Concierge-Betreuung: Eine neue Ebene für Europas Gesundheitssysteme

Interview mit Oldřich Šubrt, Vorsitzender

Oldřich Šubrt, Vorsitzender
Oldřich Šubrt, Vorsitzender

In ganz Europa stoßen öffentliche Gesundheitssysteme an ihre Grenzen, da die Nachfrage steigt und die Ressourcen weiterhin angespannt sind. Da Patienten schnelleren Zugang, mehr Zeit mit Ärzten und eine bessere Koordination erwarten – und eine wachsende Bereitschaft zeigen, in ihre eigene Gesundheit zu investieren –, gewinnen neue Hybridpflegemodelle an Zugkraft. Program H plus, a.s., ein tschechischer Gesundheitsdienstleister, steht an der Spitze dieser Verschiebung mit seinem Concierge-Medizinansatz. Vorsitzender MUDr. Oldřich Šubrt, CSc., MBA, erklärt, wie die Kombination von Daten, Prävention und personalisierter Betreuung das Gesundheitswesen für eine anspruchsvollere, gesundheitsbewusste Generation neu definiert.

European Business: Herr Šubrt, was hat Sie ursprünglich dazu motiviert, Program H plus zu gründen? 

Oldřich Šubrt: Nach mehr als 30 Jahren im oberen Gesundheitsmanagement, einschließlich der Leitung von Krankenhäusern, stand ich Anfang fünfzig an einem Scheideweg. Gleichzeitig hatte ich die Grenzen der standardmäßigen öffentlichen Gesundheitsversorgung erkannt. Jeder ist abgedeckt, was gut ist, aber Zugang, Zeit und Koordination fehlen oft. Ich beschloss, das Konzept der Concierge-Medizin aus den USA nach Mitteleuropa zu bringen. 

European Business: Wie passt dieses Modell in das tschechische Gesundheitssystem? 

Oldřich Šubrt: Das tschechische System ähnelt dem deutschen: universelle Abdeckung, größtenteils finanziert durch Arbeitgeber und den Staat. Was wir hinzufügen, ist keine Ersetzung, sondern eine zusätzliche Ebene. Kunden zahlen eine monatliche oder jährliche Gebühr für garantierten Zugang, längere Beratungen und koordinierte Pflege, die das öffentliche System nicht immer bieten kann. 

European Business: Wie hat sich das Unternehmen seit seiner Gründung entwickelt? 

Oldřich Šubrt: Wir starteten 2010 als sehr kleine Operation. Wir hatten fünf Ärzte und etwa 1 Million EUR Umsatz. Heute haben wir etwa 200 Mitarbeiter, drei Kliniken, ungefähr 12.000 Kunden und jährliche Umsätze von etwa 10 bis 11 Millionen EUR. Wir sind immer noch ein Boutique-Anbieter, aber ein stabiler und profitabler, der sich auf Qualität und personalisierte Langzeitpflege konzentriert. 

European Business: Was waren die größten Herausforderungen auf dem Weg? 

Oldřich Šubrt: Wirtschaftszyklen. Während der Finanzkrise strichen viele Unternehmenskunden Mitarbeiterleistungen und wir verloren sehr schnell etwa 20% unserer Kunden. Später machten regulatorische Änderungen unsere Dienstleistungen vorübergehend steuerlich weniger effizient. Aber der wichtigste Wendepunkt war die Covid-Pandemie. 

European Business: Inwiefern? 

Oldřich Šubrt: Covid zeigte den Wert von Vorbereitung und Daten. Da wir vollständig digitalisierte medizinische Aufzeichnungen hatten, konnten wir unsere Kunden innerhalb von Tagen nach Risiko segmentieren. Das ermöglichte es uns, die Pflege zu priorisieren, Impfungen frühzeitig zu unterstützen und unseren Patienten nahe zu bleiben, als das öffentliche System überlastet war. 

European Business: Daten scheinen zentral für Ihr Modell zu sein.
 
