Oberflächenveredelung im großen Maßstab

Interview mit Michael Segnana, kaufmännischer Direktor und Dirk Broekhoven, technischer Vertriebsleiter von Alro NV

Am Alro-Standort in Dilsen: Strukturierte Prozesse und eng abgestimmte Operationen gewährleisten effiziente Arbeitsabläufe und tragen zur starken und verlässlichen Präsenz des Unternehmens auf internationalen Märkten bei
Am Alro-Standort in Dilsen: Strukturierte Prozesse und eng abgestimmte Operationen gewährleisten effiziente Arbeitsabläufe und tragen zur starken und verlässlichen Präsenz des Unternehmens auf internationalen Märkten bei

Von Schutzbeschichtungen bis zu hochspezialisierten Veredelungsprozessen hat die industrielle Oberflächenbehandlung eine entscheidende Rolle in der modernen Fertigung geworden – insbesondere im Automobilsektor. Alro NV mit Hauptsitz in Dilsen, Belgien, hat sich von einem spezialisierten Anbieter zu einem wichtigen internationalen Akteur in diesem Bereich entwickelt. Im Gespräch mit dem kaufmännischen Direktor Michael Segnana und dem technischen Vertriebsleiter Dirk Broekhoven erkunden wir die Entwicklung des Unternehmens, seinen globalen Fußabdruck und die Herausforderungen, die die Zukunft der industriellen Beschichtungen prägen.

Gegründet in den 1970er Jahren von Luc Thijs, hat sich Alro von einer kleinen Lackierwerkstatt zu einem internationalen Beschichtungspartner mit rund 700 Mitarbeitern und einem Umsatz von etwa 100 Millionen EUR entwickelt. Das Unternehmen erreicht einen Exportanteil von etwa 75 bis 80%. Heute fungiert Gimv als Hauptaktionär. Alro betreibt seinen Hauptsitz in Dilsen, einen zweiten nahegelegenen Standort etwa 1 km vom Hauptwerk entfernt, sowie seine Einrichtung in Genk, bekannt als WCA Alro. Im Rahmen einer strategischen Konsolidierung wurden frühere Aktivitäten in der Slowakei und ein Joint Venture in China eingestellt. Über die Jahre hat sich das Unternehmen kontinuierlich von einem regionalen Anbieter zu einem international tätigen Partner der Automobilindustrie entwickelt.

Michael Segnana, kaufmännischer Direktor und Dirk Broekhoven, technischer Verkaufsleiter von Alro NV
Michael Segnana, kaufmännischer Direktor und Dirk Broekhoven, technischer Verkaufsleiter von Alro NV

One-Stop-Shop-Beschichtung mit technischer Tiefe

Das Kerngeschäft von Alro vereint kathodischen Tauchlackierung, Nasslackierung und Pulverbeschichtung. Darüber hinaus hat das Unternehmen fortschrittliche Lösungen wie Brandschutzbeschichtungen für Batteriesysteme entwickelt, um den wachsenden Anforderungen der E-Mobilität und strengeren europäischen Sicherheitsvorschriften gerecht zu werden. Ein Beispiel ist eine patentierte Lösung, die bestehende Standards für den Schutz gegen thermisches Durchgehen deutlich übertrifft. Gleichzeitig hat Alro seine KTL-Kapazitäten mit einer zweiten KTL-Linie erweitert, um die steigende Nachfrage in der E-Mobilität, insbesondere für die Beschichtung von Batteriewannen und Batteriekästen, zu befriedigen. Das Unternehmen verarbeitet täglich mehr als 100.000 Komponenten in über 1.000 Farben. Es fungiert als One-Stop-Shop, der Vorbehandlung, Maskierung, Beschichtung, Entmaskierung und Montage sowie Just-in-Time- und Just-in-Sequence-Lieferung abdeckt. Zum Beispiel beliefert Alro DAF stündlich in exakter Produktionsreihenfolge. Zusätzlich liefert das Unternehmen vollständig montierte Module wie Stoßfänger und Frontgrills für die Mercedes G-Klasse. Über die Produktion hinaus ist Alro zunehmend in den frühen Phasen des Engineerings und Prototypings involviert und unterstützt Kunden mehrere Jahre vor Produktionsbeginn – in einigen Fällen bereits ab SOP 2029. Das Unternehmen trägt zur Optimierung des Designs bei, entwickelt Maskierungskonzepte und verbessert die Kosteneffizienz, zum Beispiel durch speziell entworfene Transportgestelle, die Handhabungsschritte reduzieren. Darüber hinaus baut Alro eigene Produktionslinien auf der Basis von intern entwickelten Konzepten und operiert nach strengen Automobilstandards, einschließlich IATF-Zertifizierung. Zu seinem Kundenstamm gehören führende LKW-Hersteller wie Volvo Truck, Renault Truck, DAF, Scania und Mercedes. Im Automobilsektor bedient Alro große Marken wie Mercedes (G-Klasse) und Audi. „Unsere Stärke liegt darin, technische Expertise mit der Flexibilität zu kombinieren, globale Kunden in verschiedenen Regionen und Anforderungen zu bedienen“, sagt Dirk Broekhoven.

