Eine neue Vision für den Bergtourismus

Interview mit Giorgio Munari, Geschäftsführer

Authentische Alpenatmosphäre
Authentische Alpenatmosphäre: Wintersport und Gastronomie treffen im Monterosa-Skigebiet aufeinander

Outdoor-Erlebnisse, Natur und hochwertige Gastronomie prägen zunehmend den Tourismus in den Alpen. Gleichzeitig stehen Betreiber von Skigebieten vor neuen Herausforderungen wie dem Klimawandel, steigenden Energiekosten und sich änderndem Besucherverhalten. Monterosa S.p.A., mit Sitz in Champoluc in der italienischen Region Valle d’Aosta, verwaltet eines der beeindruckendsten Skigebiete in den westlichen Alpen. Mit moderner Infrastruktur, nachhaltigen Investitionen und einer starken Verbindung zur lokalen Wirtschaft positioniert sich das Unternehmen für die Zukunft des Bergtourismus.

European Business: Herr Munari, könnten Sie kurz die Geschichte von Monterosa S.p.A. umreißen? 

Giorgio Munari: Das Skigebiet, das wir betreiben, erstreckt sich über zwei Täler, das Val d'Ayas und das Gressoney-Tal. Die ersten Lifte im Val d'Ayas wurden in den 1960er Jahren erbaut. Zu dieser Zeit betrieben mehrere Unternehmen unabhängig voneinander Lifte. Im Laufe der Jahre hatten viele von ihnen finanzielle Schwierigkeiten, woraufhin die Regionalregierung von Valle d'Aosta einen Anteil von 35 % erwarb und die Gründung eines einzigen Unternehmens förderte. Das war der Ausgangspunkt für Monterosa S.p.A., das schrittweise das gesamte Gebiet entwickelte und weiterhin in moderne Infrastruktur investierte. 

European Business: Wie hat sich das Unternehmen in den letzten Jahren entwickelt? 

Giorgio Munari: Eine wichtige Phase der Modernisierung begann Anfang der 1990er Jahre mit Investitionen in Beschneiungsanlagen. Später wurden zusätzliche kleinere Skistationen in die Unternehmensstruktur integriert. Heute verwalten wir ein großes Skigebiet über drei Täler sowie mehrere kleinere Resorts. Unsere Infrastruktur umfasst rund 600 Schneekanonen und 34 Pistenraupen. Die Verwaltung eines so komplexen Systems erfordert ständige Investitionen und technisches Know-how. 

Giorgio Munari, Geschäftsführer
Giorgio Munari, Geschäftsführer

European Business: Wer sind Ihre Hauptbesucher? 

Giorgio Munari: Im Winter begrüßen wir viele internationale Gäste, besonders aus Nordeuropa. Besucher aus dem Vereinigten Königreich und Skandinavien – insbesondere Schweden, Dänemark und Finnland – sind sehr wichtig für uns. Sie bleiben in der Regel eine ganze Skiwoche. Italienische Gäste stellen ein weiteres wichtiges Segment dar, aber sie besuchen uns hauptsächlich an Wochenenden oder während der Schulferien. Viele Familien verbringen mehrere Monate hier, damit ihre Kinder Skischulen oder Skiclubs besuchen können. 

European Business: Wie hat die Pandemie Ihr Geschäft beeinflusst? 

Giorgio Munari: Die Pandemie war schwierig, wie für den gesamten Tourismussektor. Unsere Pisten waren für die meisten Aktivitäten geschlossen, obwohl das Wettkampftraining für Skiclubs weiterhin erlaubt war. Es gab jedoch auch eine psychologische Verschiebung danach. Die Menschen begannen, Outdoor-Aktivitäten mehr denn je zu schätzen. Sportarten wie Skifahren, Skitouren oder Wandern finden im Freien statt, und das hat dem Bergtourismus neuen Schwung gegeben. 

