„Jedes Projekt ist eine Chance, einen Ort zu verbessern und eine Gemeinschaft zu stärken!“

Interview mit Mauro Poponcini, Gründungspartner von POLO.platform bv

POLO.platform bv Referenz
„Polytoren“ – Foto: © Tim Fisher

Architektur geht heute weit über das Entwerfen von Gebäuden hinaus. Sie erfordert ein Gleichgewicht zwischen Nachhaltigkeit, Funktionalität, städtischer Integration und sozialer Verantwortung, während sie auf zunehmend komplexe Vorschriften und Erwartungen reagiert. Mit Hauptsitz in Antwerpen, Belgien, hat POLO.platform bv seinen Ruf genau auf diesem multidisziplinären Ansatz aufgebaut. Indem sie Expertise in Architektur, Urbanismus, Innenarchitektur und Forschung zusammenbringt, schafft das Unternehmen Projekte, die langfristigen Wert sowohl für Kunden als auch für Gemeinschaften generieren. Gründungspartner Mauro Poponcini teilt Einblicke in die Philosophie, Entwicklung und Zukunftsvisionen des Unternehmens.

European Business: Architekt Poponcini, POLO.platform hat sich zu einem der angesehensten Designbüros in Belgien entwickelt. Wie hat das Unternehmen begonnen?

Mauro Poponcini: Mein Partner, Patrick Lootens, und ich haben beide als Ingenieur-Architekten an der KU Leuven abgeschlossen. Nachdem wir unabhängig voneinander Erfahrungen gesammelt hatten, beschlossen wir, unsere Stärken zu bündeln und eine eigene Praxis zu gründen. 1991 gründeten wir das Unternehmen in Antwerpen mit dem Ziel, Architektur zu schaffen, die Kreativität, technisches Know-how und sozialen Wert in Einklang bringt. Mehr als drei Jahrzehnte später definieren diese Prinzipien immer noch unsere Arbeit.

European Business: Das Unternehmen hat sich von POLO.architects zu POLO.platform entwickelt. Warum?

Mauro Poponcini: Weil die Architektur heute weit über das Entwerfen von Gebäuden hinausgeht. Projekte werden von Stadtplanung, Innenarchitektur, Nachhaltigkeit und Forschung beeinflusst. Wir wollten, dass unsere Organisation diese Realität widerspiegelt. Heute vereint POLO.platform Architektur, Urbanismus, Innenarchitektur und Labors. Diese multidisziplinäre Struktur ermöglicht es uns, Projekte aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und umfassendere Lösungen zu liefern.

European Business: Welche Arten von Projekten sind für Ihr Portfolio am wichtigsten?

Mauro Poponcini: Wir arbeiten in einer Vielzahl von Sektoren, darunter Wohnentwicklungen, Bürogebäude, Labore, Gesundheitseinrichtungen, Bildungsprojekte und öffentliche Infrastruktur. Öffentliche Projekte sind besonders bedeutungsvoll, weil sie direkt beeinflussen, wie Menschen leben und interagieren. Unabhängig vom Sektor ist unser Ziel immer, Orte zu schaffen, die funktional, nachhaltig und für die breite Gemeinschaft nützlich sind.

European Business: Welche sind die größten Herausforderungen, mit denen die Bauindustrie heute konfrontiert ist?

Mauro Poponcini: Die zunehmende Komplexität der Projekte. Die Vorschriften werden strenger, die Nachhaltigkeitsstandards steigen und die Genehmigungsverfahren sind oft anspruchsvoller als zuvor. Gleichzeitig sind viele verschiedene Interessengruppen an Projekten beteiligt. Architekten müssen daher Gestaltungsfähigkeiten mit technischem Wissen, Kommunikation und strategischem Denken verbinden. Der Beruf ist viel breiter angelegt als früher.

European Business: Nachhaltigkeit ist ein Schlüsselthema in der gesamten Branche. Wie gehen Sie damit um?

Mauro Poponcini: Nachhaltigkeit beginnt mit dem Entwurf. Bevor wir uns der Technologie zuwenden, konzentrieren wir uns auf Ausrichtung, Tageslicht, Materialauswahl und Gebäudeleistung. Die besten Gebäude sind effizient, weil sie von Anfang an intelligent entworfen wurden. Technologie kann die Nachhaltigkeit unterstützen, aber die Architektur selbst muss die Grundlage liefern. Unser Ziel ist es, Gebäude zu schaffen, die langfristig wertvoll und anpassbar bleiben.

European Business: Kreislaufwirtschaft erhält auch viel Aufmerksamkeit. Warum ist sie wichtig?

Mauro Poponcini: Kreislaufwirtschaft ermutigt uns, über den ersten Lebenszyklus eines Gebäudes hinaus zu denken. Wir ziehen zunehmend in Betracht, wie Strukturen in der Zukunft angepasst, demontiert oder wiederverwendet werden können. Dies erfordert ein anderes Mindset und oft einen anderen Ansatz beim Bauen. Obwohl Herausforderungen bestehen bleiben, glauben wir, dass kreislauforientiertes Denken ein wesentlicher Bestandteil der gebauten Umwelt werden wird.

European Business: Welche Rolle spielt die Digitalisierung innerhalb von POLO.platform?

Mauro Poponcini: Eine sehr wichtige. Wir setzen fortschrittliche BIM-Technologien ein, um Design und Informationen in ein einziges intelligentes Modell zu integrieren. Dies verbessert die Zusammenarbeit zwischen Architekten, Ingenieuren und Beratern und steigert die Effizienz. Digitale Werkzeuge helfen uns, bessere Entscheidungen zu treffen, ersetzen aber nicht die Kreativität. Architektur bleibt ein menschenzentrierter Beruf.

European Business: Was unterscheidet POLO.platform von anderen Unternehmen?

Mauro Poponcini: Wir bemühen uns, frühzeitig in den Entwicklungsprozess eingebunden zu sein. Anstatt einfach auf ein Briefing zu reagieren, helfen wir den Kunden, von Anfang an die richtige Strategie zu definieren. Dies führt zu stärkeren Projekten und besseren langfristigen Ergebnissen. Kunden schätzen es, dass wir kommerzielles Verständnis mit einem Engagement für soziale und urbane Qualität verbinden.

European Business: Was motiviert Sie persönlich nach all diesen Jahren?

Mauro Poponcini: Die Möglichkeit, bedeutungsvolle Orte zu schaffen. Ich bin auch leidenschaftlich an zeitgenössischer Kunst interessiert und an ihrer Fähigkeit, Menschen zu inspirieren. Architektur kann das Gleiche tun. Jedes Projekt ist eine Chance, einen Ort zu verbessern, eine Gemeinschaft zu stärken und etwas Positives zur Gesellschaft beizutragen.

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Manfred Brinkmann

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