Verlängerung des Lebenszyklus der Mode
Interview mit Krisztián Lakatos, Geschäftsführer der Háda-1 Kereskedelmi és Szolgáltató Kft.
In ganz Europa gewinnt die Second-Hand-Mode neuen Schwung, da die Verbraucher nach nachhaltigeren und erschwinglicheren Möglichkeiten suchen, Kleidung zu kaufen. Durch die Verlängerung des Lebenszyklus der Kleidungsstücke unter Beibehaltung des Wertes hat sich der Sektor weit über seinen früheren Nischenstatus hinausbewegt. Ein Schlüsselakteur auf diesem Markt in Ungarn ist Háda-1 Kereskedelmi és Szolgáltató Kft. in Kisvárda.
Veränderungen in den Verbraucherhaltungen, wirtschaftliche Überlegungen und ein wachsendes Bewusstsein für Nachhaltigkeit erhöhen die Relevanz des Marktes für Second-Hand-Kleidung. In diesem Sektor ist Háda-1 Kereskedelmi és Szolgáltató Kft. zum größten Second-Hand-Einzelhandelsnetzwerk Ungarns herangewachsen. Gegründet als Familieninitiative Mitte der 1990er Jahre, hat sich das Unternehmen parallel zum aufkommenden Markt für gebrauchte Kleidung expandiert. Der Geschäftsführer Krisztián Lakatos, der 1995 in das Geschäft eintrat, war von Beginn an Teil dieser Entwicklung. Heute umfasst das Einzelhandelsnetzwerk etwa 95 Geschäfte und beschäftigt nahezu 1.000 Menschen innerhalb der Gruppe.
Geschäftsmodell
Háda importiert vorsortierte Kleidung hauptsächlich aus Großbritannien und der Schweiz, wo das Angebot an gebrauchten Kleidungsstücken weit größer ist als in Mitteleuropa. Nur etwa 25% der Artikel sind für den Weiterverkauf in Ungarn geeignet und werden von den Sortierteams des Unternehmens ausgewählt. Diese werden über drei Einzelhandelskonzepte verkauft: hochwertige Stücke einzeln, klassische Second-Hand-Kleidung nach Gewicht verkauft und ein Niedrigpreisformat, das sich an besonders preissensible Kunden richtet. Um die Aktivitäten entlang der Wertschöpfungskette zu erweitern, investiert Háda in Sortier- und Verarbeitungskapazitäten und baut internationale Partnerschaften auf, um die Versorgung zu sichern und die Qualität zu erhalten. „In unseren besten Geschäften konkurrieren wir nicht mehr mit anderen Second-Hand-Läden“, erklärt der Geschäftsführer. „Wir konkurrieren mit Fast-Fashion-Einzelhändlern. Wir sind abhängig davon, was die Menschen kaufen und später entsorgen. Mit der Ausbreitung von Fast Fashion verändern sich die Zusammensetzung und Qualität der Kleidung, die auf den Second-Hand-Markt kommt.“
Nachhaltigkeitsdebatte
Für Krisztián Lakatos wirft dieser Wandel breitere Fragen auf. Extrem billige Kleidungsimporte und immer schnellere Modezyklen setzen das gesamte textile Ökosystem unter Druck. Kleidungsstücke, die für eine kurze Lebensdauer hergestellt werden, verwandeln sich schnell in Abfall, während ihre Produktion erhebliche Ressourcen verbraucht. „Es muss eine Mindestqualität und ein realistisches Preisniveau für neue Kleidung geben“, argumentiert er. Andernfalls werden die Verarbeitung und Wiederverwendung gebrauchter Textilien zunehmend schwierig zu finanzieren. Aus seiner Sicht müssen politische Entscheidungsträger beide Seiten des Problems angehen: den Import von ultrabilliger Kleidung eindämmen und gleichzeitig das Recycling und die Wiederverwendung unterstützen. Ohne strukturelle Lösungen könnten Millionen Tonnen Textilien zu einer wachsenden ökologischen Herausforderung werden.
Einzelhandelsumstellung
Um auf sich ändernde Einzelhandelsmuster zu reagieren, passt Háda sein Filialnetz an. Neue Geschäfte werden in Einzelhandelsparks eröffnet, wo die Betriebskosten niedriger sind und der Kundenverkehr sich verlagert hat. Mit Blick auf die Zukunft plant das Unternehmen, sein Netzwerk weiter zu optimieren, ausgewählte Standorte zu modernisieren und sein Online-Geschäft auszubauen. Der Webshop konzentriert sich derzeit auf Ungarn, wird jedoch in Rumänien getestet, wobei zusätzliche europäische Märkte eine längerfristige Option bleiben.