Neue Dosierungsformen treiben die Innovation bei medizinischem Cannabis voran

Interview mit Dr. Bernhard Babel, Geschäftsführer

F&E-Teams bei Avextra fördern Cannabinoid-Therapien, indem sie klinische Studien mit datengesteuerter Innovation kombinieren, um sichere, standardisierte Medikamente für Patienten zu schaffen
F&E-Teams bei Avextra fördern Cannabinoid-Therapien, indem sie klinische Studien mit datengesteuerter Innovation kombinieren, um sichere, standardisierte Medikamente für Patienten zu schaffen

Medizinisches Cannabis verändert zunehmend die moderne Therapie und bietet neue Optionen für Patienten mit chronischen Schmerzen, Krebs und anderen schweren Zuständen, bei denen herkömmliche Behandlungen nicht ausreichen. Während die Gesundheitssysteme eine evidenzbasierte Integration von Cannabinoidtherapien anstreben, wird die Innovation in Dosierung und Verabreichung immer wichtiger. Unternehmen wie Avextra Pharma GmbH treiben diesen Fortschritt voran, zuletzt mit der Entwicklung patientenfreundlicher Dosierungsformen – einschließlich Kapseln und Granulaten – die die Präzision, Benutzerfreundlichkeit und Akzeptanz erheblich verbessern und einen großen Schritt nach vorne in diesem sich entwickelnden Bereich markieren.

Der Weg zur medizinischen Verwendung von Cannabis als wirksame Behandlung wurde sowohl durch regulatorische Veränderungen als auch durch den Bedarf der Patienten geprägt. Wie Direktor Dr. Bernhard Babel erklärt, „hat Deutschland den regulatorischen Status geändert, sodass Ärzte cannabisbasierte Medikamente (CbM) als letzte Therapieoption verschreiben können, wenn andere Behandlungen nicht mehr wirken.” Diese Änderung hat den Zugang für Patienten als Therapieoption geöffnet, wenn andere Behandlungen nicht die gewünschten Ergebnisse liefern. „Es gibt Millionen von Menschen, denen die herkömmlichen Optionen ausgegangen sind,” sagt er und beschreibt Personen, die mit chronischen Schmerzen oder fortgeschrittenen Krankheiten zu kämpfen haben. 

Jenseits der traditionellen Schmerztherapie

Im Kern der Cannabinoidtherapie steht ihre Mehrsymptomwirkung. Anders als herkömmliche Medikamente, die oft eine einzige Bedingung ansprechen, kann CbM gleichzeitig mehrere Aspekte des Leidens der Patienten ansprechen. 

Dr. Bernhard Babel, Geschäftsführer
Dr. Bernhard Babel, Geschäftsführer

„Für bestimmte Indikationen ist es eine fantastische Geschichte,“ sagt Bernhard Babel. „Es geht nicht nur um Schmerzlinderung, sondern adressiert auch Symptome, die Schlaf, Appetit und Angst betreffen – die Patienten fühlen sich einfach besser.“ Dieser ganzheitliche Ansatz kann die Abhängigkeit von hochdosierten pharmazeutischen Produkten verringern und potenziell die Lebensqualität insgesamt verbessern.

Aufbau von Nachweisen in der Pharmazie

Trotz vielversprechender Ergebnisse hängt die weit verbreitete Annahme von der klinischen Validierung ab. „Das Gesundheitssystem benötigt Nachweise, was in der Praxis bedeutet, Daten aus der Phase-III-Studie zu haben“, erklärt Bernhard Babel. Avextra hat seine Arbeit um diese Anforderung herum strukturiert. „Wir haben früh damit begonnen, uns auf Innovation und klinische Studien zu konzentrieren, denn in der Pharmazie dauert alles seine Zeit“, sagt er. Das Unternehmen kombiniert Echtdaten von Patienten, die es bereits jeden Monat in Deutschland mit etwa 20.000 Patienten behandelt, mit formalen klinischen Studien. „Wir sammeln eine enorme Menge an Informationen über Sicherheit, Dosierung und Indikationen“, bemerkt er und beschreibt einen datengesteuerten Ansatz, der das Studiendesign stärkt. Umdenken bei der Medikamentenabgabe. Ein großes Hindernis für eine breitere Akzeptanz war die Verabreichungsmethode. Traditioneller Cannabisgebrauch mangelt es an Konsistenz und Kontrolle, aber pharmazeutische Formate ändern diese Dynamik.

