Wo Städte wieder atmen können

Interview mit Arch.DI Thomas Pucher, Gründer/CEO von Atelier Thomas Pucher ZT GmbH

Der Sinfonia Varsovia Konzertsaal in Warschau verbindet historische Strukturen mit einem kühnen neuen Bau, der zu einem kulturellen Wahrzeichen wird, das Generationen lang mit dem Publikum in Resonanz gehen soll
Der Sinfonia Varsovia Konzertsaal in Warschau verbindet historische Strukturen mit einem kühnen neuen Bau, der zu einem kulturellen Wahrzeichen wird, das Generationen lang mit dem Publikum in Resonanz gehen soll

In einer Zeit, in der städtische Dichte, steigende Kosten und Klimabelastungen europäische Städte herausfordern, hat Atelier Thomas Pucher ZT GmbH einen Ansatz verfolgt, der Architektur sowohl als soziale Infrastruktur als auch als langfristige ökologische Verantwortung behandelt. Ihre Arbeit deutet darauf hin, dass die Zukunft der gebauten Welt an Orten liegt, an denen Menschen und Natur wirklich zusammenleben können und gute Architektur das alltägliche Leben immer noch bereichern kann.

Vor zwei Jahrzehnten mit nur zwei Mitarbeitern gegründet, hat sich Atelier Thomas Pucher zu einem Studio mit 70 Personen entwickelt, das von Graz und Wien aus operiert. Seine Entwicklung wurde durch ambitionierte internationale Wettbewerbe geprägt, von frühen Arbeiten in Saudi-Arabien bis zu Projekten in ganz Mittel- und Osteuropa. ‘Unser Ziel war immer einfach: wenn wir eingreifen, muss das Endergebnis besser sein als zuvor,’ sagt Thomas Pucher. 

Ein Wahrzeichen in Warschau

Nichts verkörpert dieses Ethos mehr als die lang erwartete Warschauer Sinfonia Konzerthalle, ein kultureller Leuchtturm, der über ein Jahrzehnt in Entwicklung war. Den Wettbewerb zu gewinnen, brachte die Firma ‘von einem Tag auf den anderen in die internationale Liga,’ erinnert sich Thomas Pucher. Trotz Finanzierungsunterbrechungen und politischer Komplexität ist die erste Phase fast abgeschlossen, und die Hauptaula ist jetzt zur Ausschreibung bereit. Für Thomas Pucher bleibt die menschliche Dimension zentral: ‘Die Zusammenarbeit mit Weltklasse-Musikern lehrt Sie, was Weltklasse-Architektur leisten muss.’

Arch.DI Thomas Pucher, Gründer/Geschäftsführer
Arch.DI Thomas Pucher, Gründer/Geschäftsführer
Green Tower: Üppige Balkone schaffen vertikale Taschenparks und bieten den Bewohnern täglich eine Verbindung zur Natur hoch über der Stadt
Green Tower: Üppige Balkone schaffen vertikale Taschenparks und bieten den Bewohnern täglich eine Verbindung zur Natur hoch über der Stadt

Ökologische Gestaltung des städtischen Turms

Der Green Tower in Graz zeigt das ökologische Denken des Studios auf Wohngebietsebene. Balkone mit Bäumen schaffen private ‚Taschenparks‘ hoch über der Stadt, bieten Ausblicke und Mikroklimata statt monolithischer Glasfassaden. ‚Grün ist das neue Glas‘, sagt Thomas Pucher. Obwohl die Budgets knapper geworden sind, bleibt das Prinzip bestehen: Die Natur muss in das tägliche Leben eingewoben werden.

Die Stadt als Lebensraum

In Reininghaus, einem der großen städtischen Erneuerungsgebiete Österreichs, erweitert das Büro seine Philosophie auf die Nachbarschaftsebene. Hier werden Gebäude so angeordnet, dass sie offenen Raum maximieren, vorhandene Bäume wo möglich erhalten und zukünftige Bepflanzungen zu bedeutungsvollen Landschaften heranreifen lassen. ‚Alte Bäume sind alte Wesen‘, sagt Thomas Pucher. ‚Wir müssen so bauen, dass wir das bereits Lebende respektieren.‘
Die Kultur des Unternehmens spiegelt diesen durchdachten Ansatz wider. Thomas Pucher leitet die kreative Richtung, während der Co-Geschäftsführer Magnus Griesbeck das Projektmanagement und die Betriebsabläufe überwacht. Ein kontinuierliches Verbesserungsprogramm leitet die interne Entwicklung. Das Studio hat vollständig auf BIM umgestellt und experimentiert mit frühen KI-gestützten Prozessen. Doch Technologie dient einem tieferen Zweck: Klarheit. Öffentliche Auftraggeber, private Entwickler und Gemeinschaften benötigen alle transparente Kommunikation. ‚Es genügt nicht, ein gutes Gebäude zu liefern‘, sagt Thomas Pucher. ‚Man muss die Menschen auch durch die Reise führen.‘

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Manfred Brinkmann

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