„Wir sorgen dafür, dass Millionen Menschen täglich Essen auf dem Tisch haben“

Interview mit Peter Appel, CEO von Simon Loos Groep B.V.

Die Lebensmittellogistik ist ein hochsensibles Geschäft: Verfügbarkeit, Effizienz und Kostendruck bestimmen den Takt. Simon Loos Groep B.V. ist einer der führenden Anbieter in diesem Segment in den Niederlanden. CEO Peter Appel erklärt, wie das familiengeführte Unternehmen mit rund 3.000 Mitarbeitern, einem konsequenten Fokus auf Spezialisierung und einer klaren Wachstumsstrategie seine Marktposition weiter ausbaut – und welche Rolle Elektrifizierung und Daten in diesem Prozess spielen.

European Business: Herr Appel, Sie sind seit vielen Jahren in der Logistik tätig. Wie begann Ihre Reise?

Peter Appel: Ich habe mein gesamtes Berufsleben in der Logistik verbracht. Im Jahr 2000 habe ich mein eigenes Transportunternehmen erworben. Am 1. Januar 2021 haben wir uns mit Simon Loos zusammengeschlossen. Seitdem bin ich Aktionär und CEO der fusionierten Gruppe. Offiziell bin ich seit 25 Jahren Geschäftsführer und bei Simon Loos seit fünf Jahren. Zwei Familienunternehmen kamen zusammen – das ist eher ungewöhnlich.

European Business: Die Geschichte des Unternehmens reicht viel weiter zurück.

Peter Appel: Ja, mein Großvater gründete Simon Loos im Jahr 1938. Es begann als regionaler Kurierdienst in Nordholland. In den 1960er Jahren begann die Partnerschaft mit Albert Heijn – das war der Ausgangspunkt für unsere konsequente Ausrichtung auf die Lebensmitteldistribution. Seit den 1970er Jahren haben wir das Unternehmen kontinuierlich weiterentwickelt, mit einem klaren Schwerpunkt auf den Niederlanden und der Benelux-Region.

European Business: Wie ist die Gruppe heute positioniert?

Peter Appel: Wir beschäftigen rund 3.000 Mitarbeiter und erwirtschaften etwa 380 Millionen EUR Umsatz. Davon stammen mehr als 90% aus Transportaktivitäten. Etwa zwei Drittel davon beziehen sich auf Lieferungen an Supermärkte, während ein Drittel den Transport von Produzenten zu Verteilzentren abdeckt. Darüber hinaus betreiben wir Lagerstandorte, die Mehrwertdienste wie Kommissionierung und Displaybau anbieten.

Peter Appel, CEO der Simon Loos Groep B.V.
Peter Appel, CEO der Simon Loos Groep B.V.

European Business: Wer sind Ihre Kunden?

Peter Appel: Im Einzelhandel Unternehmen wie Albert Heijn, Jumbo, Lidl und SPAR. Auf der Produzentenseite Marken wie Heineken, FrieslandCampina, Unilever und PepsiCo. Mit anderen Worten, wir bewegen Produkte, die jeder kennt. Ich sage oft: Wir sorgen dafür, dass Millionen von Menschen jeden Tag Nahrung auf dem Tisch haben.

European Business: Was unterscheidet Sie von der Konkurrenz?

Peter Appel: Transparenz. Transport ist kalkulierbar, also sollte man darüber offen sein. Wir investieren stark in IT und haben eigene interne Datenteams. Wir analysieren Wartezeiten, Bestellmuster und Kapazitätsauslastung und beraten unsere Kunden aktiv. Wir führen nicht nur einen Dienst aus – wir handeln als Partner. Wenn Sie zeigen können, wo Prozesse verbessert werden können, folgt Vertrauen.

European Business: Nachhaltigkeit ist ein Schlüsselthema. Wie positionieren Sie das Unternehmen?

Peter Appel: Sehr klar. Wir haben uns das Ziel gesetzt, bis 2032 größtenteils elektrisch zu operieren. Derzeit sind etwa 10% unserer Flotte elektrisch, und bis Ende des Jahres werden wir mehr als 200 Elektrofahrzeuge auf der Straße haben. Interessant ist, dass die meisten unserer Elektrolastwagen auf den Geländen unserer Kunden aufgeladen werden. Große Einzelhandelsketten wie Albert Heijn und Lidl haben stark in Ladeinfrastruktur investiert. Das Entwicklungstempo ist schnell – schneller, als wir es selbst erwartet hatten.

European Business: Wie würden Sie die Unternehmenskultur beschreiben?

Peter Appel: Wir sind ein traditionelles Familienunternehmen. Kurze Kommunikationswege, klare Verantwortlichkeiten. Unsere Fahrer erhalten einen Auftrag – und wir vertrauen ihnen, dass sie ihn eigenständig durchführen. Dieses Prinzip zieht sich durch die gesamte Organisation. Fehler dürfen passieren. Wichtig ist, dass man daraus lernt.

European Business: Was treibt Sie persönlich an?

Peter Appel: Entwicklung. Als ich im Jahr 2000 anfing, lag der Umsatz bei 9 Millionen EUR. Heute streben wir gemeinsam auf 400 Millionen EUR zu. Aufbau, Gestaltung, Elektrifizierung, neue Technologien – das motiviert mich. Gleichzeitig spüre ich, wie schnell sich alles verändert. Was früher zwei Jahrzehnte dauerte, geschieht jetzt innerhalb von fünf Jahren. Es fordert uns heraus – und genau das macht es spannend.

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Manfred Brinkmann

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