Bauen für Menschen
Interview mit Arno van den Thillart, Direktor für Immobilienentwicklung und Rutger Veldhoen, Geschäftsführer
Bauen bedeutet, die Umgebungen zu gestalten, in denen Menschen leben, arbeiten und interagieren. Deshalb geht erfolgreiche Planung und Bau weit über das eigentliche Bauwerk hinaus – es geht um die Menschen, die es letztendlich nutzen werden. Diese Philosophie hat Dura Vermeer Bouw en Vastgoed Den Bosch B.V. in s’Hertogenbosch seit mehr als 170 Jahren geprägt. Rutger Veldhoen und Arno van den Thillart erklären, wie das familiengeführte Unternehmen nachhaltige Stadtentwicklung, moderne Infrastruktur und innovative Baulösungen kombiniert, um dauerhaften Wert für Menschen, Gemeinschaften und die Gesellschaft zu schaffen.
European Business: Herr Veldhoen, im Laufe seiner langen Geschichte hat Dura Vermeer viele richtungsweisende Projekte realisiert – von der Wiedererrichtung Rotterdams und der Entwicklung der Lijnbaan bis hin zu modernen Infrastruktur- und Stadtentwicklungsprojekten. Wenn Sie diese breite Palette von Projekten betrachten, gibt es ein leitendes Prinzip?
Rutger Veldhoen: Im Kern geht es bei diesen Projekten um Menschen. Gebäude, Straßen und Viertel werden nicht um ihrer selbst willen erschaffen, sondern für die Menschen, die sie letztendlich nutzen werden. Diese Philosophie hat Dura Vermeer seit mehr als 170 Jahren geleitet. Ob wir ein Wohnviertel entwickeln, Infrastruktur bauen oder ein komplexes Bauvorhaben durchführen, wir fragen uns immer, wie es das Leben der Menschen verbessern wird. Letztendlich wird der Erfolg daran gemessen, welchen Wert ein Projekt für die Gemeinschaft bringt.
European Business: Dura Vermeer blickt auf mehr als 170 Jahre Firmengeschichte zurück und ist bis heute im Besitz der Familie Dura.
Rutger Veldhoen: Unsere Geschichte reicht tatsächlich bis ins Jahr 1855 zurück. Eine der prägendsten Zeiten war der Wiederaufbau Rotterdams nach dem Zweiten Weltkrieg. Projekte wie die Lijnbaan und später die Entwicklung des Kreuzfahrtterminals haben unser Unternehmen geformt. Die langfristige Perspektive, die aus dieser Geschichte erwachsen ist, prägt uns noch heute. Wir müssen nicht in Quartalen denken; wir können Entscheidungen treffen, die auch in 10 oder 20 Jahren noch Sinn machen werden. Diese Denkweise beeinflusst nicht nur unsere Strategie, sondern auch unsere Unternehmenskultur. Unsere Hierarchien sind relativ flach, Verantwortung wird früh delegiert und der Mensch steht im Mittelpunkt – sowohl innerhalb des Unternehmens als auch in den Projekten, die wir liefern.
European Business: Herr van den Thillart, Ihr Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung neuer Wohn- und Stadtviertel. Haben sich die Erwartungen an solche Projekte in den letzten Jahren verändert?
Arno van den Thillart: Die Herausforderungen sind erheblich komplexer geworden. Früher lag der Fokus oft auf dem einzelnen Gebäude. Heute entwickeln wir komplette Lebensumfelder. Die Menschen erwarten viel mehr als nur Wohnraum. Sie erwarten attraktive öffentliche Räume, gute Mobilitätskonzepte, Zugang zu Grünflächen und ein Gemeinschaftsgefühl. Stadtentwicklung erfordert, dass wir soziale, umwelttechnische und wirtschaftliche Überlegungen bereits in den frühesten Planungsphasen abwägen. Themen wie Nachhaltigkeit, Klimaanpassung, Biodiversität und soziale Inklusion werden von Anfang an in den Planungsprozess integriert. Während die Niederlande vor großen Herausforderungen auf dem Wohnungsmarkt stehen, geht es nicht mehr nur darum, die Anzahl der gebauten Wohnungen zu maximieren, sondern attraktive und lebenswerte Viertel zu schaffen. Dies erfordert eine enge Zusammenarbeit mit Kommunen, Investoren und vielen anderen Partnern.
European Business: Dura Vermeer bezieht sich oft auf das ‚Richtige tun‘. Was bedeutet das in der Praxis?
