Ingenieurskunst für Cyber-Resilienz in großem Maßstab
Interview mit Paolo Marsella, Geschäftsführer von Nomios Italy S.p.A.
Da die Digitalisierung in Europa beschleunigt wird, hat sich die Cybersicherheit von einer IT-Belange zu einer Priorität auf Vorstandsebene entwickelt. Künstliche Intelligenz, entfernte Infrastrukturen und zunehmend komplexe Datenflüsse bieten enorme Produktivitätsgewinne – aber sie vervielfachen auch das Risiko. In diesem Umfeld benötigen Organisationen mehr als nur Software. Sie benötigen Ingenieursexpertise, strategische Weitsicht und operative Exzellenz. Nomios Italy S.p.A., mit Hauptsitz in Rom, hat sich genau an dieser Schnittstelle positioniert, indem es technologische Tiefe mit strategischer Beratungskompetenz verbindet.
European Business: Herr Marsella, Nomios Italy hat in den letzten Jahren erhebliche Veränderungen durchgemacht. Was definiert das Unternehmen heute?
Paolo Marsella: Nomios Italy ist das Ergebnis einer Transformation. Ich habe das Unternehmen 2004 unter dem Namen Aditinet Consulting gegründet. Seit Juni 2025 sind wir Teil der europäischen Nomios Group und operieren als Nomios Italy S.p.A. Wir teilen die gleiche Mission innerhalb der Gruppe: Wir konzentrieren uns auf Netzwerksicherheit und Cybersicherheit für Großunternehmen und öffentliche Institutionen. Obwohl jede Landesorganisation unabhängig auf ihrem Markt operiert, sind wir durch eine gemeinsame Strategie und technischen Schwerpunkt vereint.
European Business: Wie würden Sie Ihr Kerngeschäft beschreiben?
Paolo Marsella: Das übergreifende Thema ist Netzwerksicherheit. Wir entwerfen und implementieren Unternehmensdatennetze und Cybersicherheitsarchitekturen. Im Laufe der Jahre ist die Cybersicherheit immer dominanter geworden und macht heute etwa 70% unseres Umsatzes aus. Wir sind im Grunde ein Ingenieurbüro. Wir entwerfen Schutzsysteme, integrieren führende Technologien von Drittanbietern und bieten ein umfassendes Dienstleistungsangebot – von der Beratung und Implementierung bis hin zu 24/7 Wartung und verwalteten Diensten über unser Network Operations Center und Security Operations Center.
European Business: Wer sind Ihre Hauptkunden?
Paolo Marsella: Wir sind ausschließlich im B2B-Segment tätig und konzentrieren uns auf das obere Marktsegment. Im privaten Sektor zählen zu unseren Kunden große italienische Banken, Versorgungsunternehmen wie Flughäfen und Autobahnbetreiber sowie Unternehmen in den Bereichen Gas, Wasser und Transport. Wir arbeiten auch mit führenden Universitäten und großen Produktionsunternehmen zusammen. Im öffentlichen Sektor unterstützen wir zentrale Institutionen wie Ministerien und nationale Behörden sowie regionale Verwaltungen. Insgesamt betreuen wir rund 300 große Kunden in ganz Italien.
European Business: Was unterscheidet Nomios Italien von den Wettbewerbern auf einem so anspruchsvollen Markt?
Paolo Marsella: Der entscheidende Unterschied liegt in der Ausführung. Wir kombinieren erstklassige Technologien – oft von amerikanischen und israelischen Anbietern – mit hochspezialisierten Ingenieuren, die in der Lage sind, diese Systeme effektiv zu implementieren und zu verwalten. Cybersicherheit bedeutet nicht nur, ein Produkt zu kaufen; es geht darum, eine Architektur zu entwerfen und sie rund um die Uhr korrekt zu betreiben. Unsere Fähigkeit, Projekte zuverlässig zu liefern und kontinuierliche Überwachung und Governance durch unsere NOC- und SOC-Dienste zu bieten, hebt uns ab. Wir überprüfen auch ständig neue Technologien, um neuen Bedrohungen und Trends voraus zu sein.
European Business: Wie hat sich der Markt in den letzten Jahren, insbesondere seit der Pandemie, entwickelt?
Paolo Marsella: Während der Pandemie erlebten wir eine vorübergehende Wachstumsverlangsamung, da wir nicht direkt an der Bereitstellung von Hardware für die Fernarbeit, wie Laptops, beteiligt waren. Als diese Phase jedoch vorüber war, kehrten wir zu einem stetigen Wachstum zurück. Der Markt für Cybersicherheit expandiert weiterhin mit einer zweistelligen Rate. Das Bewusstsein für Cyber-Risiken steigt, obwohl in Italien noch Spielraum zur Verbesserung besteht, um Budgets an die tatsächlichen Risikolevels anzupassen. Insgesamt haben geopolitische und Energiekrisen unsere Entwicklung nicht wesentlich beeinflusst, da die Nachfrage nach Cybersicherheit weiterhin stark bleibt.
European Business: Künstliche Intelligenz verändert viele Branchen. Welche Auswirkungen hat sie auf Ihr Geschäft?
Paolo Marsella: KI ist ein zentraler Treiber für zukünftiges Wachstum. Einerseits nutzen Angreifer KI, um ihre Methoden schneller und effektiver zu machen. Daher müssen wir KI einsetzen, um der KI zu begegnen. Andererseits setzen Unternehmen zunehmend KI-Systeme intern ein, was neue Risiken im Zusammenhang mit Datenschutz, Datenlecks und Modellmanipulation mit sich bringt. Organisationen müssen sicherstellen, dass die Ausgabe ihrer KI-Systeme zuverlässig ist und vor böswilligen Eingriffen geschützt wird. Dies schafft neue Nachfrage nach fortschrittlichen Cybersicherheitslösungen.
European Business: Was sind Ihre strategischen Ziele für die kommenden Jahre?
Paolo Marsella: Als Teil der Nomios Group haben wir ehrgeizige Wachstumsziele. Für die nächsten drei Jahre erwarten wir eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von rund 20%. Wir möchten unsere Präsenz in Norditalien ausbauen, insbesondere im Nordosten, einschließlich der wirtschaftlich dynamischen Region Südtirol, die nahe am deutschsprachigen Markt liegt. Gleichzeitig konzentrieren wir uns weiterhin auf Qualität statt auf Expansion um jeden Preis.
European Business: Abschließend, wie würden Sie die Mission von Nomios Italien zusammenfassen?
Paolo Marsella: Die Digitalisierung ist eine enorme Chance für Produktivität und Innovation, aber sie verstärkt auch das Risiko. Unsere Mission ist es sicherzustellen, dass Organisationen die digitale Transformation mit Zuversicht annehmen können. Indem wir technische Exzellenz, fortschrittliche Technologien und Managed Services kombinieren, helfen wir unseren Kunden, das Risiko der Cyber-Bedrohungen in Cyber-Resilienz umzuwandeln. In einer Welt, in der sich Bedrohungen mit Maschinengeschwindigkeit entwickeln, ist unsere Strategie klar: technisch bleiben, agil bleiben und voraus bleiben.