Neu aufgestellt in die Zukunft

Interview mit Dr. Werner Boysen, Geschäftsführer und Udo Meining, Key Account Manager der Carl Stahl GmbH & Co. KG

Carl Stahl Gmbh & Co. KG, Udo Meining, Werner Boysen
Udo Meining, Key Account Manager, und Geschäftsführer Dr. Werner Boysen

Gegründet 1910, blickt Carl Stahl als Gurt- und Bandweberei auf eine lange Firmengeschichte zurück. Über Jahrzehnte arbeitete das Unternehmen hauptsächlich als Hersteller von Sicherheitsgurten für die Automotive-Zuliefererindustrie. Um sich für die Zukunft breiter aufzustellen, leiten Geschäftsführer Dr. Werner Boysen und Key Account Manager Udo Meining derzeit eine Neuausrichting des Unternehmens ein, von der sie im Gespräch mit Wirtschaftsforum berichten.

Der studierte Maschinenbauingenieur und promovierte Betriebswirtschaftler Dr. Werner Boysen, Unternehmensberater mit Fokus auf Restrukturierung und langfristiger Stabilisierung von Unternehmen, fungiert seit Anfang 2024 als Interimsgeschäftsführer der Carl Stahl GmbH & Co. KG. „Bis letztes Jahr stellte Carl Stahl zu 90% Sicherheitsgurte für Tier-1-Zulieferer der Automobilindustrie her. Von dieser fast ausschließlichen Fokussierung auf Automotive wollten wir weg“, erzählt er. „Deshalb habe ich im Januar dieses Jahres Udo Meining ins Unternehmen geholt, der sich in der Textilbranche sehr gut auskennt. Mit ihm und einer weiteren Mitarbeiterin haben wir begonnen, einen Stamm Non-Automotive-Produkte aufzubauen.“ Bevor er zu Carl Stahl kam, war Udo Meining Geschäftsführer und Marketingverantwortlicher bei einem Hersteller technischer Textilien und davor Vice President eines US-Textilunternehmens. „Mit Carl Stahl werden wir neue Wege beschreiten“, ist er sicher. „Wir möchten zunehmend auch B2C-Produkte entwickeln und haben dazu bereits mehrere Projekte mit der Textiluniversität Albstadt gestartet, zum Beispiel die Herstellung von Taschen und Handtaschen aus Material, das wir aus dem Recycling unserer Produktionsabfälle gewinnen. Ein weiteres Projekt ist ein Hängesystem für Balkongeländer und -kästen, das zur Begrünung von Städten beitragen soll. Weitere Projekte sind in der Pipeline.“ Eine große Stärke von Carl Stahl sieht der Vertriebsfachmann in den Menschen, die für das Unternehmen arbeiten: „Hier sind so viele professionelle, innovativ denkende Mitarbeiter tätig“, sagt Udo Meining und Werner Boysen ergänzt: „Sehr viele gute Ideen kommen aus der Belegschaft. Das ist eine weitere Stärke von Carl Stahl, zu der noch die unschlagbare Qualität unserer Produkte, unsere Lieferzuverlässigkeit und ausgezeichnete Zusammenarbeit mit den Kunden hinzukommen.“ 

Im Gespräch mit den Kunden

Mittelfristig wird es wichtig sein, den Output zu steigern und die Produktion durch Digitalisierung und Automatisierung effektiver zu gestalten, weiß Udo Meining. Notwendig sei auch, wieder mehr Präsenz auf Messen zu zeigen. So ist Carl Stahl auf der R+T in Stuttgart und der TechTextil in Frankfurt mit einem Stand vor Ort gewesen und mit den Kunden ins Gespräch gekommen. „Wir streben einen guten Kundenmix an“, so Werner Boysen. „Ideal wären zukünftig 50% Automotive und 50% Non-Automotive, mit Branchen wie dem Maschinenbau, wo Bänder herkömmliche Ketten ersetzen können. Weitere Produkte sind komplette Gurtsysteme im Bereich Warenabsicherung und Transport, etwa bei Lastenfahrrädern, Sicherheitsgurtsysteme für Achterbahnen, Gurtsysteme für Notfalleinsätze, Befestigungen für Airbags und Rolladengurte – hier decken wir bereits 40% des Bedarfs in Deutschland ab.“ Für die Zukunft möchten Werner Boysen und Udo Meining sowohl Weiterentwicklung und Modernisierung als auch profitables Wachstum erreichen. „Es gibt immer Möglichkeiten, ein Unternehmen erfolgreich zu transformieren“, schließt Werner Boysen.

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