Rutger Veldhoen: Für uns bedeutet das, Verantwortung zu übernehmen. Wir möchten Projekte realisieren, die eine positive Wirkung auf ihre Umgebung haben. Deshalb fragen wir uns bei jedem Projekt, welchen Beitrag es zur Gesellschaft leistet. Das kann neuer Wohnraum, verbesserte Infrastruktur oder eine Entwicklung sein, die die Lebensqualität einer Region erhöht. Der kommerzielle Erfolg ist wichtig, aber er sollte nie losgelöst von der Wirkung betrachtet werden.
Arno van den Thillart: Diese Philosophie prägt auch unseren Ansatz zur Stadtentwicklung. Großartige Stadtviertel entstehen nicht allein durch Architektur. Sie benötigen Orte, an denen sich Menschen treffen, sicher fühlen und eine hohe Lebensqualität genießen können. Daher betrachten wir Nachhaltigkeit ganzheitlich. Es geht um die Reduzierung der CO2-Emissionen, aber auch um Gesundheit, soziale Qualität und langfristige Nutzbarkeit. Letztendlich sollten die Menschen Freude daran haben, in den von uns geschaffenen Umgebungen zu leben und zu arbeiten.
European Business: Nachhaltigkeit ist eines der bestimmenden Themen in der Baubranche.
Rutger Veldhoen: Wir investieren seit vielen Jahren konsequent in nachhaltige Lösungen. Ein Beispiel ist unsere Urban Miner-Anlage in Rotterdam. Diese Technologie ermöglicht es uns, Beton so zu verarbeiten, dass wertvolle Komponenten wiederverwendet werden können. Es war eine Investition in Millionenhöhe, aber sie zeigt, dass Nachhaltigkeit nicht nur ein Thema ist, über das wir reden – es ist etwas, das wir aktiv umsetzen. Das gilt auch für die Entwicklung nachhaltigerer Baumaterialien und die Reduzierung der CO2-Emissionen bei unseren Projekten.
Arno van den Thillart: Der Holzbau gewinnt auch zunehmend an Bedeutung. Darüber hinaus achten wir genau darauf, wie Gebäude und Stadtviertel ihren gesamten Lebenszyklus überstehen. Nachhaltigkeit reicht weit über die Fertigstellung eines Projekts hinaus. Die Schlüsselfrage ist, welchen langfristigen Wert sie sowohl für die Menschen als auch für die Umwelt schafft.
European Business: Digitalisierung und künstliche Intelligenz verändern viele Branchen. Welche Rolle spielen diese Technologien bei Dura Vermeer?
Rutger Veldhoen: Eine sehr bedeutende. BIM-Prozesse sind mittlerweile ein fester Bestandteil unserer täglichen Arbeit. Sie ermöglichen eine wesentlich effizientere Planung und Ausführung von Projekten und verbessern die Zusammenarbeit aller Beteiligten. Zudem setzen wir digitale Werkzeuge für Qualitätssicherung, Dokumentation und Prozessoptimierung ein. Dies hilft uns, zunehmend komplexe Projekte effektiver zu managen.
Arno van den Thillart: Gleichzeitig helfen uns Digitalisierung und KI, den Fachkräftemangel anzugehen. Die Branche muss immer komplexere Projekte mit begrenzten menschlichen Ressourcen durchführen. Intelligente Technologien vereinfachen Prozesse und reduzieren Arbeitsaufwände, damit sich unsere Mitarbeiter auf Bereiche konzentrieren können, in denen Erfahrung, Kreativität und persönliche Zusammenarbeit weiterhin wesentlich sind.
European Business: Wie sehen Sie die Zukunft für Dura Vermeer in den kommenden Jahren?
Rutger Veldhoen: Wir möchten weiterhin eines der führenden Bau- und Infrastrukturunternehmen in den Niederlanden bleiben. Wachstum ist wichtig, aber nicht um jeden Preis. Das Wichtigste ist, unsere Werte zu bewahren und langfristigen Erfolg zu sichern. Gleichzeitig sehen wir enorme Chancen. Die Nachfrage nach Wohnraum, nachhaltiger Infrastruktur und zukunftsfähigen Stadtvierteln wird weiter steigen. Deshalb investieren wir in Innovation, langfristige Partnerschaften und strategische Investitionen – auch in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten. Unser Ziel bleibt es, Projekte zu realisieren, die einen greifbaren Wert für Menschen, Regionen und die Gesellschaft als Ganzes schaffen.