Den Kreislauf bei IT schließen
Interview mit Dimitri Wams, CEO, und Daan van Nieuwenhoven, Direktor ITAD Circular IT Gruppe
Von sicherer Datenlöschung bis hin zu aufgearbeiteten Geräten, die ein zweites oder sogar drittes Leben haben: Die Circular IT Gruppe hat ein Geschäftsmodell um die Idee gebaut, dass IT-Hardware nicht zu früh zu Abfall werden sollte. CEO Dimitri Wams und ITAD Direktor Daan van Nieuwenhoven erklären, wie das Unternehmen Nachhaltigkeit, Rentabilität und internationales Wachstum kombiniert und warum das Ende des Lebenszyklus eines IT-Assets genauso viel Aufmerksamkeit verdient wie der Anfang.
European Business: Herr Wams, Herr van Nieuwenhoven, Circular IT group ist noch ein relativ junges Unternehmen. Wie ist es entstanden?
Daan van Nieuwenhoven: Die Gruppe wurde im Jahr 2022 gegründet, aber die dahinter stehenden Unternehmen waren schon seit Jahrzehnten auf dem Markt aktiv. Einige von ihnen verfügen über mehr als 25 Jahre Erfahrung. Was die Circular IT group von Anfang an besonders machte, war die Idee, alle Elemente des zirkulären IT-Lebenszyklus unter einer Marke zu vereinen.
Dimitri Wams: Waterland Private Equity hat neun Unternehmen mit einer gemeinsamen Vision zusammengebracht: eine echte zirkuläre IT-Plattform zu schaffen. Einige Unternehmen spezialisierten sich auf die Lieferung neuer IT-Hardware, andere konzentrierten sich auf die Entsorgung von IT-Vermögenswerten, Logistik oder Wiedervermarktung. Zusammen decken wir den gesamten Lebenszyklus ab. Das ist immer noch ziemlich einzigartig in Europa und wird es auch in der kommenden Zeit bleiben.
European Business: Was macht das Unternehmen genau?
Daan van Nieuwenhoven: Wir konzentrieren uns stark auf ITAD, IT Asset Disposition. Einfach ausgedrückt, übernehmen wir die Verantwortung für IT-Hardware nach ihrem ersten Lebenszyklus. Für Unternehmen sind zu diesem Zeitpunkt zwei Dinge entscheidend: sichere Datenlöschung und Nachhaltigkeit. Wir sorgen dafür, dass alle Daten auf zertifizierte Weise gelöscht und ordnungsgemäß dokumentiert werden. Gleichzeitig bereiten wir die Geräte für einen zweiten oder manchmal sogar dritten Lebenszyklus vor.
European Business: Ist die Wiederverwendung in Ihrem Geschäft wichtiger als das Recycling?
Daan van Nieuwenhoven: Genau. Recycling ist die letzte Option. Wir konzentrieren uns darauf, die Lebenszyklen von IT-Vermögenswerten zu verlängern; wir streben danach, jedem Laptop oder IT-Vermögenswert ein zweites Leben oder mehr zu geben, da jedes wiederverwendbare Gerät die Emissionen und Rohstoffe vermeidet, die zur Herstellung eines neuen Geräts erforderlich sind. Dort liegt der eigentliche Umwelteinfluss.
Dimitri Wams: Wir beschreiben uns oft als die Abdeckung des Prozesses von der „Wiege bis zur Bahre“. Wir können Unternehmen beraten, welche Geräte sie kaufen sollen, diese Vermögenswerte während ihres Lebenszyklus verwalten und dann am Ende dessen verantwortungsvoll handhaben. Der Kreis funktioniert optimal, wenn alle Stufen verbunden sind. Unser Fokus liegt auf der Wiege und den Lebenszyklen, nicht auf der Bahre; letzteres ist ein klar definierter Prozess des nachhaltigen und regelkonformen Recyclings. Daher dreht sich fünfundneunzig Prozent unseres Geschäfts um das Lebenszyklusmanagement für neue und aufbereitete Hardware. ITAD ist ein wesentlicher Bestandteil innerhalb dieser fünfundneunzig Prozent.
European Business: Wer sind Ihre Kunden?
Dimitri Wams: Hauptsächlich große Unternehmen, Cloud-Betreiber, Krankenhäuser und öffentliche Organisationen. Diese Unternehmen verwalten Tausende von Geräten, und letztendlich erreichen alle das Lebensende. Viele Organisationen bemühen sich sehr um den Kauf von IT-Ausrüstung, aber viel weniger Aufmerksamkeit wird dem gewidmet, was vier oder fünf Jahre später passiert. Wir betrachten das als einen Fehler.
