig sind.

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Menschen als Schlüssel – und eine Vision der Vollautomation

Trotz hoher technologischer Ambitionen bleibt der Mensch im Zentrum der Unternehmensstrategie. Viele Mitarbeiter sind seit über 20 Jahren im Betrieb – ein Zeichen für Verbundenheit, Erfahrung und eine stabile Kultur. BERGI-PLAST investiert daher bewusst in Weiterbildungen, Gesundheitsprogramme, ein eigenes Fitnessstudio, Jobrad-Modelle und eine betriebliche Krankenversicherung. Parallel dazu denkt Dr. Ronald Bernstein den Produktionsbereich konsequent weiter: In den nächsten Jahren soll die Fertigung weitgehend automatisiert werden, um monotone Tätigkeiten zu reduzieren und Mitarbeitende in höherwertigen Aufgaben zu entwickeln.

Ziel ist ein effizienter, nahezu durchgängig automatisierter Produktionsfluss – ohne Stellenabbau, sondern mit qualitativer Weiterentwicklung des Teams. Sein persönlicher Antrieb besteht darin, das Unternehmen strategisch voranzubringen und gleichzeitig alle Mitarbeitenden mitzunehmen: ein Gleichgewicht aus Mut, Verantwortung und Veränderungsbereitschaft.

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