Lösungen, die Werte schaffen

Interview mit Johannes Pfluger, Geschäftsführer der Prima Power GmbH

Johannes Pfluger, Geschäftsführer
Johannes Pfluger, Geschäftsführer

In Zeiten wachsender technologischer Komplexität und volatiler Märkte hängt der industrielle Erfolg zunehmend von der Fähigkeit ab, über Produkte hinauszugehen und integrierte Lösungen anzubieten. Die Prima Power GmbH in Neufahrn bei Freising hat diesen Weg konsequent beschritten. Als Teil einer global aktiven Gruppe und mit ihrer deutschen Basis ist das Unternehmen einer der führenden Anbieter von automatisierten, energieeffizienten und skalierbaren Lösungen für die industrielle Blechbearbeitung. Geschäftsführer Johannes Pfluger diskutiert den strategischen Wandel des Unternehmens und dessen Auswirkungen auf die Geschäftsentwicklung von Prima Power.

European Business: Herr Pfluger, Sie sind seit sieben Jahren bei Prima Power und waren maßgeblich an der strategischen Transformation des Unternehmens beteiligt. Wo steht das Unternehmen heute in einem herausfordernden Marktumfeld?

Johannes Pfluger: Prima Power befindet sich in einer stabilen und zunehmend positiven Position in Schlüsselregionen. Der Konzern beschäftigt weltweit rund 1.700 Mitarbeiter und erzielt einen Umsatz von etwa 500 Millionen EUR. Das ist derzeit keineswegs die Norm in unserer Branche und unterstreicht die Wirksamkeit unserer strategischen Ausrichtung, selbst unter schwierigen politischen und wirtschaftlichen Bedingungen. Es zeigt auch, dass unser Geschäftsmodell im Laufe der Zeit widerstandsfähiger geworden ist.

European Business: Was hat zur Resilienz von Prima Power beigetragen und wie hat die Hinwendung zu integrierten Lösungen sowohl die Organisation als auch die Führungskultur verändert?

Johannes Pfluger: Der entscheidende Faktor war unsere langfristige Verschiebung von Einzelmaschinen zu integrierten Fertigungslösungen, eine Richtung, die durch unsere "Evolve by integration"-Strategie weiter verstärkt wurde. Diese Transformation erfolgte nicht über Nacht; es war ein allmählicher Prozess über mehrere Jahre hinweg und erforderte ein klares strategisches Engagement. Heute denken wir weniger in Begriffen von Einzelprodukten und mehr in Begriffen von vernetzten Systemen, automatisierten Produktionslinien und kompletten Lösungen, die auf Kundenprozesse zugeschnitten sind. Ein Produkt hat einen Preis; eine Lösung schafft Wert.
Diese Veränderung erforderte auch ein grundlegendes Umdenken in Bezug auf Strukturen, Rollen und Führung. Funktionen, die einst in Silos arbeiteten, arbeiten jetzt eng über die gesamte Organisation hinweg zusammen, wobei der Vertrieb zunehmend als Projektkoordinator fungiert, der zur richtigen Zeit die richtige Expertise zusammenbringt. Gleichzeitig hat sich die Führung von einem direktiven zu einem auf Coaching, Moderation und Schaffung eines sicheren Rahmens konzentrierten Ansatz entwickelt. Offene Kommunikation, gegenseitiger Respekt und klare Verantwortlichkeiten bilden nun die Basis unserer Kultur und sind zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor geworden.

Der Prima Power Showroom in Neufahrn präsentiert automatisierte und skalierbare Fertigungslösungen für die industrielle Blechverarbeitung
Der Prima Power Showroom in Neufahrn präsentiert automatisierte und skalierbare Fertigungslösungen für die industrielle Blechverarbeitung
Ein Blick auf eine hochautomatisierte Produktionsumgebung zeigt den wachsenden Bedarf an effizienten und skalierbaren Fertigungslösungen
Ein Blick auf eine hochautomatisierte Produktionsumgebung zeigt den wachsenden Bedarf an effizienten und skalierbaren Fertigungslösungen

European Business: Was definiert heute das Portfolio von Prima Power, insbesondere in Bezug auf die Digitalisierung?

