Von der Faser zur Zukunftsenergie
Interview mit Gianluca Limatola, Generaldirektor
Da Europa den Ausbau der digitalen Infrastruktur und erneuerbaren Energien beschleunigt, prägen Unternehmen, die technische Expertise mit strategischer Weitsicht kombinieren, die Transformation. Die Firma SIAT Installazioni S.p.A. befindet sich in Ariccia, Italien, und ist seit über 40 Jahren in der Telekommunikations- und Energieinfrastruktur tätig. Unter der Leitung von General Manager Gianluca Limatola hat sich das Unternehmen zu einem nationalen Akteur mit rund 600 Mitarbeitern, einem Umsatz von 90 Millionen EUR und einem wachsenden Fokus auf erneuerbare Energie und Datenzentren entwickelt.
European Business: Herr Limatola, SIAT Installazioni hat eine lange Geschichte. Welche waren die wichtigsten Meilensteine in der Entwicklung des Unternehmens?
Gianluca Limatola: SIAT ist seit über 40 Jahren im Telekommunikationssektor tätig. In den letzten Jahren waren wir besonders am Ausbau der Glasfaserinfrastruktur für FTTH-Netze beteiligt. Ein wesentlicher Treiber war der Nationale Erholungs- und Resilienzplan Italiens, der erhebliche Investitionen in die Telekommunikations- und Energieinfrastruktur finanzierte. Parallel dazu haben wir unsere Position im Energiesektor gestärkt, indem wir an Stromverteilungsnetzen und großen Photovoltaikanlagen gearbeitet haben. Diversifikation war ein entscheidender Meilenstein für uns.
European Business: Sind Ihre Kunden hauptsächlich öffentliche Einrichtungen?
Gianluca Limatola: Ja, überwiegend. Im Telekommunikationsbereich arbeiten wir mit großen nationalen Betreibern wie FiberCop und Open Fiber zusammen. Im Energiebereich gehören wichtige Verteilernetzbetreiber und große Versorgungsunternehmen zu unseren Kunden. Wir sind auch aktiv für bedeutende Photovoltaik-Entwickler und im Sektor Verkehrsinfrastruktur tätig, wo wir für Autobahnbetreiber und öffentliche Straßenbehörden arbeiten. Unser Fokus liegt eindeutig auf nationalen Großkunden in Italien.
European Business: Wie haben Sie die jüngsten Krisen, einschließlich der Pandemie und der Energiekrise, erlebt?
Gianluca Limatola: Diversifikation war entscheidend. Die Krisen haben gezeigt, wie wichtig es ist, sich nicht auf einen einzigen Sektor zu verlassen. Wir haben unser Engagement in Energie und erneuerbaren Energien ausgebaut, wo wir langfristige Chancen sehen. Telekommunikation bleibt wichtig, aber nach Abschluss der PNRR-Projekte wird sich der Aktivitätenmix verschieben. In Zukunft werden Energie- und Erneuerbare-Energie-Projekte wahrscheinlich einen größeren Anteil unseres Portfolios ausmachen.
European Business: Nachhaltigkeit ist eng mit erneuerbarer Energie verbunden. Was bedeutet Nachhaltigkeit für SIAT?
Gianluca Limatola: Nachhaltigkeit ist für uns nicht nur ein Geschäftsfeld, sondern auch ein Versprechen. Wir implementieren Photovoltaikanlagen für unsere eigenen Einrichtungen und stellen schrittweise unsere Fahrzeugflotte von herkömmlichen Kraftstoffen auf Elektrofahrzeuge um. Wir möchten unsere internen Prozesse an denselben Standards ausrichten, die wir auch unseren Kunden liefern.
European Business: Wie positionieren Sie das Unternehmen am Markt und gewinnen neue Kunden?
Gianluca Limatola: Traditionell haben wir mit einer kleinen Anzahl großer Kunden gearbeitet. Zukünftig streben wir eine Verbreiterung unserer Kundenbasis an. Digitales Marketing und Online-Sichtbarkeit spielen eine zunehmend wichtigere Rolle in dieser Strategie. Wir sehen Potenzial nicht nur in der Stärkung bestehender Beziehungen, sondern auch in der Erschließung neuer Segmente.
European Business: Fachkräftemangel ist ein großes Problem in ganz Europa. Wie gehen Sie mit dieser Herausforderung um?
Gianluca Limatola: Der Mangel an qualifiziertem Personal ist eine unserer größten Herausforderungen. Nach der Pandemie erlebten wir einen erheblichen Personalwechsel. Wir haben die Rekrutierung über digitale Plattformen wie LinkedIn intensiviert und arbeiten mit Arbeitsagenturen zusammen, um Auswahl und Schulung zu koordinieren. Gleichzeitig arbeiten wir daran, unsere Wohlfahrtpolitik zu stärken, um die Mitarbeiterzufriedenheit und -bindung zu verbessern. Für ein Unternehmen unserer Größe sind die Menschen der Schlüsselfaktor.
European Business: Welche Haupttrends sehen Sie, die die Zukunft Ihrer Branche prägen?
Gianluca Limatola: Die Digitalisierung von Prozessen und die produktive Nutzung von künstlicher Intelligenz sind unumgänglich. Wir müssen die organisatorische Effizienz steigern und technologisch auf dem neuesten Stand bleiben. Ein weiteres Schlüsselthema ist die Entwicklung von Rechenzentren. In Italien und in ganz Europa expandiert dieser Sektor schnell, und wir beabsichtigen, uns in diesem Bereich zu positionieren und unsere Expertise in Infrastruktur und Energie zu nutzen. Gleichzeitig bewerten wir potenzielle Expansionen in andere europäische Märkte wie Deutschland und Frankreich. Wenn die richtigen Gelegenheiten entstehen, sind wir bereit, diesen Schritt zu machen. Infrastrukturprojekte sind eng mit der technologischen Entwicklung verknüpft – wer stillsteht, fällt zurück. Unser Ziel ist es, Entwicklungen zu antizipieren, intelligent zu diversifizieren und proaktiv auf Marktentwicklungen zu reagieren.