Mehr als Ersatzteile: Wie sich der Automotive Aftermarket neu erfindet

Innovation Awards auf der Automechanika Frankfurt
Bei den Innovation Awards der Automechanika Frankfurt werden neue Produkte und technologische Entwicklungen aus dem Automotive Aftermarket ausgezeichnet. Foto: Messe Frankfurt GmbH / Pietro Sutera

Die Automobilbranche steckt mitten in einer tiefgreifenden Transformation. Elektromobilität, Software-defined Vehicles und KI prägen die Fahrzeugentwicklung. Gleichzeitig verändert sich ein Markt, der dabei gerne übersehen wird: der Automotive Aftermarket. Werkstätten, Zulieferer, Teilehersteller und Serviceanbieter müssen ihre Geschäftsmodelle neu ausrichten. Was dabei technologisch und strategisch zählt, zeigt die Automechanika Frankfurt vom 8. bis 12. September 2026.

Nach Prognosen von Frost & Sullivan legt der globale Automotive Aftermarket 2026 weltweit um rund 5,8% zu. Das klingt bemerkenswert, weil die Branche gleichzeitig mit Lieferkettenprobleme, geopolitischen Unsicherheiten und schwächelnder Konjunktur kämpft. Gegenläufige Kräfte: Fahrzeuge werden älter, der freie Ersatzteilmarkt gewinnt Gewicht, und rund um Elektromobilität, Digitalisierung und KI entstehen neue Erlösquellen. Das verändert das Selbstverständnis der Branche. Hochwertige Ersatzteile und effiziente Reparaturen reichen nicht mehr. Werkstätten, die heute mithalten wollen, verbinden Software, Elektronik und klassische Mechanik, werden also de facto zu Technologiepartnern ihrer Kunden.

Die Werkstatt wird zum Technologiezentrum

Mit jeder neuen Fahrzeuggeneration nimmt die Bedeutung digitaler Systeme zu. Softwaredefinierte Fahrzeuge, vernetzte Fahrzeugarchitekturen und Fahrerassistenzsysteme verändern die Anforderungen an Wartung und Reparatur grundlegend. Diagnosen, Kalibrierungen und Software-Updates gehören nun ebenso zum Alltag in der Werkstatt wie traditionelle Dienstleistungen. Die Automechanika Frankfurt 2026 adressiert diese Transformation mit ihrem neuen HighTech4Mobility Forum. Das Forum wird sich auf softwaredefinierte Fahrzeuge, autonomes Fahren und digitale Mobilitätsdienste konzentrieren. Unternehmen wie Google Cloud und die Boston Consulting Group werden demonstrieren, wie künstliche Intelligenz in Zukunft im Aftermarket zusätzlichen Wert schaffen kann. Auch Robotik und automatisierte Systeme stehen auf der Agenda. „Die Erfolgsgeschichte der Automechanika Frankfurt setzt sich fort“, sagt Detlef Braun, Geschäftsführer der Messe Frankfurt. Trotz eines herausfordernden wirtschaftlichen Umfelds erwartet die Messe etwa fünf Prozent mehr Aussteller als bei der vorherigen Veranstaltung. Rund 4.400 bis 4.500 Unternehmen aus mehr als 80 Ländern werden im September auf dem voll ausgebuchten Frankfurter Messegelände erwartet. Für Braun ist dies ein klares Zeichen dafür, dass internationale Plattformen besonders in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit an Bedeutung gewinnen.

Future Mobility Park auf der Automechanika Frankfurt
Im Future Mobility Park der Automechanika Frankfurt 2024 werden neue Fahrzeugtechnologien und Mobilitätslösungen im praktischen Einsatz gezeigt. Foto: Messe Frankfurt GmbH / Petra Welzel
Elektromobilität auf der Automechanika Frankfurt
Auf der Automechanika Frankfurt stehen Elektromobilität, Fahrzeugtechnik und neue Lösungen für Werkstätten und den Automotive Aftermarket im Fokus. Foto: Messe Frankfurt GmbH / Jens Liebchen