Oldřich Šubrt: Absolut. Unsere Ärzte dokumentieren alles digital und transparent. Patienten können jederzeit ihre Aufzeichnungen einsehen. Das schafft, was ich ‘wahrheitsgemäße Daten’ nenne. Im Gesundheitswesen werden Daten oft für die Abrechnung und nicht für die Pflege erstellt. Das führt zu Verzerrungen. In unserem System sehen die Patienten alles, was ihre Ärzte in Echtzeit schreiben. Das ändert das Verhalten. Ärzte dokumentieren genauer, und Patienten werden aktive Partner. Das Ergebnis sind Daten, denen man tatsächlich vertrauen kann – wesentlich, wenn man Prävention, Risikomanagement oder in Zukunft KI-gestützte Medizin betreiben will. Für uns ist diese Transparenz nicht nur ethisch; sie ist ein strategisches Gut und ein Haupttreiber des Unternehmenswerts. 

European Business: Was genau erhalten die Kunden in praktischer Hinsicht? 

Oldřich Šubrt: Jeder Kunde hat einen eigenen Hausarzt mit einer viel kleineren Patientenliste, sodass Zeit vorhanden ist: mindestens 30 Minuten pro Termin. Spezialisten sind in unsere Kliniken integriert, und wenn Krankenhauspflege benötigt wird, koordinieren wir alles, einschließlich privater Zimmer und Nachsorge. Es ist ein System, keine fragmentierte Pflege. 

European Business: Wer sind Ihre typischen Kunden? 

Oldřich Šubrt: Ungefähr die Hälfte sind private Personen oder Familien, die selbst zahlen und viele Jahre bei uns bleiben. Die andere Hälfte sind Unternehmenskunden, oft leitende Angestellte oder Spezialisten. Für sie ist Gesundheit nicht nur persönlich; sie schützt ihre Arbeitsfähigkeit und Führungsqualität. 

European Business: Sie sprechen viel über Prävention und Langlebigkeit. Warum? 

Oldřich Šubrt: Krankheiten zu behandeln ist nicht genug. Unser Ziel ist es, Menschen so lange wie möglich gesund und leistungsfähig zu halten. Das bedeutet evidenzbasierte Prävention, Genetik, Psychologie und psychosomatische Medizin. Psychische Probleme im Alter von 35 Jahren werden oft bis zum Alter von 50 Jahren zu physischen Krankheiten. Wir möchten viel früher eingreifen, mit Daten und einem wirklich personalisierten, proaktiven Gesundheitsansatz. 

European Business: Wie sehen Sie die Zukunft des Unternehmens? 

Oldřich Šubrt: Wir werden weiterhin ein Boutique-Anbieter bleiben; man kann diese Art von Pflege nicht für 100.000 Menschen bereitstellen. Aber wir sehen auch Möglichkeiten im betrieblichen Gesundheitsmanagement, indem wir aggregierte Daten verwenden, um das Wohlbefinden ganzer Organisationen zu verbessern. In diesem Sinne wird Gesundheitsversorgung zu einem strategischen Gut, nicht nur zu einem Kostenfaktor. 

Programm H plus, a.s. Health+
Health+ in Prag: 200 Mitarbeiter, 3 Kliniken, 12.000 Kunden, 10 bis 11 Millionen EUR Jahresumsatz

European Business: Wie hat sich das Unternehmen seit der Gründung entwickelt? 

Oldřich Šubrt: Wir haben 2010 als sehr kleine Einrichtung begonnen. Wir hatten fünf Ärzte und etwa 1 Million EUR Umsatz. Heute haben wir rund 200 Mitarbeiter, drei Kliniken, etwa 12.000 Kunden und jährliche Umsätze von etwa 10 bis 11 Millionen EUR. Wir sind immer noch ein Boutique-Anbieter, aber ein stabiler und profitabler, der sich auf Qualität und personalisierte Langzeitpflege konzentriert. 

European Business: Was waren die größten Herausforderungen auf dem Weg? 

