Digitale Impulse im Maschinenbau

Interview mit Jil Evertz, Mitgesellschafterin und Prokuristin der Egon Evertz GmbH & Co.KG

Am Hauptsitz in Solingen koordiniert die Evertz Group ihre weltweiten Aktivitäten und Interview mit Jil Evertz, Mitgesellschafterin und Prokuristin der Egon Evertz GmbH & Co.KG
Am Hauptsitz in Solingen koordiniert die Evertz Group ihre weltweiten Aktivitäten und Interview mit Jil Evertz, Mitgesellschafterin und Prokuristin der Egon Evertz GmbH & Co.KG

Seit fast 70 Jahren steht der Name Evertz für Innovation, Qualität und Kontinuität im Maschinen- und Stahlanlagenbau. Was 1956 mit einer pfiffigen Idee zur Reparatur von Kokillen begann, ist heute ein international agierendes Unternehmen mit einem Tochterunternehmen, rund 500 Mitarbeitern und einer klaren Zukunftsvision. Im Gespräch mit Jil Evertz, Leitungsfunktion der Evertz Group in 3. Generation, wird deutlich, dass Tradition und Fortschritt bei dem Solinger Familienunternehmen kein Widerspruch sind.

Wirtschaftsforum: Frau Evertz, Ihr Unternehmen verdankt seine Gründung einer sehr guten Idee. Erzählen Sie uns die Geschichte dahinter?

Jil Evertz: Unser Unternehmen geht auf eine Idee meines Großvaters zurück. Er war noch keine 20, als er ein Verfahren zur Reparatur von sogenannten Kokillen – speziellen Gussformen, die beim Stahlguss verwendet werden – entwickelte. Diese Formen verschleißen durch mehrfache Nutzung und wurden früher häufig entsorgt und mühsam neu hergestellt. Auf dieses Reparaturverfahren meldete mein Großvater ein Patent an und bot darauf basierend seine erste Dienstleistung an. Diese Innovation war der Startschuss für das Unternehmen und ist bis heute Kern unserer Tätigkeit. 

Wirtschaftsforum: Was macht die Evertz Group heute aus?

Jil Evertz: Wir sind ein Maschinenbauunternehmen mit Spezialisierung auf die Stahloberflächenbearbeitung. Rund 70% unseres Geschäfts entfallen auf Dienstleistungen – viele davon im Rahmen langfristiger Verträge direkt in den Stahlwerken unserer Kunden. Dazu kommt ein wachsendes Portfolio an Serviceleistungen wie Logistik und Handling. Besonders stolz sind wir auf unsere Expertise im Schleifmaschinenbau – das ist seit Jahrzehnten unser Herzstück.

Wirtschaftsforum: Was unterscheidet Sie von anderen?

Jil Evertz: Unsere Kundenbeziehungen. Wir setzen auf Vertrauen, Kontinuität und Qualität. Unsere Projekte laufen oft über Jahrzehnte – dafür braucht es Verlässlichkeit. Gleichzeitig sind wir extrem flexibel. Wir entwickeln kundenspezifische Lösungen, passen unsere Maschinen an neue Anforderungen an und reagieren schnell auf Veränderungen im Markt. Diese Mischung ist unser Alleinstellungsmerkmal.

Der moderne Maschinenpark der Evertz Group steht für Präzision, Effizienz und jahrzehntelange Expertise im Schleifmaschinenbau
Der moderne Maschinenpark der Evertz Group steht für Präzision, Effizienz und jahrzehntelange Expertise im Schleifmaschinenbau

Wirtschaftsforum: Das Unternehmen ist in den letzten Jahren stark gewachsen.

Jil Evertz: Ja, wir haben heute weltweit mehrere Standorte: Evertz Europe betreut Projekte außerhalb Deutschlands, Evertz Technology Services sitzt in den USA. Außerdem gibt es unsere spezialisierte Tochterfirma Evertz Hydrotechnik für Wasserdüsen in Betzdorf oder Evertz Magnetbau als unser Handlingspezialist hier in Solingen. In der Verwaltung arbeiten rund 30 Menschen, insgesamt beschäftigt die Gruppe etwa 500 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Dieses Wachstum in den einzelnen Fachbereichen kam Schritt für Schritt über die Jahre – stets aus dem Kerngeschäft heraus.

Wirtschaftsforum: Und wo geht die Reise hin?

Jil Evertz: Unser Ziel ist es, den Kunden ein umfassendes Allroundpaket in der Stahldienstleistung zu bieten. Dazu gehören neben dem eigentlichen Schleifprozess auch Logistik, Handling und zunehmend digitale Lösungen. Wir arbeiten an Konzepten zur Echtzeitübertragung von Prozessdaten und an Simulationen für sogenannte Greenfield-Projekte – also komplett neue Anlagen. Die Digitalisierung dieser Prozesse finde ich persönlich sehr spannend und durchaus zukunftsorientiert. 

Wirtschaftsforum: Sie sind eine Frau in einer männerdominierten Branche. Wie erleben Sie das?

Jil Evertz: Ich bin stolz, als Frau in der Stahlindustrie in Führungsverantwortung zu stehen. Natürlich muss ich mich manchmal mehr behaupten als ein Mann – aber das nehme ich sportlich. Wichtig ist mir, professionell und lösungsorientiert aufzutreten. Ich möchte auch andere Frauen ermutigen, Führungsaufgaben zu übernehmen – gerade in Branchen, die bisher nicht als besonders ‘feminin’ galten. Vielfalt bringt neue Perspektiven.

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Manfred Brinkmann

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