Schädlingsbekämpfung als strategischer Dienst
Interview mit Marco Zappulli, Geschäftsführer von Rentokil Schweiz AG
In einem Markt, der zunehmend durch Regulierung, Nachhaltigkeitsanforderungen und eine wachsende Verschiebung hin zu präventiven Lösungen geprägt ist, entwickelt sich die Schädlingsbekämpfung zu einem strategischen Dienst. Rentokil Schweiz AG positioniert sich durch die Kombination von internationaler Expertise mit einem starken lokalen Fokus. Geschäftsführer Marco Zappulli erläutert, wie sich das Schweizer Geschäft entwickelt, welche Rolle es innerhalb der Gruppe spielt und wie die Aussichten sind.
Rentokil Schweiz AG ist Teil einer international tätigen Gruppe mit Hauptsitz in Großbritannien und ist ausschließlich auf dem Schweizer Markt tätig. Das Unternehmen deckt zwei eng miteinander verbundene Geschäftsbereiche ab: Schädlingsbekämpfung als Kerngeschäft und Hygiene- und Wohlbefindensdienste als wachsende zweite Säule. Etwa 80 % des Geschäfts werden durch Schädlingsbekämpfung generiert, während hygieneverwandte Dienstleistungen in ihrer Bedeutung weiter zunehmen. Seitdem Marco Zappulli 2022 die Verantwortung für die Schweiz übernommen hat, liegt der Fokus auf der Stärkung der lokalen Organisation in einem Markt, der in den letzten Jahren vergleichsweise stabil geblieben ist und langfristige Planung statt kurzfristiges Krisenmanagement ermöglicht.
Der Schweizer Markt als stabile Wachstumsplattform
In der Schweiz operiert Rentokil in einem fragmentierten Markt mit etwa 50 Anbietern, viele davon sehr kleine, techniker-geführte Unternehmen. Der Schweizer Schädlingsbekämpfungsmarkt wächst jährlich um etwa 4-5 % und wird auf rund 70 Millionen CHF geschätzt. Rentokil wächst schneller als der Markt, indem es kontinuierlich Marktanteile durch eine breite Kundenmischung gewinnt. Die Kunden reichen von stark regulierten Lebensmittel- und Pharmaunternehmen bis zu Immobilienverwaltungen und privaten Haushalten, was es dem Unternehmen ermöglicht, industrielle Anforderungen mit schnellen, lösungsorientierten Dienstleistungen für Verbraucher auszugleichen. „Die Schweiz ist nicht immun gegen globale Entwicklungen, aber sie ist stabiler als viele andere europäische Märkte“, erklärt Marco Zappulli. Externe Einflüsse werden hauptsächlich indirekt gespürt, zum Beispiel über exportabhängige Industrien, während die inländische Nachfrage nach präventiver Schädlingsbekämpfung und Hygienediensten robust bleibt.
Strategische Rolle und Ausblick
Innerhalb der Rentokil Initial Gruppe gilt die Schweiz als ein wichtiger und zuverlässiger Markt, jedoch nicht als Kernvolumenmarkt wie Deutschland, Frankreich oder Italien. Ihre Rolle liegt in konstanter Leistung, hoher Dienstleistungsqualität und der Fähigkeit, internationale Best Practices lokal umzusetzen. Dazu gehören Investitionen in IoT-basierte Schädlingsbekämpfungslösungen, Chemiereduktion und präventive Ansätze sowie der schrittweise Ausbau des Hygiene- und Wohlbefindensportfolios. Blick nach vorne, strebt Rentokil danach, seine Dienstleistungskompetenzen zu erweitern, indem es zusätzliche, bereits in anderen Ländern etablierte Dienste einführt, wie etwa Innenraumbepflanzungen unter der Marke Ambius und weitere hygienebezogene Angebote. Das Wachstum wird weiterhin durch eine Kombination aus organischer Entwicklung und selektiven Übernahmen angetrieben. „Unsere langfristige Vision ist nicht schnelle Expansion, sondern den Aufbau von Tiefe – in Dienstleistungen, Fachwissen und Kundenbeziehungen“, sagt Marco Zappulli. „So trägt die Schweiz nachhaltig zur Gesamtstärke der Gruppe bei.“