Oldřich Šubrt: Wirtschaftszyklen. Während der Finanzkrise kürzten viele Firmenkunden die Mitarbeiterleistungen, und wir verloren sehr schnell etwa 20% unserer Kunden. Später machten regulatorische Änderungen unsere Dienstleistungen vorübergehend steuerlich weniger effizient. Aber der wichtigste Wendepunkt war die Covid-Pandemie. 

European Business: Inwiefern? 

Oldřich Šubrt: Covid zeigte den Wert von Vorbereitung und Daten. Da wir über vollständig digitalisierte Krankenakten verfügten, konnten wir unsere Kunden innerhalb von Tagen nach Risiko segmentieren. Das ermöglichte es uns, die Pflege zu priorisieren, Impfungen früh zu unterstützen und unseren Patienten nahe zu bleiben, als das öffentliche System überfordert war. 

European Business: Daten scheinen zentral für Ihr Modell zu sein.
 
Oldřich Šubrt: Absolut. Unsere Ärzte dokumentieren alles digital und transparent. Patienten können jederzeit ihre Akten einsehen. Das schafft, was ich 'ehrliche Daten' nenne. Im Gesundheitswesen werden Daten oft nur für die Abrechnung und nicht für die Pflege erstellt. Das führt zu Verzerrungen. In unserem System sehen die Patienten alles, was ihre Ärzte in Echtzeit schreiben. Das ändert das Verhalten. Ärzte dokumentieren genauer und Patienten werden aktive Partner. Das Ergebnis sind Daten, denen man wirklich vertrauen kann – essentiell, wenn man Prävention, Risikomanagement oder in Zukunft KI-gestützte Medizin betreiben will. Für uns ist diese Transparenz nicht nur ethisch; sie ist ein strategisches Gut und ein Schlüssel für den Unternehmenswert. 

European Business: Was erhalten die Kunden konkret praktisch? 

Oldřich Šubrt: Jeder Kunde hat einen festen Hausarzt mit viel kleinerer Patientenliste als üblich, so gibt es Zeit: mindestens 30 Minuten pro Termin. Spezialisten sind in unsere Kliniken integriert, und wenn Krankenhauspflege benötigt wird, koordinieren wir alles, einschließlich privater Zimmer und Nachsorge. Es ist ein System, keine fragmentierte Versorgung. 

European Business: Wer sind Ihre typischen Kunden? 

Oldřich Šubrt: Etwa die Hälfte sind private Individuen oder Familien, die selbst zahlen und viele Jahre bei uns bleiben. Die andere Hälfte sind Firmenkunden, oft leitende Manager oder Spezialisten. Für sie ist Gesundheit nicht nur persönlich; sie schützt ihre Arbeitsfähigkeit und Führungskompetenz. 

European Business: Sie sprechen viel über Prävention und Langlebigkeit. Warum? 

Oldřich Šubrt: Die Behandlung von Krankheiten ist nicht genug. Unser Ziel ist es, Menschen so lange wie möglich gesund und leistungsfähig zu halten. Das bedeutet evidenzbasierte Prävention, Genetik, Psychologie und psychosomatische Medizin. Psychische Probleme im Alter von 35 Jahren führen oft bis zum Alter von 50 Jahren zu körperlichen Erkrankungen. Wir wollen viel früher eingreifen, unter Verwendung von Daten und einem wirklich personalisierten, proaktiven Gesundheitsansatz. 

European Business: Wie sehen Sie die Zukunft des Unternehmens? 

Oldřich Šubrt: Wir werden ein Boutique-Anbieter bleiben; man kann diese Art der Pflege nicht 100.000 Menschen anbieten. Aber wir sehen auch Chancen im betrieblichen Gesundheitsmanagement, indem wir aggregierte Daten nutzen, um das Wohlbefinden ganzer Organisationen zu verbessern. In diesem Sinne wird Gesundheitsversorgung zu einem strategischen Gut, nicht nur zu einem Kostenfaktor. 

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Manfred Brinkmann

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