Am Standort Dilsen stehen die Bürogebäude von Alro für Kontinuität, Stabilität und internationale Ausrichtung, die die stetige Entwicklung und strategische Ausrichtung des Unternehmens veranschaulichen
Am Standort Dilsen stehen die Bürogebäude von Alro für Kontinuität, Stabilität und internationale Ausrichtung, die die stetige Entwicklung und strategische Ausrichtung des Unternehmens veranschaulichen
Umfangreiche Fertigungskompetenzen in der Praxis: Von der Materialvielfalt bis zur Serienproduktion spiegeln die Komponenten die technologische Expertise und industrielle Präzision des Unternehmens wider
Umfangreiche Fertigungskompetenzen in der Praxis: Von der Materialvielfalt bis zur Serienproduktion spiegeln die Komponenten die technologische Expertise und industrielle Präzision des Unternehmens wider

Digitale Steuerung, Nachhaltigkeit und skalierbares Wachstum

Die Bewältigung dieser Komplexität erfordert eine starke interne Struktur. Alro kombiniert seine eigene Automatisierungsabteilung, IT-Systeme, Ingenieurwesen und Qualitätsmanagement mit weitgehend digitalen Prozessen. Die Kommunikation erfolgt über EDI- und XML-basierte Systeme, unterstützt durch intern entwickelte Softwarelösungen. Darüber hinaus werden KI-gestützte Tools zur Analyse von Marktentwicklungen und zur Optimierung administrativer Arbeitsabläufe geprüft, während Robotik und Cobots die Produktionsprozesse unterstützen. Gleichzeitig wird die Digitalisierung als Werkzeug und nicht als Selbstzweck verstanden, mit einem Fokus auf die Verbesserung der Effizienz und Entscheidungsfindung. Nachhaltigkeit ist fest in den Betriebsabläufen von Alro verankert. Das Unternehmen ist seit 1998 als eines der ersten Unternehmen in Belgien nach ISO 14000 zertifiziert und betreibt eigene Wasseraufbereitungs- und Recyclinganlagen. Darüber hinaus spielt erneuerbare Energie eine Schlüsselrolle, mit Windturbinen, Solaranlagen und laufenden Bewertungen von Batteriespeicherlösungen. Kommerziell ist Alro stark international ausgerichtet. Nur etwa 20 bis 25% des Geschäfts werden in Belgien gemacht, während der Großteil aus dem Ausland kommt. Zu den wichtigsten Märkten gehören Deutschland, Frankreich, die Niederlande und Schweden sowie andere europäische Länder. Gleichzeitig bedient das Unternehmen auch ausgewählte globale Projekte, die bis nach Brasilien reichen, während es einen Kernbetriebsradius von etwa 500 km beibehält. Marketingaktivitäten umfassen eine starke digitale Präsenz, aktive Kommunikation auf LinkedIn und eine spezielle Geschäftsentwicklungsfunktion. Alro investiert stark in Kundenintimität, organisiert spezielle strategische Meetings und kommuniziert proaktiv auf allen Ebenen der Organisation mit Kunden und Lieferanten. Intern beschreibt sich das Unternehmen als ein unternehmerisch organisch gewachsenes Familienunternehmen mit agiler Entscheidungsfindung und einem hohen Maß an Prozessdisziplin. Im derzeit etwas weicheren Marktumfeld hat sich die Produktion von Hochphasen von sieben Tagen pro Woche auf etwa fünf Tage verlagert. Während das Unternehmen in die Zukunft blickt, bleibt sein Fokus klar definiert: „Wir bleiben eines der größten produzierenden Unternehmen in unserer Region, wo wir uns verpflichten, ein attraktiver Arbeitgeber zu sein, relevant zu bleiben und durch unser Partnerschaftsmodell wieder zu wachsen“, so Michael Segnana.

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