Daan van Nieuwenhoven: Das Management des Lebensendes sollte genauso professionell behandelt werden wie die Beschaffung. In diesen Vermögenswerten steckt noch Wert, es gibt wichtige Nachhaltigkeitsaspekte und natürlich die Sicherheitsseite. Unternehmen müssen sicher sein, dass ihre Daten wirklich gelöscht sind. Datenlöschung, die den Compliance-Standards entspricht, ist ein Muss, das Risiko von Datenverletzungen ist am Ende des Lebenszyklus am größten, da das Gerät dann 3, 4 oder sogar 5 Jahre Benutzerdaten aufweist, wenn man von Laptops spricht. Bei IT-Infrastrukturgeräten kann es sogar länger sein.
European Business: Die Circular IT-Gruppe ist in ganz Europa aktiv. Wie international ist das Geschäft heute?
Daan van Nieuwenhoven: Etwa 70% unseres Volumens werden außerhalb der Niederlande generiert. Wir haben Betriebszentren und Büros in den Niederlanden, Belgien, dem Vereinigten Königreich und Dänemark, und wir sind in großen Teilen Europas tätig. Wir expandieren derzeit weiter im Vereinigten Königreich und erweitern auch unser deutsches Team. Innerhalb der EU und des Vereinigten Königreichs arbeiten wir mit unserer eigenen Organisation, für unsere globalen Dienste arbeiten wir mit einem zertifizierten und geprüften Partnernetzwerk.
Dimitri Wams: Deutschland ist ein spannender Markt für uns. Wir sehen dort enormes Potenzial, da Nachhaltigkeit und Compliance für Unternehmen und den öffentlichen Sektor immer wichtigere Themen werden.
European Business: Wie positionieren Sie die Marke Circular IT group auf dem Markt?
Dimitri Wams: Das war eine große Herausforderung. Wir haben fünfzehn verschiedene Marken zu einer neuen Identität verschmolzen. Anerkennung aufzubauen braucht Zeit. Heute wird die Circular IT group jedoch als anerkannte europäische Marke wahrgenommen. Wir investieren stark in digitales Marketing, LinkedIn-Kampagnen, Radio-Werbung, Veranstaltungen und Außenkampagnen. Wir möchten, dass die Kunden verstehen, dass zirkuläre IT kein Nischenthema mehr ist, sondern zu einer gängigen Geschäftspraxis wird, die die heutigen Geschäftsanforderungen erfüllt: immer nachhaltig, sicher, kontrolliert, konform und kosteneffizient zu sein.
European Business: Nachhaltigkeit ist offenbar zentral für Ihr Geschäftsmodell. Wie definieren Sie Ihre Mission?
Dimitri Wams: Wir bezeichnen uns als „emissionsgetriebene Pragmatiker.“ Wir sind missionsgetrieben, aber auch sehr pragmatisch. Wir möchten ein erfolgreiches und profitables Unternehmen aufbauen. Die beiden Aspekte gehören zusammen. Jedes Gerät, dessen Lebensdauer wir verlängern, schafft vermiedene Emissionen, die deutlich höher sind als die Emissionen, die wir selbst erzeugen. Das motiviert uns.
European Business: Welche Rolle spielt die Unternehmenskultur in einer so schnell wachsenden Organisation?
Dimitri Wams: Eine besonders wichtige. Wir beschäftigen mittlerweile etwa 330 Spezialisten aus verschiedenen Unternehmen und Hintergründen. Wir bauen eine Kultur, eine Strategie und einen gemeinsamen Wertekanon auf. Natürlich sind Systeme und Prozesse wichtig, aber Kultur ist genauso wichtig.
Daan van Nieuwenhoven: Die Menschen mögen wirklich die Mission hinter dem Unternehmen. Es gibt ein starkes Gefühl, dass unsere Arbeit über das Geschäftliche hinaus Auswirkungen hat. Wir alle sind stolz auf das, was wir tun.
European Business: Welche Art von Auswirkungen meinen Sie?
Daan van Nieuwenhoven: Ein wichtiges Thema für uns ist die digitale Inklusion. Aufgearbeitete Geräte können helfen, die digitale Kluft zu schließen. Wir arbeiten mit Organisationen zusammen, die IT-Ausrüstung an Menschen bereitstellen, die sich diese sonst nicht leisten könnten. Für viele Unternehmen ist das „S“ in ESG schwer anzusprechen. Auch dort können wir helfen. Das macht die Arbeit auf einer sehr menschlichen Ebene sinnvoll.