Neudenken der alpinen Gastfreundschaft
INTERVIEW MIT Sepp Schwaiger, Inhaber und Geschäftsführer
Die Eder Hotels GmbH in Maria Alm, Österreich, hat sich von einem traditionellen Familienunternehmen entwickelt. Wie viele alpine Hotels wurde sie durch starke Saisonalität, Investitionsrückstände und laufende Transformation geprägt. Heute präsentiert sie sich als eine moderne, facettenreiche Hotelgruppe – fest verwurzelt in ihren familiären Ursprüngen. Im Zentrum dieser Entwicklung steht Sepp Schwaiger, der konsequent den Menschen in den Vordergrund stellt: Gäste, Mitarbeiter und Familie gleichermaßen. Diese menschenzentrierte Denkweise, kombiniert mit dem Mut zur Veränderung, prägt auch heute noch die Identität des Unternehmens.
Für viele traditionelle Hotels in den Alpen ist langfristiger Erfolg keineswegs garantiert. Schwankende Nachfrage, steigende Gästeerwartungen und die Notwendigkeit kontinuierlicher Investitionen schaffen ein anspruchsvolles Umfeld – besonders für familiengeführte Betriebe, bei denen Tradition und Transformation Hand in Hand gehen müssen. Vor diesem Hintergrund hat Eder Hotels seinen eigenen Weg beschritten. Als Sepp Schwaiger das Familienunternehmen, eine Betrieb der dritten Generation, übernahm, erkannte er schnell, dass Kontinuität allein nicht ausreichen würde. „Natürlich war ich dankbar für die Möglichkeit, das fortzuführen, was meine Großeltern aufgebaut hatten“, sagt er. „Gleichzeitig konnte ich klar erkennen, wo Veränderungen notwendig waren. Stillstand war nie eine Option.“
Das Modell überdenken
Statt die Einschränkungen eines stark saisonabhängigen Betriebs zu akzeptieren, machte sich Herr Schwaiger daran, das Modell umzugestalten. Kontinuierliche Investitionen, Expansion und ein klarer Fokus auf Qualität haben das Geschäft in eine Gruppe von unterschiedlichen, doch verbundenen Eigenschaften verwandelt. „Es gab kein einziges Jahr ohne Investitionen“, sagt er. „Wachstum war notwendig, um das Qualitätsniveau zu erreichen, das unsere Gäste erwarten.“ Heute betreiben mehrere Hotels und Apartments nebeneinander, jedes spricht spezifische Zielgruppen an – von Familien bis hin zu nur Erwachsenen. Diese Diversifizierung war ein bewusster strategischer Schritt. „Wir wollten nicht von nur einem Typ von Gast abhängig sein“, erklärt der Geschäftsführer. „Durch die Schaffung unterschiedlicher Konzepte wurden wir widerstandsfähiger und stabiler über das ganze Jahr.“
Krise in Chance verwandeln
Während die Branche während der COVID-19-Pandemie zum Stillstand kam, nutzte Eder Hotels die Zeit zur Neupositionierung. „Statt einer Wartezeit erwies sich dies als Gelegenheitsfenster“, formuliert es Herr Schwaiger. „Wir entwickelten das Familienhotelkonzept EdeR FriDA, das den Familiennamen mit 'Tante Frida' kombiniert und auf einer Markenwelt basiert, die um eine fiktive Figur und Geschichtenerzählen für Kinder herum aufgebaut ist.“ Dieser Schritt spiegelt ein breiteres Umdenken wider: Eder Hotels sieht sich nicht mehr nur als Anbieter von Unterkünften, sondern als Schöpfer von Erlebnissen – insbesondere für Familien. Das Ziel ist es, die Marke über das physische Hotel hinaus zu erweitern. „Wenn man heute eine starke Marke aufbauen will, muss man über das klassische Produkt hinausdenken“, fügt Herr Schwaiger hinzu.
Ein Dorf, kein Resort
Ein bestimmendes Merkmal des Konzepts ist seine Standortstrategie. Anstatt ein abgeschlossenes Resort zu errichten, sind die Hotels in das Dorf selbst integriert, was Herrn Schwaigers Überzeugung widerspiegelt, dass sie nicht abgesondert, sondern Teil eines echten Dorfes mit alltäglichem Leben sind. Jede Eigenschaft hat ihre eigene Identität, doch alle tragen zu einem gemeinsamen Erlebnis bei, das in Authentizität verwurzelt ist. Diese Philosophie ist eng mit den Kernwerten des Unternehmens verknüpft. „Gastfreundschaft, Ehrlichkeit und Qualität – das ist unsere DNA“, erklärt der Geschäftsführer. Gäste sind nicht nur Kunden, sondern Teil einer Umgebung, die von Menschen, Kultur und Ort geprägt ist. „Die Menschen suchen etwas Echtes“, fügt er hinzu. „Und genau das wollen wir bieten.“
Menschen im Mittelpunkt
Der menschliche Aspekt steht im Zentrum der Unternehmensentwicklung. Mit rund 200 Mitarbeitern aus 25 Ländern spiegelt Eder Hotels die zunehmende Internationalisierung des Gastgewerbes wider. Gleichzeitig wird großer Wert auf Integration und Verantwortung gelegt. „Wir sehen uns verantwortlich, ein Zuhause für unsere Mitarbeiter zu schaffen“, sagt Herr Schwaiger. Es wurden daher erhebliche Investitionen in Mitarbeiterunterkünfte und Arbeitsbedingungen getätigt. Viele Mitarbeiter bleiben langfristig und werden Teil dessen, was sich wie eine erweiterte Familie anfühlt. „Einige von ihnen haben hier ein neues Zuhause gefunden“, bemerkt er. „Und das schafft eine ganz besondere Atmosphäre – für uns und für unsere Gäste.“
Bodenständig bleiben
Die nächste Entwicklungsphase ist bereits im Gange. Zu den Plänen gehören ein neues Gebäude, das Parkplätze, Veranstaltungsräume und Einrichtungen für Gesundheit, Fitness und Indoor-Aktivitäten kombiniert, um das Geschäft in der Nebensaison zu stärken. Gleichzeitig gewinnt die Digitalisierung zunehmend an Bedeutung, da sie dem Unternehmen hilft, über den Aufenthalt hinaus mit Gästen in Verbindung zu bleiben und sich auf Personalisierung und Kommunikation zu konzentrieren. Auch internationale Märkte wie das Vereinigte Königreich und die Benelux-Länder gewinnen an Bedeutung. Trotz aller Expansionspläne bleibt ein Grundsatz unverändert. „Erfolg darf niemals auf Kosten der Familie gehen“, betont Herr Schwaiger. Seine persönliche Motivation ist klar: „Ich bin dankbar für das, was wir gemeinsam aufgebaut haben. Das Wichtigste ist, dass dies ein Ort bleibt, an dem Menschen wachsen können – beruflich und persönlich.“