Von lokalen Wurzeln zur europäischen Stärke: Logistik, die mehr bewegt
Interview mit Emiel Kriesels, Verkaufsleiter von Raben Netherlands B.V.
Von seinen niederländischen Wurzeln bis zu einer starken Präsenz in Europa hat sich die Raben Group als wichtiger Akteur in der internationalen Logistik etabliert. Eine familiengeführte Gruppe, die in 17 Ländern tätig ist, kombiniert das Unternehmen ein umfangreiches Netzwerk mit lokaler Expertise und einem klaren Fokus auf Innovation, Digitalisierung und Nachhaltigkeit. In einem komplexen Markt bleibt die Nähe zum Kunden ein entscheidender Erfolgsfaktor. In diesem Interview teilt Emiel Kriesels, Verkaufsleiter für die Niederlande, Einblicke in die Entwicklung des Unternehmens, seine intermodalen Stärken und seinen Ansatz für langfristige Kundenbeziehungen in ganz Europa.
European Business: Herr Kriesels, könnten Sie kurz Ihren Werdegang und Ihre Rolle bei Raben Niederlande umreißen?
Emiel Kriesels: Ich bin 2003 zu dem Unternehmen gekommen, als es noch BAS, ein niederländisches Logistikunternehmen, war. Nach der Übernahme durch Raben im Jahr 2021 und der anschließenden Integration wechselte ich in meine derzeitige Rolle als Vertriebsleiter Niederlande. Da ich in mehreren operativen Abteilungen gearbeitet habe, kenne ich das Geschäft sehr gut und bin jetzt dafür verantwortlich, unsere Marktposition in den Niederlanden zu stärken.
European Business: Raben wird oft als polnisches Unternehmen angesehen. Was ist die eigentliche Geschichte hinter der Gruppe?
Emiel Kriesels: Raben wurde ursprünglich 1931 in den Niederlanden als Transportunternehmen in Winterswijk gegründet. Ein wichtiger Meilenstein war die Expansion nach Polen im Jahr 1991, von wo aus die Gruppe durch organisches Wachstum und Akquisitionen in ganz Europa wuchs. In den letzten Jahren wurde die Niederlande erneut in den Fokus gerückt, mit neuen Standorten in Heerlen und Hazerswoude sowie der Übernahme von DGO in Hoogeveen.
European Business: Wie ist das Unternehmen heute strukturiert?
Emiel Kriesels: Raben ist ein zu 100% familiengeführtes Unternehmen, das von der dritten Generation geleitet wird. Heute beschäftigen wir rund 13.000 Mitarbeiter, sind in 17 Ländern Europas tätig und betreiben 175 Depots, mit einem Umsatz von 3 Milliarden EUR. Trotz dieser Größe behalten wir flache Hierarchien bei, die schnelle Entscheidungen und enge Zusammenarbeit über alle Märkte hinweg ermöglichen.
European Business: Was sind Ihre Kernleistungen?
Emiel Kriesels: Unser Kerngeschäft ist der Netzwerktransport basierend auf einem Hub-and-Spoke-Modell für palettierte Waren. Gleichzeitig wachsen der FTL- und LTL-Transport neben unserem bestehenden europäischen Netzwerk und darüber hinaus. Intermodaler Transport ist ein weiterer wichtiger Bereich, der durch die Übernahme im Jahr 2021 weiter gestärkt wurde, die wertvolles Know-how in die Gruppe brachte, insbesondere für Routen zwischen den Benelux-Ländern und Italien oder Polen. Zusätzlich bieten wir Lagerhaltung und Vertragslogistik an, die direkt mit unseren Transportdiensten in den Niederlanden verbunden sind, was den Kunden ermöglicht, von integrierten Lösungen zu profitieren.
European Business: In welchen Märkten und Branchen sind Sie tätig?
Emiel Kriesels: Wir bedienen eine breite Palette von Branchen, einschließlich Automobilindustrie, Elektronik, FMCG, Lebensmittel und Chemikalien – im Grunde alles, was auf eine Palette passt. Unser eigenes Netzwerk deckt den größten Teil Europas ab, ergänzt durch Partner in Regionen wie Skandinavien, Frankreich und Spanien. Etwa 70 % unseres Geschäfts sind international, was unsere starke Positionierung in Europa unterstreicht.
European Business: Wie verwalten Sie Kundenbeziehungen und Marktauftritt?
Emiel Kriesels: Wir kombinieren aktiven Verkauf, internen Vertrieb und strategische Kundenbetreuung, aber das wirkliche Herzstück der Kundeninteraktion liegt bei unseren Kundenbetreuungsteams, wo die meiste tägliche Kommunikation und Koordination stattfindet. Diese enge Nähe zum Kunden ist ein wichtiger Unterschied. Für Key-Accounts weisen wir spezialisierte Ansprechpartner zu, die über fundierte Kenntnisse des Geschäfts der Kunden verfügen. Das Marketing wird zentral geleitet, aber auch lokal vorangetrieben, zum Beispiel durch eine Messe in Breda, während die Transport Logistic in München international als wichtige Plattform dient.
European Business: Welche Rolle spielen Digitalisierung und Nachhaltigkeit?
Emiel Kriesels: Digitalisierung ist essenziell, auch weil qualifizierte Arbeitskräfte knapp sind. Wir nutzen Kundenportale, EDI-Verbindungen und zunehmend KI, um Prozesse wie die Auftragsannahme zu automatisieren. Track-and-Trace ist Standard, mit Sendungen, die an jedem Hub gescannt und sogar Anhänger in Echtzeit verfolgt werden, einschließlich im intermodalen Transport. Nachhaltigkeit ist ebenso wichtig: Wir investieren in Elektrolastwagen, unsere eigene Ladeinfrastruktur und energieneutrale Gebäude wie unseren Standort in Oss. Wir führen auch Pilotprojekte durch, beispielsweise mit IKEA. Gleichzeitig stellen wir schrittweise von Diesel auf HVO, Elektromobilität und potenziell Wasserstoff um, während wir auch auf soziale Verantwortung und Vielfalt achten. Diese Bemühungen werden durch unsere Ecovadis-Bewertung 2026 anerkannt, die uns zu den besten 2 % der Unternehmen in der Branche 'Frachttransport auf der Straße' zählt.
European Business: Was definiert die Kultur und die zukünftige Ausrichtung von Raben?
Emiel Kriesels: Unsere Stärke ist die Kombination aus einem großen europäischen Netzwerk mit der Mentalität eines Familienunternehmens. Die Zugänglichkeit ist real – bei Bedarf nimmt der Inhaber persönlich an Kundengesprächen teil. Menschen und langfristige Beziehungen stehen im Zentrum unseres Ansatzes, unterstützt durch einen starken Teamgeist und eine Kultur des Vertrauens. Gleichzeitig agieren wir in herausfordernden Märkten, insbesondere der Automobil- und Chemiebranche, die durch geopolitische Entwicklungen geprägt sind. Unser Ziel ist nachhaltiges Wachstum, kontinuierliche Investitionen in Infrastruktur und Menschen und eine weitere Expansion in Europa bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der Stabilität.