Johannes Pfluger: Unser Portfolio konzentriert sich auf automatisierte, skalierbare Fertigungssysteme für die industrielle Blechbearbeitung. Wir decken eine breite Palette von Technologien ab, von Laserschneiden, Stanzen und Biegen bis hin zu vollautomatisierten Produktionslinien mit integrierter Software. Energieeffizienz ist seit fast 30 Jahren Teil unserer DNA; unsere voll elektrischen Maschinen gehören zu den energieeffizientesten auf dem Markt in Bezug auf den Energieverbrauch pro hergestelltem Teil. Software und Automation ermöglichen es den Kunden, die Produktion schrittweise zu skalieren, wenn die Nachfrage steigt, was in den heutigen volatilen Märkten ein kritischer Faktor ist. Dies ist besonders relevant in Wachstumsmärkten wie der Wärmepumpenfertigung, wo wir an einigen der größten Projekte Europas beteiligt sind. Unser Software-Entwicklungszentrum spielt in diesem Zusammenhang eine Schlüsselrolle und unterstützt unseren Fokus auf intelligente Fertigung.

European Business: Sie betonen oft die Bedeutung der Offenheit gegenüber verschiedenen Technologien. Was erwarten Sie von den politischen Entscheidungsträgern, um die industrielle Wettbewerbsfähigkeit Europas zu schützen?

Johannes Pfluger: Wir benötigen eine Rückkehr zur Technologieoffenheit und eine ehrliche Debatte. Technologie sollte nicht als ideologisches Thema behandelt werden, sondern als Werkzeugkasten zur Lösung komplexer Herausforderungen. Europa verfügt über starke Ingenieursfähigkeiten und eine solide industrielle Basis, aber die industrielle Wertschöpfung muss wirtschaftlich rentabel bleiben. Wenn die Energiekosten, Regulierung und Besteuerung weiter steigen, wird die Produktion unweigerlich anderswo verlagert. Diese Realitäten offen und pragmatisch anzugehen ist essenziell, wenn wir langfristig Wohlstand und industrielle Stärke in Europa erhalten wollen.

Mitarbeiter und Partner, die an einem internen Workshop teilnehmen, spiegeln die Betonung von Zusammenarbeit und Wissensaustausch bei Prima Power wider
Mitarbeiter und Partner, die an einem internen Workshop teilnehmen, spiegeln die Betonung von Zusammenarbeit und Wissensaustausch bei Prima Power wider
Besucher versammeln sich um einen Ausstellungsstand von Prima Power während einer Branchenveranstaltung und diskutieren über automatisierte Fertigungslösungen
Besucher versammeln sich um einen Ausstellungsstand von Prima Power während einer Branchenveranstaltung und diskutieren über automatisierte Fertigungslösungen

European Business: Was ist Ihre Vision für Prima Power in den kommenden Jahren?

Johannes Pfluger: Wir haben viel erreicht, aber der Fortschritt steht nicht still. Wir entwickeln uns ständig weiter, um sicherzustellen, dass unsere Kunden in ständig wechselnden Märkten wettbewerbsfähig bleiben. Exzellenz erfordert kontinuierliche Bewegung; Stagnation ist das eigentliche Risiko in einem zunehmend dynamischen Umfeld. Unser Ziel ist es, unsere Lösungen weiter zu verfeinern, unsere Organisation zu stärken und anpassungsfähig zu bleiben, während sich die Märkte weiterentwickeln. Technologien, Kundenerwartungen und Entscheidungsprozesse ändern sich schnell, und unsere Aufgabe ist es, unseren Kunden zu helfen, in einem zunehmend komplexen industriellen Umfeld erfolgreich zu sein.

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