Avextra ist bereit, die Produktion hochzufahren, wenn neue Dosierungsformen genehmigt werden
Avextra ist bereit, die Produktion hochzufahren, wenn neue Dosierungsformen genehmigt werden

„Der Unterschied im Vergleich zur Inhalation ist eine viel kontrolliertere Wirkung,“ sagt Bernhard Babel. Avextra hat massiv in standardisierte Formulierungen investiert. „Wir haben Tropfen und Kapseln, die wie ein normales Medikament eingenommen werden,“ erklärt er. Diese Innovation ist entscheidend für die Patientencompliance. „Eine Kapsel riecht nicht und hat keinen Geschmack; sie kann wie jedes andere Medikament eingenommen werden – einfach und problemlos,“ fügt er hinzu. Die Entwicklung solcher Formate erfordert jedoch anhaltende Anstrengungen: „Bisher hat es vier Jahre gedauert,“ sagt er und reflektiert über den Zeitplan für neue Dosierungslösungen.

Ein zweigleisiges Geschäftsmodell

Avextra arbeitet auf zwei parallelen Gleisen. Im aktuellen regulierten Markt versorgt es Patienten mit ungedeckten Bedürfnissen mit pharmazeutischen Cannabisprodukten. Gleichzeitig investiert es massiv in zukünftige Arzneimittelzulassungen. „Das aktuelle Geschäft deckt unsere laufenden Kosten. Alles, was wir in klinische Studien investieren, kommt oben drauf,“ erklärt Bernhard Babel. Das langfristige Ziel ist klar: „Wir möchten ein vollständig zugelassenes Medikament einer viel breiteren Patientenpopulation anbieten,“ sagt er. 

Zusammenarbeit in einem Wachstumsmarkt

Der Sektor wächst schnell, mit vielen Akteuren, die in das Feld eintreten. Dennoch bleibt die Zusammenarbeit wesentlich. „Es gibt wahrscheinlich 100 Unternehmen, die in diesem Bereich in Deutschland und vielleicht 200 in ganz Europa arbeiten,“ sagt Bernhard Babel. Trotz Konkurrenz sind Partnerschaften üblich. „Wir haben einen sehr kooperativen Ansatz und arbeiten derzeit eng mit fünf oder sechs Partnern zusammen,“ stellt er fest, was auf eine ausgereifte Branchenlandschaft hinweist. Jenseits von Cannabinoiden blickt Avextra bereits auf andere pflanzenbasierte Therapeutika. „Es gibt sehr wirkungsvolle natürliche Substanzen, die früher verboten waren, aber ein riesiges Potential in medizinischen Anwendungen haben,“ sagt Bernhard Babel. Das Unternehmen erforscht neue Bereiche wie neuartige Moleküle für die psychische Gesundheit, was einen breiteren Trend zurück zu naturbasierten Pharmazeutika unter strengen klinischen und regulatorischen Rahmenbedingungen widerspiegelt.

Neben Cannabis-basierten Arzneimitteln blickt Avextra bereits auf andere pflanzliche Therapeutika
Neben Cannabis-basierten Arzneimitteln blickt Avextra bereits auf andere pflanzliche Therapeutika
Partneranlage in Bensheim
Partneranlage in Bensheim

Technologie als Ermöglicher

Digitalisierung und künstliche Intelligenz unterstützen zunehmend die pharmazeutische Innovation. „Wir verwenden KI, um interne Prozesse wie die Dokumentenerstellung, Datenanalyse und den Kundenservice zu verbessern,“ sagt Bernhard Babel. Er betont jedoch, dass Technologie ein Werkzeug bleibt, kein Ersatz für menschliche Expertise: „Man benötigt immer noch das Urteilsvermögen von Menschen, um sicherzustellen, dass die Ergebnisse sinnvoll sind.“ 

Eine patientenzentrierte Zukunft

Letztendlich liegt das Versprechen von medizinischem Cannabis in seiner Auswirkung auf die Patienten. Für diejenigen, die herkömmliche Therapien ausgeschöpft haben, stellt es eine bedeutende Alternative dar. „Wenn man die Verbesserung in der Lebensqualität der Patienten sieht, ist das etwas Außergewöhnliches,“ sagt Bernhard Babel. Da die klinischen Beweise zunehmen und die pharmazeutische Innovation voranschreitet, sind cannabinoide-basierte Behandlungen dabei, ein integrierterer Bestandteil der konventionellen Medizin zu werden – sowohl die Art der Therapielieferung als auch die Erfahrung der Pflege verändernd.

Eine hochmoderne Produktionslinie gewährleistet hohe Qualität
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