Mit Fleiß und Einsatz zum Franchise-Erfolg!
Interview mit Thomas Wilde, Geschäftsführer der Call a Pizza Franchise GmbH
Call a Pizza hat als Pizzalieferdienst Pionierarbeit im deutschen Takeaway-Markt geleistet. Heute setzt das Unternehmen auf ein starkes Franchisesystem, wobei den einzelnen Franchisenehmern viele Freiheiten bleiben – auch wenn Geschäftsführer Thomas Wilde genau weiß, was ein erfolgreicher Pizza Store mitbringen muss. Wirtschaftsforum verriet er die wichtigsten Erfolgsgeheimnisse.
Wirtschaftsforum: Herr Wilde, als der erste Call a Pizza-Store in den 1980er-Jahren an den Start ging, war das dahinterstehende Geschäftsmodell in Deutschland noch ziemlich neu – wie viel Pionierarbeit steckt in Ihrer Unternehmensgeschichte?
Thomas Wilde: Ich selbst habe 1989 im Nebenerwerb als Pizzafahrer in meinem ersten Laden angefangen. Meine Eltern – beide Beamte – konnten das Geschäftskonzept damals gar nicht glauben: Da bestellen Kunden am Telefon eine Pizza, die ihnen eine halbe Stunde später einfach frei Haus geliefert wird. Damals hat man sich allenfalls ein halbes Hähnchen bei Wienerwald geholt, so wie mein Vater. Später bin ich dann zum Schichtführer aufgestiegen und habe den Laden, in dem ich ursprünglich einmal angefangen hatte, 1991 schließlich gekauft. Streng juristisch betrachtet, bin ich also auch heute noch Franchisenehmer.
Wirtschaftsforum: Wenig später haben Sie die Welt von Call a Pizza für einige Zeit verlassen – bis Sie das Unternehmen 2002 übernahmen.
Thomas Wilde: Damals teilte sich Call a Pizza die Marktführerschaft in Deutschland mit zwei anderen bekannten Ketten – und stand aufgrund größerer Fehler des damaligen Managements trotzdem am Rande der Insolvenz. Ich führte damals den umsatzstärksten Store der Kette, habe daneben auch Store Checks in anderen Filialen durchgeführt und zudem die Expansion in Berlin mitverantwortet. Ich habe das Unternehmen dann erworben, um es mit einem klaren Turnaround-Konzept in die Zukunft zu führen. Dazu mussten wir zunächst recht viel Ballast abbauen und haben unser Filialnetz von 75 auf 50 ausgedünnt. Inzwischen betreiben wir wieder etwas mehr als 120 Stores – damit sind wir bei den Filialzahlen in den letzten zwei Jahrzehnten also stabil, aber sehr bedacht gewachsen. Gleiches gilt für unsere Umsatz- und Gewinnentwicklung. Aufgrund der schwierigen gesamtwirtschaftlichen Lage mussten wir letztes Jahr zum ersten Mal überhaupt einen Umsatzverlust ausweisen, und haben auch nach langer Zeit erstmals wieder Läden verloren, die leider nicht mehr zu halten waren. Trotzdem bleibt unsere finanzielle Position stabil.
Wirtschaftsforum: Eine Stabilität, die Sie auch von Ihren Franchisenehmern erwarten?
Thomas Wilde: Im Kern ja – doch ein Franchisenehmer ist ein selbstständiger Unternehmer, der im Rahmen der von uns vorgegebenen Bedingungen seine eigenen Entscheidungen treffen darf: Freiräume, die wir ganz bewusst gewähren. Jeder unserer Partner darf beispielsweise seine Öffnungszeiten, seine Preisgestaltung und einen Großteil der Bezugsquellen seiner Rohstoffe frei wählen – wir schreiben lediglich die Spezifikationen der Produkte vor, die der Franchisenehmer anzubieten hat. Nur wenn dagegen verstoßen wird, kündige ich knallhart das Vertragsverhältnis auf. Ansonsten dürfen unsere Partner auch Entscheidungen treffen, die ich für völlig falsch halte: beispielsweise unsinnige Preisabweichungen im Vergleich zu den Wettbewerbern oder zu kurze Öffnungszeiten. Denn wem ich um 23.00 Uhr beweisen kann, dass ich die geilste Pizza der Stadt zu bieten habe, der wird bei mir auch mal mittags um 12.00 Uhr bestellen.
Wirtschaftsforum: Welche Tipps geben Sie Ihren Franchisenehmern mit auf den Weg?
Thomas Wilde: Schon auf dem Weg zum Franchisevertrag scheitern leider viele – weil sie nicht genug Eigenkapital aufbringen, weil sich das Finanzierungskonzept als nicht tragfähig erweist oder weil sich kein geeigneter Standort findet. Viele dieser Hürden sind vorhersehbar, aber viele unserer Franchisenehmer stammen aus dem unteren und mittleren sozialen Milieus, haben Lücken in der Erwerbsbiografie und teilweise nicht die besten Schulabschlüsse. Das erfordert auf beiden Seiten viel Geduld. Wenn dann der Laden einmal eröffnet ist, geht die Arbeit für den Franchisenehmer aber erst richtig los. Chef sein heißt: Arbeiten, arbeiten, arbeiten! Man ist morgens der Erste, der im Laden steht, und abends der Letzte, der nach Hause geht und vorher noch die Tür abschließt. Ich rate auch dringend dazu, allen Verwaltungsaktivitäten wie der Buchhaltung im Laden nachzugehen und nicht im heimischen Homeoffice: Denn wenn der Chef im Büro ist, kann ein Unternehmen ganz anders geführt werden, als wenn er durch Abwesenheit glänzt.
Wirtschaftsforum: Haben manche Franchisenehmer falsche Erwartungen an ihre neuen Aufgaben?
Thomas Wilde: Absolut – und darin liegt in den allermeisten Fällen der Grund für ein späteres Scheitern. Dann läuft die Krankenversicherung der halben Familie über den Pizza-Store, und zu allem Übel folgen jeden Monat 5.000 EUR an Entnahmen, um den zunehmend aufwendigen Lebensstil zu finanzieren – einschließlich der Rolex am Handgelenk. Aber auch Überheblichkeit kann in den Ruin führen: Einer unserer Franchisenehmer war Bankkaufmann, nahm sein neues Projekt aber komplett auf die leichte Schulter. Nach etwas über einem halben Jahr folgte die Insolvenz. Immerhin war er einsichtig und hatte erkannt, dass er seinen eigenen Laden etwas ernster hätte nehmen sollen. Da war es aber schon zu spät. Als Kapitän darf man eben nicht erst auf die Brücke kommen, wenn das Schiff schon untergeht.
Wirtschaftsforum: Und wie sehen die Erfolgsgeschichten bei Call a Pizza aus?
Thomas Wilde: Da denke ich an meinen Assistenten, der vor 25 Jahren in meinem Laden die Fliesen geputzt hat. Heute verdient er bei mir ein sechsstelliges Gehalt. Sätze wie „Kann ich nicht, will ich nicht, mach‘ ich nicht“ kommen gar nicht in seinem Wortschatz vor. Er brennt für Call a Pizza genau wie ich – und zeigt, was in einem Franchiseumfeld alles möglich ist!