Integrierte Steuerung in der Schienenverkehrsbereitstellung

Interview mit Horst Amann, Geschäftsführer der RTW Planungsgesellschaft mbH

Interview mit Horst Amann, Geschäftsführer der RTW Planungsgesellschaft mbH
Interview mit Horst Amann, Geschäftsführer der RTW Planungsgesellschaft mbH

Die RTW Planungsgesellschaft mbH vereint die Planung, den Bau und den Betrieb neuer Schienenverbindungen. Unterstützt von den Gemeinden, dem Bundesland Hessen und der Bundesregierung, zielt das Unternehmen darauf ab, ein komplexes öffentliches Verkehrsprojekt steuerbar und realisierbar zu machen – mit potentiellem Modellwert für Metropolregionen in Deutschland und ganz Europa.

Was die RTW Planungsgesellschaft mbH auszeichnet, ist nicht nur die Größenordnung des Bahnprojekts, das sie realisiert, sondern auch die Art und Weise, wie die Zuständigkeiten institutionell verankert sind. Gegründet im Jahr 2008, wurde das Unternehmen geschaffen, um technische Planung, politische Koordination und wirtschaftliche Bewertung in einer einzigen Entität zu konsolidieren. Die Reginaltangente West Bahnverbindung ist darauf ausgelegt, wichtige Orte und Verkehrsknotenpunkte in der Rhein-Main-Region zu verbinden. Geschäftsführer Horst Amann beschreibt das Modell als Reaktion auf fragmentierte Verwaltung: «Große öffentliche Verkehrsprojekte neigen dazu ins Stocken zu geraten, wenn die Verantwortung zu breit gestreut wird. Wir wollten eine Struktur, die über Wahlzyklen und Verwaltungsgrenzen hinweg handlungsfähig bleibt.»

Wendepunkt

Ein entscheidender Moment trat 2015 ein, als das Mandat des Unternehmens über die Planung hinaus erweitert wurde, um auch den Bau und später den Betrieb einzuschließen. Dies änderte die Rolle der RTW GmbH grundlegend. „Ein reines Planungsunternehmen hätte niemals Baurechte schaffen können“, sagt Herr Amann. „Nur indem wir zu einem Unternehmen wurden, das plant, baut und Infrastruktur betreibt, konnten wir als Projektsponsor agieren, Land erwerben und letztendlich die von uns gelieferten Vermögenswerte besitzen.“ Im Jahr 2019 bekräftigten die Aktionäre ihr Engagement für die Umsetzung, was den Übergang von vorbereitenden Arbeiten zur Ausführung ermöglichte und langfristige finanzielle Verantwortung auf kommunaler, Landes- und Bundesebene verankerte.

Operationelle Realität

RTW GmbH operiert mit einem relativ schlanken festen Personalbestand und koordiniert dabei ein weitreichendes Netzwerk von Ingenieurbüros, Beratern und Bauunternehmen. Das Modell verbindet Flexibilität mit strategischer Kontrolle, könnte jedoch von zusätzlicher interner Kapazität profitieren. Die Geschäftsführung bleibt eng in Genehmigungsverfahren, Kostenentwicklung und Baufortschritt eingebunden. „Wenn man aus den Augen verliert, was vor Ort passiert, verliert man die Fähigkeit zu steuern“, bemerkt der Geschäftsführer. Die Kommunikation mit Stakeholdern und der Öffentlichkeit wird daher als integraler Bestandteil des Projektmanagements behandelt.

Geplante Streckenführung der Schienenverbindung Regionaltangente West, konzipiert zur Verbindung wichtiger Standorte und Verkehrsknotenpunkte in der Rhein-Main-Region
Geplante Streckenführung der Schienenverbindung Regionaltangente West, konzipiert zur Verbindung wichtiger Standorte und Verkehrsknotenpunkte in der Rhein-Main-Region

Jenseits des Projekts

 Da europäische Städte zunehmend unter Druck stehen, den schienengebundenen öffentlichen Nahverkehr auszubauen, zeigt die RTW GmbH, wie das Governance-Design selbst zu einem Erfolgsfaktor werden kann. Durch die Integration von Verantwortlichkeiten über den gesamten Lebenszyklus der Infrastruktur hinweg bietet das Unternehmen einen Leitfaden für Metropolregionen, die bestrebt sind, Fragmentierung zu verringern und Verantwortlichkeit zu verbessern. „Infrastruktur wird schließlich für Jahrzehnte gebaut“, sagt Herr Amann. „Wenn die Struktur stimmt, reicht ihr Wert weit über ein einzelnes Projekt hinaus.“

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