Führende hochwirksame Transformationen in einer sich wandelnden Region
Interview mit Krystian Kamyk, Partner und CEE-Leiter von A.T. Kearney Sp. z o.o.
Zentral- und Osteuropa haben in den letzten drei Jahrzehnten eine tiefgreifende wirtschaftliche Transformation durchgemacht, was Chancen – und Komplexität – für Unternehmen in sich schnell entwickelnden Märkten schafft. In einer Zeit, in der Digitalisierung, geopolitische Unsicherheit und sich verändernde regulatorische Landschaften ganze Branchen umgestalten, stehen Managementteams unter beispiellosem Druck, schneller und widerstandsfähiger zu entscheiden. Beratungsunternehmen, die in der Lage sind, Komplexität in messbare Ergebnisse zu übersetzen, sind zu unverzichtbaren Partnern geworden. In diesem Umfeld teilt Krystian Kamyk, Partner und CEE-Leiter bei A.T. Kearney Sp. z o.o. in Warschau, wie die Firma Organisationen durch hochwirksame Veränderungen unterstützt.
European Business: Herr Kamyk, könnten Sie sich zu Beginn kurz vorstellen und Ihren Weg zu Kearney beschreiben?
Krystian Kamyk: Ich bin 2008 nach früheren Tätigkeiten in der Marketingberatung und im Bankwesen zu Kearney gekommen. Ich wollte die Wirtschaft breiter erkunden, und die Beratung bot diese Möglichkeit. Besonders angezogen hat mich bei Kearney die Menschen – pragmatisch, unkompliziert und sie leisten erstaunliche Arbeit. Ich wurde 2020 Partner und leite nun die CEE-Einheit, nachdem ich zuvor das polnische Büro geleitet hatte. Meine Arbeit konzentriert sich auf Transformationen, insbesondere M&A, Neugestaltung des Betriebsmodells und umfangreiche Veränderungen in den Bereichen Bankwesen, Telekommunikation, Energie und anderen infrastrukturlastigen Branchen.
European Business: Wie hat sich Kearney in Polen entwickelt?
Krystian Kamyk: Da Kearney 2026 global sein 100-jähriges Jubiläum feiert, ist es auch ein Moment, über die lokale Entwicklung der Firma nachzudenken. In Polen feiern wir dieses Jahr 30 Jahre und diese Reise spiegelt die Transformation der Region wider. In CEE haben wir unser erstes Büro in Prag eröffnet, bevor wir nach Polen, Rumänien, Slowenien und Kroatien expandierten. Wir hatten Büros in Kiew und Moskau, aber das letztere haben wir nach der Aggression Russlands geschlossen.
Ein wichtiger Meilenstein war unser Management-Buyout um das Jahr 2005 herum, der das globale Partnerschaftsmodell wiederherstellte. Der EU-Beitritt löste dann bedeutende nationale Transformationen aus – in den Bereichen Telekommunikation, Energie, Öl und Gas, Infrastruktur – wo wir eine bedeutende Rolle spielten. Später, zwischen 2015 und 2025, erweiterten wir unsere Arbeit im Bereich Private Equity und dehnten uns auf Gesundheit, E-Commerce, Technologie aus und bauten ein CEE-Hub für Datenwissenschaft, maschinelles Lernen und KI auf. Was sich während dieser Entwicklung konstant gehalten hat, ist die Art und Weise, wie wir arbeiten – mit einer Partnerschaftsmentalität und einem starken Fokus auf langfristige Auswirkungen für unsere Kunden.
European Business: Was zeichnet den Beratungsansatz von Kearney aus?
Krystian Kamyk: Wir sind eine umfassende Strategie- und Managementberatungsfirma, die sich auf hochwirksame, selten auftretende Herausforderungen konzentriert. Unser Portfolio umfasst Strategieentwicklung, Markteintritt, M&A einschließlich Abspaltungen und Integrationen, Restrukturierung sowie zunehmend von KI gesteuerte und automatisierte Transformationen. Unser Markenversprechen „Impact first“ bedeutet, über Entscheidungen hinauszugehen – Projekte müssen echte Veränderungen bewirken. Wir managen Komplexität, richten große Organisationen aus und bieten eine externe Schicht von Objektivität, die interne Teams oft nicht leisten können. Wir helfen Organisationen, das Kommende vorherzusehen, kühne Ideen in greifbare Ergebnisse umzusetzen - ein Ansatz, der in der heutigen zunehmend turbulenten Umgebung noch wichtiger ist.
European Business: Wie ist Ihr Team aufgrund von Marktveränderungen gewachsen?
Krystian Kamyk: Wir haben bis etwa 2006 schnell zugenommen, dann gab es eine Stagnation während der Finanzkrise. Seit 2015 haben wir uns in Warschau verdreifacht. Heute haben wir etwas mehr als 100 Mitarbeiter in Polen und über 300 in der Region; weltweit beschäftigt Kearney rund 6.000 Mitarbeiter.
European Business: Digitalisierung und KI verändern die Beratungsbranche. Wie bleiben Sie führend?
Krystian Kamyk: Als globale Partnerschaft hilft es uns, neue Praktiken schnell zu teilen und zu skalieren. Unser CEE-Datenwissenschaftszentrum startete Ende der 2010er Jahre und arbeitete bereits 2020 mit generativer KI. Digitalisierung ist kein Alleinstellungsmerkmal mehr – Automatisierung, Robotik und KI sind die nächste Grenze. Gleichzeitig bleibt Nachhaltigkeit ein zentraler Treiber: Dekarbonisierung, Energiewende, Mobilität, Kreislaufwirtschaft, Abfall- und Wasserwirtschaft sowie Resilienz. Diese Bereiche treiben weiterhin die Nachfrage nach hochwertiger Beratung an.
European Business: Welche Werte definieren die Kultur von Kearney?
Krystian Kamyk: Wir sprechen über die „Kearney Originale“ – Personen, die Neugier, Kühnheit, Großzügigkeit, Solidarität und Leidenschaft verkörpern. Neugier und Kühnheit sind typische Beratungsmerkmale, aber Großzügigkeit und Solidarität heben uns ab. Neue Kollegen bemerken oft die Transparenz und Zusammenarbeit innerhalb der Partnerschaft. Leidenschaft ist wichtig, weil die Beratung eine branche mit hohem Einsatz ist; ohne Leidenschaft stellt sich schnell Frustration ein. Kearneys Ambition bleibt unverändert: eine bedeutende, langanhaltende Wirkung zu erzielen. Jede Ära unserer Reise brachte neue Herausforderungen und Gelegenheiten, und jede hat geformt, wer wir heute sind.
European Business: Blick nach vorn, wo sehen Sie die größten Herausforderungen für Kunden?
Krystian Kamyk: Resilienz ist jetzt sowohl technisch als auch strategisch. Technisch benötigen Unternehmen agile Prozesse und widerstandsfähige Wertschöpfungsketten. Strategisch erfordert es eine neue Kultur der Governance – Entscheidungsfindung, die sich schnell anpasst, wenn Krisen entstehen. Alles vorherzusagen ist unmöglich, daher müssen Organisationen auf schnellen Wandel vorbereitet sein. Sogar innerhalb von Kearney, als die jüngste Krise im Nahen Osten ausbrach, gab unser CEO innerhalb von zwölf Stunden Anweisungen heraus. Dieses Maß an Bereitschaft ist für globale Organisationen essenziell.