Transformation braucht Austausch

Technologischer Wandel allein reicht jedoch nicht aus. Ebenso wichtig ist der Wissenstransfer zwischen Herstellern, Werkstätten, Zulieferern und Dienstleistern. Deshalb erweitert die Automechanika ihr Angebot gezielt um neue Networking-Formate und Möglichkeiten für den fachlichen Austausch. „Innovation, Transformation, Nachhaltigkeit sowie Aus- und Weiterbildung stehen 2026 im Mittelpunkt der Veranstaltung", sagt Michael Johannes, Vice President Mobility & Logistics. Ziel sei es, Unternehmen besser miteinander zu vernetzen und Kooperationen zu fördern, die den Wandel der Branche beschleunigen. Ein weiteres Schwerpunktthema ist die Zukunft des Schadenmanagements. Im Rahmen der Automechanika Academy diskutieren Versicherungen, Lackhersteller, Technologieunternehmen und Branchenverbände über die Auswirkungen von KI, Automatisierung und Robotik auf Unfallreparaturen. Gleichzeitig geht es um die Folgen von Fachkräftemangel, steigenden Investitionskosten und fortschreitender Marktkonsolidierung.

Wissen wird zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor

Mit den technologischen Veränderungen steigen auch die Anforderungen an die Beschäftigten. Neue Antriebstechnologien, Fahrerassistenzsysteme und digitale Diagnoseverfahren verlangen kontinuierliche Weiterbildung. Deshalb baut die Automechanika Frankfurt ihr Qualifizierungsangebot weiter aus. Kostenlose, zertifizierte Praxis-Workshops vermitteln aktuelles Know-how: von Schadendiagnose und Karosserieinstandsetzung über Lackiertechnik bis zu ADAS-Kalibrierung und alternativen Antriebssystemen. Neu ist, dass sämtliche Inhalte nach der Messe online dauerhaft verfügbar bleiben und damit weit über die fünf Messetage hinaus genutzt werden können. Der Automotive Aftermarket entwickelt sich vom klassischen Ersatzteilgeschäft zu einem technologiegetriebenen Dienstleistungsmarkt. Digitalisierung, KI und vernetzte Fahrzeuge verändern nicht nur Produkte, sondern ganze Geschäftsmodelle. Die Automechanika Frankfurt macht diese Entwicklung sichtbar.

Bei den Innovation Awards der Automechanika Frankfurt 2024 wurden neue Produkte, Technologien und Lösungen für den Automotive Aftermarket ausgezeichnet. Foto: Messe Frankfurt GmbH / Pietro Sutera

Weitere Artikel zum Thema

Neugestaltung des Flottenmanagements in Europa

Interview mit Majk Strika, CEO

Neugestaltung des Flottenmanagements in Europa

Mit einem Fuhrpark von mehr als 2 Millionen Fahrzeugen steht der Name Holman in den Vereinigten Staaten seit Jahrzehnten für effektives, kundenorientiertes Flottenmanagement.

„Jammern ist leichter als Handeln“

Interview mit Prof. Dr.-Ing. Dieter Gerling, Gründer der FEAAM GmbH

„Jammern ist leichter als Handeln“

Mit diesem Leitsatz gründete Professor Dieter Gerling 2006 die FEAAM GmbH – eine Ausgründung der Universität der Bundeswehr München. Fast zwei Jahrzehnte...

Elektrisch. Engagiert. Endenburg.

Interview mit Rik Kant, Geschäftsführer der Endenburg Elektrotechniek B.V.

Elektrisch. Engagiert. Endenburg.

Vom Lampengeschäft zum Elektrotechnik-Spezialisten: Die Geschichte der Endenburg Elektrotechniek B.V. reicht fast 100 Jahre zurück. Im Gespräch mit Wirts...

Digital denken, global handeln

Interview mit Lumir Boureanu, Geschäftsführer der compacer GmbH

Digital denken, global handeln

Krisensichere IT-Lösungen, internationale Großkunden, starke Wurzeln in Europa: Die compacer GmbH aus Gärtringen hat sich über zwei Jahrzehnte hinweg ein...

Manfred Brinkmann, Managing Editor-in-Chief

Manfred Brinkmann

Managing Editor of European Business

Gestalten Sie die Zukunft der Wirtschaft?

Als Chefredakteur bin ich stets auf der Suche nach der nächsten Generation von Führungskräften und Innovatoren. Wenn Sie an der Spitze eines einflussreichen Unternehmens stehen, lade ich Sie ein, mit uns in Kontakt zu treten. Teilen Sie Ihre Vision mit unserem einflussreichen Publikum.