Moderne Liftinfrastruktur gewährleistet schnellen Zugang zu den Pisten im Monterosa-Skigebiet
Moderne Liftinfrastruktur gewährleistet schnellen Zugang zu den Pisten im Monterosa-Skigebiet
Moderne Liftinfrastruktur gewährleistet schnellen Zugang zu den Pisten im gesamten Monterosa-Skigebiet
Moderne Liftinfrastruktur gewährleistet schnellen Zugang zu den Pisten im gesamten Monterosa-Skigebiet

European Business: Energiekosten und Nachhaltigkeit sind heutzutage wichtige Themen. Wie geht Monterosa mit diesen Herausforderungen um? 

Giorgio Munari: Wir investieren stark in Effizienz und Nachhaltigkeit. Zum Beispiel bauen wir hochgelegene Staubecken, um Wasser für die Schneeproduktion zu speichern, und installieren Radarsysteme, die die Schneetiefe sehr präzise messen. Dies ermöglicht es uns, künstlichen Schnee nur dort zu produzieren, wo er wirklich benötigt wird, was sowohl Energie als auch Wasser spart. Zusätzlich stammt der von uns gekaufte Strom vollständig aus erneuerbaren Quellen wie Wasserkraft und Solarenergie. 

European Business: Zieht der Ort auch außerhalb der Wintersaison Besucher an? 

Giorgio Munari: Ja, der Sommertourismus ist ebenfalls wichtig, besonders im Gressoney-Tal. Unsere Liftanlagen ermöglichen Bergsteigern den Zugang zu hochgelegenen Schutzhütten, in denen es etwa 1.500 bis 1.600 Betten gibt. Viele Bergsteiger nutzen diese Schutzhütten als Ausgangspunkt für Aufstiege zu den Gipfeln des Monte Rosa. In diesem Sinne agieren wir als Transportanbieter für Alpinisten und Wanderer in höhere Höhenlagen. 

Hochgebirgsaufzüge verbinden die Täler und öffnen spektakuläre alpine Landschaften für Besucher
Hochgebirgsaufzüge verbinden die Täler und öffnen spektakuläre alpine Landschaften für Besucher
Freeride-Gelände macht Monterosa zu einem Paradies für erfahrene Skifahrer
Freeride-Gelände macht Monterosa zu einem Paradies für erfahrene Skifahrer

European Business: Welche Rolle wird der Klimawandel für Skigebiete spielen?

Giorgio Munari: Der Klimawandel ist bereits sichtbar. Früher war der Schneefall in niedrigeren Höhenlagen verlässlicher, heute regnet es oft stattdessen. Deshalb sind Investitionen in die Beschneiung und Wasserspeicherung essentiell. Resorts unterhalb von etwa 1.500 m könnten in Zukunft Schwierigkeiten haben. Idealerweise sollten Skigebiete auf Höhen über 2.000 m betrieben werden. Glücklicherweise hat Valle d'Aosta relativ hoch gelegene Pisten, was uns im Vergleich zu anderen Regionen gewisse Vorteile verschafft.

European Business: Mit Blick auf die Zukunft, welche Ziele haben Sie für die kommenden Jahre gesetzt und welche Trends glauben Sie werden die Zukunft des Bergtourismus prägen?

Giorgio Munari: Unser Ziel ist es, das Resort weiterzuentwickeln, während wir die starke Verbindung zur umliegenden Region erhalten. Der Tourismus hier kommt nicht nur unserem Unternehmen zugute, sondern auch Hotels, Restaurants und vielen anderen lokalen Gewerben. Je stärker dieses Ökosystem wird, desto stärker wird auch Monterosa sein. Gleichzeitig sehen wir sich ändernde Erwartungen der Gäste. Die Gastronomie wird zum Beispiel immer wichtiger. Da Lifte heute schneller und Pisten glatter sind, haben Skifahrer mehr Zeit während des Tages – und viele nutzen sie, um hochwertige Speisen in Bergrestaurants zu genießen. Italien hat hier einen klaren Vorteil, dank seiner renommierten Küche. Gleichzeitig wird die Digitalisierung immer wichtiger, zum Beispiel bei Ticketautomaten, Gästeinformationen und dem gesamten Besuchererlebnis.

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