„Deutsche sollten nicht mehr arbeiten – sie sollten mehr nachdenken“
Interview mit Karsten Schönhardt, Geschäftsführer von IMONTEC Elektrotechnik
Der Energiesektor befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Während Diskussionen über Netzausbau, Energieversorgungssicherheit und Digitalisierung die öffentliche Debatte dominieren, entwickelt IMONTEC Elektrotechnik seit Jahren praktische Lösungen. Geschäftsführer Karsten Schönhardt spricht über seinen Weg aus einem großen Konzernumfeld in die Welt der KMU, die wachsende Bedeutung der Steuerungstechnik und warum er die dezentrale Energieversorgung als ein Schlüsselelement der Zukunft sieht.
Wirtschaftsforum: Herr Schönhardt, wie kamen Sie dazu, sich IMONTEC Elektrotechnik anzuschließen?
Karsten Schönhardt: Meine berufliche Laufbahn begann als Elektrotechniker in der Braunkohlenindustrie. Nach der deutschen Wiedervereinigung studierte ich Elektrotechnik und arbeitete dann etwa 20 Jahre lang für Energieversorger, schließlich übernahm ich Verantwortung auf RWE-Gruppen-Ebene. Irgendwann begann ich mich zu fragen, was ich als Nächstes tun wollte. Als die Gelegenheit entstand, die Nachfolge bei IMONTEC zu übernehmen, entschied ich mich, diese zu ergreifen. Ich trat 2015 als Geschäftsführer bei und 2017 erwarben wir das Unternehmen.
Wirtschaftsforum: Was hat Sie an IMONTEC gereizt?
Karsten Schönhardt: Ich kannte das Unternehmen bereits durch meine frühere Arbeit. IMONTEC war seit 2001 erfolgreich am Markt etabliert und bot ein solides Dienstleistungsportfolio an. Gleichzeitig sahen wir erhebliches Entwicklungspotenzial. Nach vielen Jahren in einem Konzern wollten wir die kurzen Entscheidungswege, die ein mittelständisches Unternehmen bieten kann, nutzen und Ideen schneller umsetzen.
Wirtschaftsforum: Der Start verlief jedoch nicht ganz reibungslos.
Karsten Schönhardt: Das stimmt. 2017 durchliefen viele Energieversorger Restrukturierungsprozesse. Es gab weniger Projekte und der Preisdruck war extrem hoch. Das waren herausfordernde Zeiten für uns. Rückblickend zwang uns die Situation jedoch, unsere Prozesse zu überdenken und wesentlich effizienter zu werden.
Wirtschaftsforum: Was waren die wichtigsten Meilensteine?
Karsten Schönhardt: Ohne Zweifel die Digitalisierung. Wir trafen früh die Entscheidung, dass Arbeit nicht unbedingt im Büro stattfinden muss. Unsere Projektleiter arbeiten dort, wo sie am meisten gebraucht werden - oft direkt vor Ort. Gleichzeitig führten wir eine integrierte Softwareplattform ein, die alles von der Angebotserstellung bis zur Rechnungsstellung kombiniert. Das war wahrscheinlich der wichtigste Schritt hinter unserem heutigen Erfolg.
Wirtschaftsforum: Worauf konzentriert sich IMONTEC heute genau?
Karsten Schönhardt: Ein Kernbereich bleibt der Bau und die Modernisierung der elektrischen Infrastruktur für den Energiesektor. Darüber hinaus haben wir unsere Kompetenzen in der Steuerungs- und Automatisierungstechnik erheblich ausgebaut. Das ist ein Markt mit enormer Nachfrage. Viele Systeme, die nach der Wiedervereinigung modernisiert wurden, erreichen nun das Ende ihrer Lebensdauer. Sie müssen ersetzt werden, und genau hier kommen unsere Erfahrung und unser Fachwissen zum Einsatz.
Wirtschaftsforum: Was unterscheidet IMONTEC von seinen Wettbewerbern?
Karsten Schönhardt: Unsere besondere Stärke liegt in der Steuerungstechnik und den Engineering-Dienstleistungen. Größere Konkurrenten verfügen oft über die Ressourcen, um riesige Infrastrukturprojekte zu bewältigen. Wir hingegen zeichnen uns in Bereichen aus, in denen spezialisiertes Fachwissen gefragt ist. Tatsächlich arbeiten wir manchmal im Auftrag von Konkurrenten, weil sie auf unser Know-how in diesen speziellen Bereichen setzen.
Wirtschaftsforum: Wie wichtig ist Ihnen die Unternehmenskultur?
Karsten Schönhardt: Sie ist einer der wichtigsten Faktoren. Die Menschen müssen eine gemeinsame Denkweise teilen und zusammenarbeiten, um die gleichen Ziele zu erreichen. Konflikte können nicht einfach ignoriert werden, da sie eine Organisation verlangsamen. Gleichzeitig geben wir unseren Mitarbeitern einen hohen Grad an Freiheit. Heute arbeiten wir fast ausschließlich auf der Basis von Remote-Arbeit. Wichtig ist nicht, wo die Menschen arbeiten, sondern die Ergebnisse, die sie liefern. Dieser Ansatz funktioniert für uns sehr gut.
Wirtschaftsforum: Wo sehen Sie die Zukunft der Energieversorgung?
Karsten Schönhardt: Ich bin überzeugt, dass dezentrale Energiesysteme eine immer wichtigere Rolle spielen werden. Wir investieren enorme Summen in den Transport von Strom über lange Distanzen, während lokale Speicherlösungen und dezentrale Strukturen die Versorgungssysteme widerstandsfähiger und sicherer machen könnten. Es wird nie eine einzige Lösung geben, aber Dezentralisierung ist sicherlich ein wichtiger Teil der Antwort.
Wirtschaftsforum: Was treibt Sie persönlich an?
Karsten Schönhardt: Neugier und die Suche nach besseren Lösungen. Ich glaube, dass wir in Deutschland weniger darüber diskutieren sollten, wie man mehr arbeitet, und mehr darüber nachdenken sollten, wie man anders arbeitet. Innovation entsteht aus Diskussionen, aus der Herausforderung etablierter Ansätze und aus dem Zusammenbringen unterschiedlicher Perspektiven. Genau das streben wir bei IMONTEC täglich an.