Vorbereitung auf die Wasserzukunft

INTERVIEW MIT Andrea Ponta, Generaldirektor

Klärbecken in der Kläranlage von Cuneo
Klärbecken in der Kläranlage von Cuneo

Wasserinfrastruktur zieht selten viel Aufmerksamkeit auf sich, wenn sie gut funktioniert. Doch in ganz Europa stehen Versorgungsunternehmen aufgrund des Klimawandels, alternder Netzwerke, steigender Investitionsbedürfnisse und strengerer Erwartungen an Effizienz und Nachhaltigkeit unter wachsendem Druck. Besonders in ländlichen und geografisch komplexen Regionen ist die Sicherstellung zuverlässiger Wasserdienstleistungen eine anspruchsvolle Langzeitaufgabe geworden. In diesem Umfeld zeichnet sich Azienda Cuneese Dell'Acqua S.p.A. in Cuneo, Italien, durch starke regionale Verwurzelung, seine öffentliche Dienstmission und seine zunehmend gezielte Investition in digitale Werkzeuge aus. Dadurch hilft es, essenzielle Wasserdienstleistungen langfristig zu sichern.

European Business: Herr Ponta, können Sie uns einen Überblick über Azienda Cuneese Dell’Acqua S.p.A. und deren Entwicklung über die Jahre geben?

Andrea Ponta: ACDA wurde in den 1990er Jahren gegründet und baute auf den Wasserdienstleistungen auf, die zuvor von der Gemeinde Cuneo und einigen anderen Gemeinden gehandhabt wurden. Als sich der regulatorische Rahmen in Italien weiterentwickelte, übertrugen immer mehr Gemeinden die Verantwortung für Wasserversorgung, Kanalisation und Abwasserbehandlung an das Unternehmen. So wuchs ACDA allmählich zu dem heran, was es heute ist. Wir bedienen jetzt 108 Gemeinden in der Provinz Cuneo. Wir sind eine Aktiengesellschaft nach privatem Recht, aber unser Eigentum ist vollständig öffentlich, da unsere Aktionäre ausschließlich die Gemeinden sind, die wir bedienen. Was unsere Arbeit auch besonders macht, ist das Gebiet selbst. Wir arbeiten in einem sehr vielfältigen Bereich zwischen den Seealpen und der Ebene und bedienen alles, von sehr kleinen Berggemeinden bis zur Provinzhauptstadt Cuneo.

Andrea Ponta, Geschäftsführer
Andrea Ponta, Geschäftsführer

European Business: Was bedeutet das konkret für Ihren Geschäftsalltag?

Andrea Ponta: Es bedeutet, dass unsere Arbeit tief in der Region verwurzelt ist. Wasser kann nicht aus der Ferne verwaltet werden. Man benötigt Menschen, technische Fähigkeiten und Strukturen vor Ort. Gleichzeitig unterliegen wir den Regeln der öffentlichen Auftragsvergabe, obwohl wir nach privatem Recht organisiert sind. Für größere technische Maßnahmen und Investitionen arbeiten wir daher mit Ausschreibungen und Rahmenverträgen mit externen Auftragnehmern. Unsere internen Teams konzentrieren sich hauptsächlich auf die übliche Instandhaltung, Notfalleingriffe, Leckreparaturen und den Betrieb der Netze und Anlagen. So kombinieren wir betriebliches Know-how intern mit externer Unterstützung für größere und komplexere Projekte.

European Business: Nachhaltigkeit ist heute überall ein Schlüsselthema. Was bedeutet das für Ihr Geschäft?

Andrea Ponta: Nachhaltigkeit hat für uns mehrere Dimensionen. Die erste ist die Ressource selbst. Wasser kann auch in unserem Gebiet nicht mehr als selbstverständlich angesehen werden. Die Dürre von 2022 hat das sehr deutlich gemacht. Eine große Priorität ist daher, den Wasserverlust im Netz zu reduzieren und einen bewussteren Wasserverbrauch zu fördern. Die zweite Dimension ist die ökonomische Nachhaltigkeit. Unser Geschäft wird durch Tarife und Rechnungen finanziert, daher haben wir die Verantwortung, Ressourcen sorgfältig zu nutzen. Deshalb haben wir ein starkes Kontrollsystem für das Management eingeführt, um Kosten zu überwachen und Effizienz sicherzustellen. Eine dritte Dimension ist Innovation. Wir testen Systeme in Berggebieten, die Feuchtigkeit aus der Luft sammeln und Trinkwasser während Dürreperioden bereitstellen können.

European Business: Sie haben mehrmals die Digitalisierung erwähnt. Warum wird sie im Wassersektor so wichtig?

Andrea Ponta: Weil sie uns hilft, in einer viel gezielteren Weise zu investieren. Einer der größten strukturellen Herausforderungen in unserem Gebiet ist die geringe Bevölkerungsdichte. Wir haben ein sehr großes Territorium, viele Netze und Anlagen, die darüber verteilt sind, aber vergleichsweise wenige Nutzer pro Quadratkilometer. Das bedeutet begrenzte finanzielle Ressourcen für eine sehr umfangreiche Infrastrukturbasis. Da viele Anlagen und Rohrleitungen alt sind, können wir nicht einfach alles auf einmal ersetzen. Wir müssen intelligent handeln. Hier wird die Digitalisierung wesentlich. Dank der Finanzierung durch das PNRR konnten wir Systeme für Bezirkszähler, Leckerkennung und digitale Zwillinge entwickeln. Diese Werkzeuge helfen uns, kritische Punkte im Netz zu identifizieren und Investitionen viel präziser zu priorisieren.

European Business: Was sind die größten Herausforderungen und Ziele für die kommenden Jahre?

Andrea Ponta: Die zentrale Herausforderung besteht darin, zwei Bedürfnisse in Einklang zu bringen, die in entgegengesetzte Richtungen zu weisen scheinen. Einerseits muss der Wasserdienst physisch im Territorium präsent bleiben. Man kann ihn nicht online bereitstellen. Man braucht lokale Verwurzelung, lokale Reaktion und lokales Wissen. Andererseits müssen die Betreiber größer und stärker werden, weil Größe für finanzielle Kapazität, Innovation und die Fähigkeit, effiziente Systeme zu bilden, notwendig ist. Das Schlüsselthema für die Zukunft ist also die Aggregation: enger zusammenarbeiten, stärkere Strukturen schaffen und möglicherweise Fusionen anstreben, während die lokale Identität und Präsenz weiterhin bewahrt wird.

European Business: Abschließend, was definiert Azienda Cuneese Dell’Acqua S.p.A. heute?

Andrea Ponta: Ich würde drei Dinge sagen: Verantwortung, territoriale Präsenz und die Bereitschaft zur Modernisierung. Wir verwalten einen wichtigen öffentlichen Dienst in einer anspruchsvollen geografischen Umgebung. Das erfordert betriebliche Disziplin, finanzielle Verantwortung und eine klare Investitionslogik. Gleichzeitig wollen wir den Gemeinden, denen wir dienen, nahe bleiben. Wir sind überzeugt, dass Digitalisierung, Nachhaltigkeit und intelligente Aggregation der richtige Weg nach vorne sind. Wasser wird eines der bestimmenden Themen der Zukunft bleiben, und wir wollen unseren Teil mit Ernsthaftigkeit und langfristiger Perspektive dazu beitragen.

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