Klarer Kurs und Transformation in der Sportmode

Interview mit Marco Hoffmeyer, Geschäftsführer der Scoretex GmbH

Scoretex GmbH Kollektion
Aktive Sportmode, die Bewegung inspiriert – JOY zeigt in der Frühjahr/Sommer-Kollektion 2026, wie funktionale Details und Leichtigkeit eine moderne Performance-Silhouette formen

Die Sport- und Freizeitbranche steht unter hohem Veränderungsdruck – von globalen Lieferketten bis zu wachsenden Onlinemärkten. Die Scoretex GmbH, die fünf Marken unter dem Plattformansatz Home of Brands bündelt, reagiert mit einer tiefgreifenden Neuausrichtung. Seit März führt Geschäftsführer Marco Hoffmeyer diesen Umbau. Im Gespräch erklärt er, wie Scoretex Strukturen modernisiert, warum die Melchers Gruppe dabei entscheidend ist und welche Chancen internationale Märkte eröffnen.

Wirtschaftsforum: Herr Hoffmeyer­, wie blicken Sie auf Scoretex seit Ihrem Start im März?

Marco Hoffmeyer: Scoretex mit Sitz in Ottensoos bei Nürnberg wurde durch die Melchers Gruppe aus zwei Unternehmen – Joy und Venice Beach – zu einer gemeinsamen Plattform unter dem Namen Home of Brands verschmolzen. Die Marken sind stark, der Markt glaubt an unsere Produkte, doch die Strukturen konnten dieses Potenzial wirtschaftlich nicht heben: Dass die Umsätze stiegen, die Profitabilität aber zurückging, zeigte deutlich, dass die internen Strukturen dem Markterfolg nicht folgten. Genau hier setzte meine Neuausrichtung des Unternehmens an.

Wirtschaftsforum: Welche Hebel waren für die Neuausrichtung entscheidend?

Scoretex GmbH Marco Hoffmeyer
Marco Hoffmeyer, Geschäftsführer der Scoretex GmbH

Marco Hoffmeyer: Wir mussten die Wertschöpfungskette neu ordnen, Rollen klar trennen und Verantwortlichkeiten schärfen. Einzelne Bereiche liefen gut, aber nicht im Zusammenspiel. Gleichzeitig wollten wir Strukturkosten vermeiden und Leistungen dorthin geben, wo sie spezialisierter und effizienter erbracht werden. Die Melchers Gruppe bietet uns dafür die nötige finanzielle Stabilität und kurze Entscheidungswege.

Wirtschaftsforum: Die Supply Chain war ein Schwerpunkt. Wie haben Sie sie umgebaut?

Marco Hoffmeyer: Über 60% der Lieferungen kamen verspätet an – mit Penalties, Abschriften und unzufriedenen Händlern. Mit SupplyX, der früheren Otto Group Logistics, haben wir garantierte Lieferzeiten und langfristig fixe Frachtraten etabliert und sparen rund 30% Kosten. Der eigentliche Quantensprung ist aber die KI-gestützte Plattform, die jeden Schritt der Lieferkette in Echtzeit transparent macht. Das hat unsere gesamte Logistik auf ein neues Niveau gehoben.

Wirtschaftsforum: Was wurde organisatorisch verändert?

Marco Hoffmeyer: Einkauf und Produktentwicklung wurden erstmals getrennt – vorher lag beides in einer Hand. Gleichzeitig haben wir operative Einkaufsprozesse ausgelagert. Heute steuern nur wenige Einkäufer das gesamte Volumen, ohne neue Fixkosten aufzubauen. Das erhöht die Geschwindigkeit und schafft eine klare Trennung zwischen kreativen und wirtschaftlichen Entscheidungen.

Wirtschaftsforum: Wie haben Sie das Team durch die Veränderung geführt?

Marco Hoffmeyer: Wir sind 57 Mitarbeitende, die ein zu hohes Maß an Komplexität bewegen. Zu Beginn habe ich alle gefragt, wo sie die Pain Points sehen – viele Lösungen kamen aus dem Team selbst. Wir arbeiten weniger hierarchisch, stärker rollenbasiert, und das schafft Akzeptanz und Motivation. Die Veränderungsbereitschaft war von Anfang an da, was den Umbau enorm erleichtert hat.

Wirtschaftsforum: Was hat sich im Vertrieb geändert?

Marco Hoffmeyer: Wir haben unsere Konditionenlogik auf strategische Weiterentwicklung ausgerichtet: Sichtbarkeit, Flächenpräsenz und partnerschaftliches Wachstum stehen im Mittelpunkt. Parallel haben wir unser Onlinemarketing modularisiert – statt fester Vergütungen ohne Zielbezug beauftragen wir modularisiert nur die Leistungen, die wir tatsächlich benötigen. Das hält uns flexibel und verhindert Kosten, die in einem volatilen Markt schnell ins Leere laufen.

Scoretex GmbH Eigenmarken

Wirtschaftsforum: Wie ist Scoretex heute mit seinen Marken aufgestellt?

Marco Hoffmeyer: Joy, Venice Beach, Hot und Canyon decken funktionale und dekorative Sportsegmente über mehrere Altersgruppen ab. Venice Beach ist zudem eine deutsche Heritage-Marke mit spürbarem Auslandspotenzial. Ergänzt wird das Portfolio durch die Stryve GmbH mit Fitnessprodukten. Wir bewegen uns damit bewusst in einem Marktsegment, in dem es vergleichsweise weniger Wettbewerb gibt – das erklärt auch unsere stabile Nachfrage und unser Wachstum. Die zugrunde liegende Plattform ‘Home of Brands’ ermöglicht uns, alle Marken effizient zu führen.

Wirtschaftsforum: Wie entwickelt sich Scoretex – und wohin führt der Weg?

Marco Hoffmeyer: Trotz eines rückläufigen Marktumfelds halten wir unsere zweistelligen Wachstumsraten. Heute liegt unser Schwerpunkt klar in Deutschland, ergänzt durch Österreich, die Schweiz und Belgien. Parallel wollen wir international stärker werden. Gleichzeitig müssen wir den Onlinebereich deutlich professioneller aufbauen, hier liegt großes Potenzial. Langfristig streben wir eine marktübliche operative Gewinnmarge an.

Wirtschaftsforum: Was treibt Sie persönlich an?

Marco Hoffmeyer: Mich reizt es, Potenziale sichtbar zu machen und Unternehmen strukturell neu auszurichten. Das begleitet mich seit meinem ersten Restrukturierungsprojekt. Scoretex bietet dafür perfekte Voraussetzungen: starke Marken, ein motiviertes Team und die Chance, auf einer soliden Basis ein profitables, international relevantes Unternehmen zu formen.

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