gamescom 2026: Deutschland spielt mehr, als es entwickelt
Warum Europas größter Games-Markt als Entwicklungsstandort zurückfällt und die Förderung bislang kaum gegensteuert
Die gamescom 2026 läuft vom 26. bis 30. August in Köln und online, das weltweit größte Event für Computer- und Videospiele. Der politische Aufmarsch rund um die Eröffnung ist ausführlich beschrieben. Die ökonomische Rechnung dahinter ist es weniger. Sie lautet: Deutschland ist Europas größter Games-Markt und zugleich ein schwacher Entwicklungsstandort. Und das wichtigste Werkzeug, um diese Lücke zu schließen, wirkt bisher nur halb.
Ein Milliardenmarkt, der wenig produziert
Deutschland ist mit rund 9,4 Milliarden Euro Jahresumsatz der größte Games-Markt Europas. Beim Entwickeln sieht die Bilanz anders aus. Ein großer Teil der hierzulande gespielten Titel entsteht im Ausland, Wertschöpfung und gut bezahlte Jobs entstehen häufig anderswo. Genau dieses Missverhältnis ist der Grund, warum der Staat überhaupt fördert: Der Markt wächst, der Standort hält nicht mit. Für Gründer, Investoren und Technologieunternehmen zählt deshalb weniger, welche Blockbuster in Köln gezeigt werden. Es zählt, wo sie künftig entstehen.
125 Millionen Euro, ein Drittel verplant
Der Staat versucht gegenzusteuern, bisher mit durchwachsenem Erfolg. Für 2026 hat der Bund rund 125 Millionen Euro für den Games-Sektor eingeplant, der größte Teil davon fließt in die Games-Förderung. Zur Jahresmitte war davon nach Angaben des Fachdienstes GamesWirtschaft erst etwa ein Drittel verplant, mehr als 80 Millionen Euro lagen noch ungenutzt. Geld ist also da. Es kommt nur langsam bei den Studios an. Das verweist auf ein strukturelles Problem: Eine Projektförderung, die vorab beantragt und bewilligt werden muss, passt schlecht zu einer Branche, die kurzfristig hochfahren oder pausieren muss.
Das eigentliche Ziel heißt Steuergutschrift
Die Branche will deshalb ein anderes Instrument: eine steuerliche Förderung von Spieleprojekten, wie sie Länder wie Großbritannien, Frankreich oder Kanada längst kennen. Eine Steuergutschrift greift automatisch, sie skaliert mit der tatsächlichen Produktion und gibt Studios Planungssicherheit über mehrere Jahre. Im Koalitionsvertrag ist eine solche Förderung als Absichtserklärung vereinbart, umgesetzt ist sie nicht. Dass mit Lars Klingbeil ausgerechnet der Bundesfinanzminister zur Eröffnung nach Köln kommt, ist vor diesem Hintergrund kein Zufall, sondern das Signal, auf das die Studios warten.
Der Standort entscheidet sich nicht auf der Bühne
Die gamescom zeigt in diesem Jahr die Nachfrageseite in Bestform. 2025 kamen 357.000 Besucher aus 128 Ländern, dazu über 34.000 Fachbesucher und 1.568 Aussteller aus 72 Ländern auf 233.000 Quadratmetern. Ein Standort entsteht daraus aber nicht von selbst. Er hängt an Kapital, an Fachkräften und an verlässlichen Rahmenbedingungen, und genau die sind noch nicht gesetzt. Solange die Steuergutschrift eine Ankündigung bleibt, bleibt Deutschland ein hervorragender Ort, um Spiele zu verkaufen, und ein mittelmäßiger, um sie zu entwickeln.
Die Reihenfolge der Signale ist damit klar. Die Aufmerksamkeit der Politik ist da, die Größe des Marktes ohnehin. Was fehlt, ist das Instrument, das aus Nachfrage einen Produktionsstandort macht. Die gamescom 2026 macht die Lücke sichtbar. Schließen muss sie der Gesetzgeber.